Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/megaupload-fbi-schaffte-heimlich-daten-von-kim-dotcom-in-die-usa-1206-92373.html    Veröffentlicht: 07.06.2012 11:38    Kurz-URL: https://glm.io/92373

Megaupload

FBI schaffte heimlich Daten von Kim Dotcom in die USA

Das FBI klonte heimlich Festplatten, obwohl die Beweismittel im Fall Megaupload von der neuseeländischen Polizei nicht freigegeben worden waren. Doch die Staatsanwaltschaft sieht keine Handhabe, weil nur die Images per Fedex außer Landes geschafft wurden.

Ohne Zustimmung und Wissen der neuseeländischen Polizei hat das FBI die Daten von sieben Festplatten des Megaupload-Gründers Kim Dotcom kopiert und in die USA gesandt. Das berichtet das neuseeländische Nachrichtenportal Stuff.co.nz, das zum australischen Medienkonzern Fairfax Media gehört.

Gegen dieses "hinterhältige Verhalten" hat Megaupload-Anwalt Willie Akel bei der Vorsitzenden des High Court of New Zealand, Helen Winkelmann, Protest eingereicht. Akel hat Beweise, dass FBI-Analysten am 20. März 2012 nach Neuseeland flogen, um in Manukau, einem Vorort von Auckland, die Festplatten ohne Wissen der dortigen Polizei zu klonen. Die Images wurden auf Datenträgern sofort per Fedex in die USA gesandt.

Doch der Datendiebstahl des FBI sei nach neuseeländischem Recht nicht strafbar gewesen, weil Informationen kein "physikalisches Material" seien, erklärte John Pike von der neuseeländischen Staatsanwaltschaft. Keine Gegenstände und Beweismittel seien ins Ausland geschafft worden, sagte Pike.

Daten ohne Wissen der Generalstaatsanwaltschaft aus dem Land geschafft

"Die ersten Kopien wurden versandt, ohne dass die neuseeländische Polizei irgendetwas davon wusste", sagte Akel. Der Polizeikommissar "hätte keine Kontrolle mehr über die Gegenstände gehabt", als diese in der Hand des FBI waren. Da sie ohne Zustimmung der Generalstaatsanwaltschaft aus dem Land geschafft worden seien, sei dies ein illegaler Akt gewesen, so der Anwalt.

Der 38-jährige Kim Dotcom alias Kim Schmitz ist auf Kaution frei und erwartet die Anhörung in dem Auslieferungsverfahren. Dotcom und die drei Mitbeschuldigten Mathias O., Fin B. und Bram K. sollen sich mit der Verbreitung von illegalen Kopien von Filmen und Spielen über Megaupload bereichert haben.

Schmitz und vier seiner Mitarbeiter wurden im Januar 2012 verhaftet. Seine Villa wurde durchsucht, Rechner und Speicher beschlagnahmt und die Plattform Megaupload offline genommen. Dotcoms Vermögen wurde eingefroren und anschließend teilweise wieder freigegeben. Da keine Fluchtgefahr mehr besteht, darf Dotcom wieder mit seiner Familie in seiner angemieteten Villa wohnen.

Die Anhörung für das Auslieferungsverfahren ist für den 20. August 2012 angesetzt.  (asa)


Verwandte Artikel:
Megaupload: Dotcom erhält Vermögen und Container aus Hongkong   
(31.07.2017, https://glm.io/129214 )
MPAA und RIAA: Film- und Musikbranche will Mega-Upload-Daten rekonstruieren   
(16.03.2017, https://glm.io/126767 )
Megaupload: Dotcom droht bei Auslieferung volle Anklage in den USA   
(20.02.2017, https://glm.io/126286 )
Megaupload: Kim Dotcom kann in die USA abgeschoben werden   
(20.02.2017, https://glm.io/126267 )
Megaupload: Rechtsexperte glaubt nicht an Auslieferung von Kim Dotcom   
(01.06.2012, https://glm.io/92235 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/