Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/microsoft-studie-pcs-von-grossen-marken-sind-zuverlaessiger-1206-92826.html    Veröffentlicht: 28.06.2012 14:06    Kurz-URL: https://glm.io/92826

Microsoft-Studie

PCs von großen Marken sind zuverlässiger

Microsoft hat die von Windows gesammelten Fehlerberichte von privat genutzten PCs ausgewertet. Die Ergebnisse widersprechen vielen Mythen von PC-Bastlern, so sind unter anderem Notebooks zuverlässiger als Desktop-PCs, und die Rechner großer Hersteller stürzen seltener ab.

Microsoft hat die Daten der automatisch übermittelten Fehlerberichte von rund einer Million privater PCs ausgewertet. Die Daten sind nach Angaben des Unternehmens die bisher umfangreichste Studie (PDF) zu hardwarebedingten Abstürzen von privat genutzten Computern.

Die Autoren von Microsoft Research kommen dabei zu für eingefleischte Technikfans zum Teil überraschenden Ergebnissen. So haben sie festgestellt, dass PCs von Markenherstellern seltener von Prozessor, Hauptspeicher oder Massenspeicher bedingte Abstürze aufweisen.

Als Messwert dient dabei, wie bei allen Angaben der Untersuchung, die "total accumulated CPU time", kurz: Tact. Sie gibt an, wie lange ein Rechner insgesamt lief, bevor es zu einem Fehler kam. Dabei sehen die PCs von 20 Markenherstellern gegenüber dem restlichen Feld, als White-Box bezeichnet, recht gut aus.

Die Wahrscheinlichkeit für einen CPU-bedingten Absturz in den ersten 30 Tagen Tact liegt bei den Marken-PCs bei 1:120, bei den White-Boxes bei 1:93. Bei den durch SSDs oder Festplatten bedingten Fehlern liegen die beiden Gruppen gleichauf, beim Hauptspeicher ist der Unterschied aber dramatisch. 1:2.700 ist die Absturzwahrscheinlichkeit bei Markenrechnern, bei den White-Boxes liegt sie bei 1:950. Die Studie macht dabei keine Unterscheidung zwischen selbst gebauten PCs und denen von kleineren Marken, eben den White-Boxes, wie sie in Deutschland vor allem von lokalen Anbietern und Versendern unter eigenen Markennamen angeboten werden.

Die Namen von Hardwareherstellern nennt die Studie im Übrigen nicht, was auch für die Zuverlässigkeit eines übertakteten Prozessors gilt. Hier sprechen die Autoren zwar von zwei CPU-Herstellern - womit nur AMD und Intel gemeint sein können -, geben aber einen deutlichen Unterschied an. Die CPUs des einen Anbieters stürzen 20-mal so häufig ab, wenn sie übertaktet sind. Dabei wurde aber Benutzerverschulden wie zu aggressive Einstellungen im Bios nicht berücksichtigt, das können die Windows-Fehlerberichte nicht auswerten.

Notebooks sind stabiler als Desktop-PCs

Allgemein sind die Autoren in der Studie sehr vorsichtig, wenn sie zu solchen Aussagen kommen. So gilt beispielsweise ein Prozessor nur dann als übertaktet, wenn er mehr als 5 Prozent über seinem Standardtakt läuft, und auch die Einflüsse von Techniken wie Turbo-Boost (Intel) und Turbo-Core (AMD) wurden berücksichtigt. Das ist beispielsweise bei Notebooks notwendig, wo die Hersteller bisweilen die Turbo-Stufen zugunsten eines günstigeren Kühlsystems oder flacherer Bauweise einschränken.

Die verbreitete Annahme, dass Notebooks wegen der nicht immer vorsichtigen Behandlung durch manche Anwender unzuverlässiger seien als Desktop-PCs, widerlegt die Microsoft-Studie. Prozessorbedingte Abstürze auf Desktops liegen bei 1:120, bei Notebooks sind es nur 1:310. Vor allem die robusteren Notebookfestplatten und SSDs - zwischen diesen beiden Techniken unterscheidet die Studie nicht - machen mobile Rechner weniger absturzfreudig. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 1:280, bei Desktops sind es 1:180.

Wahr ist den Daten zufolge aber, dass hochgezüchtete Hardware am Rande des technisch Machbaren fehleranfälliger als Durchschnittsware ist. Nahezu linear verläuft die Kurve der Tact-Werte im Verhältnis zum CPU-Takt. Das ist bis etwa 3 GHz der Fall, darüber flacht sie ab. Das mag aber vor allem am sehr geringen Anteil dieser sehr schnellen, aber auch sehr teuren Prozessoren liegen.

Beim Lesen des empfehlenswerten PDFs gibt es zwei wichtige Punkte zu beachten: Zum einen sind nur Fehler erfasst, die zu einem Absturz des Rechners führten. Das sind im Falle der CPU Machine Check Exceptions (MCE) und beim Speicher vor allem gekippte Bits, die bei den Privat-PCs ohne ECC-Speicher recht häufig auftreten. Die fatalen Fehler bei Massenspeicher sind Schreib- und Leseprobleme.

Hardwareprobleme kommen immer wieder

Zum anderen macht die Studie keine Unterschiede zwischen Abstürzen, die von Hard- oder Software ausgelöst werden. Es geht also alleine um die Komponenten, nicht um die Frage, ob Windows selbst oder manche Anwendungen Fehler provozieren.

Wer mit einem instabilen System kämpft, sollte sich eines der Fazits der Studie zu Herzen nehmen, denn: Wenn ein Hardwarefehler einmal aufgetreten ist, kommt er mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder. 97 Prozent der untersuchten PCs zeigten denselben Fehler nach dem ersten Auftreten erneut. Mit einer "weichen" Maschine zu leben, ergibt also keinen Sinn, eine gründliche Fehlersuche und Reparatur lassen sich bei echten Hardwareproblemen nicht aufschieben.  (nie)


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