Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/autonom-fahren-test-mit-konvoisystem-sartre-in-spanien-1205-92113.html    Veröffentlicht: 29.05.2012 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/92113

Autonom fahren

Test mit Konvoisystem Sartre in Spanien

Spanische Autofahrer staunten nicht schlecht: Zwei Laster, zwei Pkws und ein SUV fuhren auf der Autobahn in engem Abstand, und vier der Fahrzeuglenker entspannten sich mit Lektüre. Gesteuert wurde der Konvoi von dem ersten Lkw. Die anderen Autos folgten seinen Befehlen.

Im autonomen Konvoi sind drei Pkws und zwei Lkws in der vergangenen Woche durch Spanien gefahren. Gesteuert wurde der Verband von einem Lkw. Die Fahrer der übrigen Fahrzeuge konnten sich entspannt zurücklehnen und sich chauffieren lassen. Es war der erste Test des europäischen Forschungsprojekts Safe Road Trains for the Environment, kurz: Sartre, auf öffentlichen Straßen.

Ziel von Sartre ist in erster Linie, die Zahl der Unfälle zu reduzieren und so die Verkehrssicherheit zu verbessern. Dazu gliedern sich die Fahrzeuge in einen Konvoi ein, der von einem Lastwagen mit einem routinierten Fahrer am Steuer geführt wird. Die Fahrzeuge fahren bei einer Reisegeschwindigkeit von 85 Kilometern pro Stunde hintereinander her.

Lesen auf dem Fahrersitz

Der Fahrer kann sich derweil entspannen und Zeitung lesen. Die Reaktion anderer Fahrer auf der Autobahn darauf, dass sie auf dem Fahrersitz eine Zeitschrift gelesen habe, sei sehr lustig gewesen, amüsierte sich Linda Wahlström, Projektmanagerin für Sartre beim schwedischen Autohersteller Volvo.

Sartre soll aber nicht nur der Entspannung der Fahrer dienen: Da die Autos nur Abstand von sechs Metern lassen, fahren sie im Windschatten. Durch den verringerten Windwiderstand soll der Treibstoffverbrauch und damit auch der Ausstoß von Kohlendioxid reduziert werden. Schließlich soll die gemeinsame Fahrt Staus vermeiden helfen.

Kommunikation mit Führungsfahrzeug

Damit sich ein Auto in einen solchen Verband eingliedern kann, muss es über Sensoren sowie ein Kommunikationssystem verfügen. Das empfängt vom Führungsfahrzeug Daten über dessen Fahrverhalten - Fahrtrichtung, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Verzögerung, Lenkbewegungen - und setzt diese in Steuerbefehle um. Da jedes Auto im Konvoi autonom fährt, braucht es Sensoren wie Kameras, Radar oder Lasersensoren, um den Abstand zum vorderen und zum hinteren Fahrzeug zu messen und den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Für den Straßentest hatte Volvo zwei Lkws, zwei Pkws und ein SUV mit der nötigen Technik ausgestattet. Dann ging es auf die Autobahn in der Peripherie von Barcelona. Es war das erste Mal, dass das System im normalen Straßenverkehr getestet wurde. Bisher war die Sartre-Technik nur auf der Volvo-Teststrecke bei Göteborg eingesetzt worden.

Zufriedenstellender Test

Das System habe sich bei dem Test bewährt, erklärten die Verantwortlichen. Es sei mit dem Verkehr ebenso klargekommen wie mit topographischen Gegebenheiten der Stecken wie Hügeln oder dem relativ starken Wind an dem Tag. "Wir haben 200 Kilometer an einem Tag zurückgelegt, und der Test lief gut. Wir sind zufrieden", resümierte Wahlström.

An dem 2009 gestarteten Forschungsprojekt Sartre sind sieben Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus vier europäischen Ländern beteiligt. Darunter sind neben Volvo das britische Unternehmen Ricardo, das die autonome Steuerungssystem für die Autos liefert, und das Institut für Kraftfahrzeuge der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Sartre läuft noch bis September 2012.

Ähnliches Konzept des DFKI

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen: Dort wurde das modulare Elektroauto EO Smart Connecting Car (EO2) entwickelt. Für Überlandfahrten können sich mehrere EO2 zusammenkoppeln.

Anders als bei Sartre bilden die Elektroautos jedoch eine feste Einheit. Das Konzept ist aber ähnlich: Die gemeinsame Fahrt unter der Führung eines routinierten Fahrers soll für mehr Sicherheit, mehr Komfort für die übrigen Fahrer sowie - über Kommunikation mit der Infrastruktur wie Ampeln - für eine effizientere Abwicklung des Verkehrs und weniger Staus sorgen.  (wp)


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