Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-htc-one-xl-smartphone-leichtgewicht-mit-lte-1205-92065.html    Veröffentlicht: 25.05.2012 12:29    Kurz-URL: https://glm.io/92065

Test HTC One XL

Smartphone-Leichtgewicht mit LTE

Das One XL ist HTCs zweites Smartphone mit LTE und weniger klobig als der Vorgänger. Allerdings lässt die Laufzeit mit LTE immer noch zu wünschen übrig, trotz kräftigerem Akku.

Das HTC One XL sieht schick aus, es wirkt schlanker als das erste LTE-Smartphone von HTC, das Velocity. Vor allem ist es deutlich leichter. An der Akkulaufzeit im reinen LTE-Betrieb hat sich jedoch im Vergleich zum Vorgänger wenig geändert. Die Laufzeit ist mit etwas mehr als 3 Stunden immer noch zu gering, zumal wie bei allen anderen Geräten der One-Serie ein Akkutausch nicht vorgesehen ist.

Das HTC One XL ist mit 130 Gramm vergleichsweise leicht. Das weitgehend baugleiche HTC One X wiegt beispielsweise 134 Gramm, das HTC Velocity ist mit 146 Gramm ebenfalls schwerer. Mit 4,7 Zoll ist das Display mit Gorilla Glas des One XL genauso groß wie das vom One X und hat mit 1.280 x 720 Bildpunkten auch die gleiche Auflösung.

Zwei statt vier Kerne

Im Unterschied zum One X hat das One XL nur einen Zwei- und keinen Vierkernprozessor. Es handelt sich um einen Snapdragon MSM8960A von Qualcomm, der mit 1,5 GHz getaktet ist. Im Sunspider-Benchmark waren die Werte des One XL erstaunlicherweise besser als beim One X. Beim grafiklastigen Benchmark Rightmark lag das HTC One X mit seinem Vierkernprozessor Tegra 3 von Nvidia hingegen mit 100.000 Punkten fast 10.000 Punkte vor dem Zweikernprozessor. Zum Vergleich: Das iPhone 4S schaffte 87.000 Punkte bei Rightmark.

Interessant war auch der Vergleich des HTC One X und des HTC One XL im Grafikbenchmark Nenamark2: Der Tegra-3-Chipsatz erreichte dort einen überdurchschnittlichen Wert von 47,5 Frames pro Sekunde, fast doppelt so viel wie auf Samsungs Galaxy Nexus. Das HTC One X schaffte aber satte 53 Frames pro Sekunde. Im Snapdragon-Chipsatz ist die GPU Adreno 225 verbaut. Beim OpenGL-Benchmark namens GLBenchmark lag hingegen das Tegra-Gerät mit durchschnittlich 65 Punkten wieder deutlich vor dem One XL mit durchschnittlich 50 Punkten.

Für Anwender, nicht für Spieler

Abgesehen von der kleineren CPU und dem LTE-Modul ist das HTC One XL identisch mit dem One X, das wir bereits getestet haben. HTC wolle mit den beiden Geräten unterschiedliche Benutzergruppen erreichen, sagte André Lönne, Executive Director für den Bereich Europa bei HTC. Das One X sei vor allem für Kunden gedacht, die ihr Smartphone als Spielgerät nutzen wollen. Das HTC One XL sei hingegen für Privat- und Businesskunden.

LTE wird besser

Das automatische Umschalten zwischen UMTS und LTE funktionierte am Potsdamer Platz an der Stelle, an der wir auch Anfang April unseren Test mit dem Velocity durchführten, problemlos. Auch im Süden Berlins funktionierte das Umschalten ohne manuelles Zutun, das beim Velocity noch notwendig war.

Am Rand des ausgewiesenen LTE-Empfangsgebiets hatten wir allerdings Probleme, denn trotz aktiver, aber schwacher LTE-Verbindung konnten wir keine Webseiten mehr aufrufen. Erst nach einem manuellen Umschalten auf UMTS war die Internetnutzung wieder möglich. Die vorher eingestellte automatische Umschaltung funktioniert hier nicht.

Umschalten zwischen LTE und GSM

Inzwischen funktioniert aber das Umschalten zwischen LTE und GSM beim Telefonieren gut. In beide Richtungen brauchte das HTC One XL etwa 7 Sekunden, um zwischen LTE und GSM zu wechseln. Beim Test mit dem HTC Velocity 4G dauerte es bei ausgehenden Anrufen noch etwa zehn Sekunden, bis der Anruf getätigt werden konnte.

Damals funktionierte das Umschalten bei eingehenden Telefonaten noch nicht, stattdessen erhielten wir eine SMS von der Vodafone-Mailbox, dass ein Anruf eingegangen sei. Das sei allerdings nicht dem Mobiltelefon geschuldet, sondern habe an der noch experimentellen Umsetzung von LTE in Berlin gelegen, erklärte Vodafone damals.

LTE leert den Akku schnell

Das HTC One XL hat einen Lithium-Polymer-Akku mit 1.800 mAh. Im LTE-Dauerbetrieb reichte eine Akkuladung gerade einmal für etwas mehr als drei Stunden, also in etwa die gleiche Laufzeit, die wir schon beim HTC Velocity mit einem 1.650-mAh-Akku gemessen hatten. LTE wird aber vermutlich nur für Surfen, E-Mail und dergleichen genutzt werden.

Die höheren Downloadraten verkürzen die aktive Nutzung. Allerdings will HTC auch sein Multimedia-Angebot genutzt sehen, etwa das Kaufen und Herunterladen von Videos. Dann dürfte die Akkulaufzeit wieder eine Rolle spielen, zumal der festverbaute Akku im HTC One XL anders als beim Velocity nicht ausgetauscht werden kann.

VoLTE noch nicht marktreif

Telefoniert wird immer noch über GSM, denn das sogenannte Voice-over-LTE (VoLTE) ist zwar geplant, aber noch lange nicht marktreif.

Zoltan Bickel, verantwortlich für die Verbreitung von LTE bei Vodafone, sagte auf Anfrage von Golem.de, dass sich seine Firma unter anderem eine von Sony-Ericsson vorgestellte VoLTE-Lösung ansehe, die allerdings noch in der Testphase und frühestens in einem Jahr marktreif sei. Außerdem müsse LTE flächendeckend bereitstehen. Denn ein Umschalten zwischen Telefonaten über LTE und 3G ist bislang nicht möglich und auch nicht vorgesehen. Ein lückenloses Mobiltelefonangebot sei aber Vodafones primäres Ziel, sagte Bickel. Zwischenzeitlich könnten Kunden auf andere VoIP-Lösungen zugreifen, wenn sie wollen.

Zusätzlich zum weiteren Ausbau in ländlichen Gebieten widme sich Vodafone nun auch dem Ausbau in den Städten. Dort wird das B7 genannte Band mit 2,6 GHz gepaart mit Breitband-LTE mit bis zu 20 MHz angeboten, das mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 MBit/s Daten übertragen soll. Tatsächlich erreichten wir bei einem Test mit einem Download über AnyFTP eine stabile Downloadrate von 3 MBit/s. Vermutlich lag die Begrenzung beim Server, zumindest zeigte die Testapplikation Speedtest mit bis zu 34 MBit/s teils weitaus höhere Raten an. Das HTC One XL deckt mit 800 (B20), 1.800 (B3) und 2.600 MHz (B7) alle in Deutschland verfügbaren Frequenzen ab. Das Velocity kommt nur mit B20 und B7 zurecht.

Verfügbarkeit und Fazit

HTC gibt als unverbindliche Preisempfehlung 659 Euro an. Das Smartphone wird ab Anfang Juni 2012 zunächst bei Vodafone angeboten. Dort soll es ohne Vertrag 700 Euro kosten. Später wollen auch O2 und die Telekom das HTC One XL in ihr Angebot aufnehmen. Details sind allerdings noch nicht bekannt.

Fazit

Das HTC One XL macht einen hochwertigen Eindruck, sieht zudem schön aus und liegt dank seines geringen Gewichts gut in der Hand. Wer LTE nur sporadisch nutzen will, ist mit dem One XL gut beraten. Bei intensiver LTE-Nutzung wäre ein Gerät mit austauschbarem Ersatzakku möglicherweise die bessere Wahl, denn die Gesamtlaufzeit von etwas mehr als drei Stunden ist deutlich zu gering.

Wir konnten bei der normalen Nutzung kaum Unterschiede zwischen dem HTC One XL mit seiner Dual-CPU und dem HTC One X mit seinem Vierkernprozessor feststellen. Wie sein fast baugleiches Pendant One X ist HTCs LTE-Gerät ein schickes und schnelles Smartphone mit überdurchschnittlicher Hardwareausstattung.  (jt)


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