Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/linux-3-4-bessere-grafikunterstuetzung-und-neues-x32-abi-1205-91916.html    Veröffentlicht: 21.05.2012 11:53    Kurz-URL: https://glm.io/91916

Linux 3.4

Bessere Grafikunterstützung und neues x32-ABI

Linus Torvalds hat den Linux-Kernel 3.4 freigegeben. Die meisten Änderungen betreffen das Dateisystem Btrfs, das allerdings den Status "experimentell" behält. Neue Funktionen und Treiber für Grafikkarten gibt es ebenfalls.

Mit zahlreichen Verbesserungen an diversen Grafikkartentreibern sowie am Btrfs-Dateisystem hat Linus Torvalds Linux 3.4 freigegeben. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören das x32-ABI, zahlreiche Verbesserungen am Btrfs-Dateisystem sowie neue Funktionen für Grafikkarten.

x32-ABI für schnellere Anwendungen

Ein neues 32-Bit-ABI soll langfristig den bisherigen 32-Bit-Kompatibilitätsmodus ergänzen und ist in einer ersten, aber noch unfertigen Version in Linux 3.4 aufgenommen worden. Damit sollen 32-Bit-Anwendungen 64-Bit-Register nutzen können, aber dennoch nur mit 32-Bit-Pointern arbeiten und somit weniger Arbeitsspeicher belegen. Das soll vor allem für Embedded-Systeme von Vorteil sein. Allerdings können 32-Bit-Anwendungen nicht die Vorteile des 64-Bit-Modus nutzen, etwa mehr CPU-Register oder die schnelleren Syscall-Instruktionen.

Viel Grafisches

Die Nouveau-Treiber für Grafikkarten mit Nvidia-Chipsatz werden dessen aktuelle GPU mit dem Codenamen Kepler unterstützen, allerdings zunächst ohne 3D-Beschleunigung. Die Open-Source-Treiber für Grafikchipsätze von AMD funktionieren mit Radeon HD 7000.

Außerdem wurde der Code für die Exynos-Chipsätze, die in Samsungs mobilen Geräten zum Einsatz kommen, weiter verbessert, etwa mit der Unterstützung von HDMI-Audio. Auch der Code für die Poulso-Chipsätze von Intel erhielt einen Feinschliff. Sämtliche Direct-Rendering-Manager-Treiber können EDID-Informationen über den I2c schneller auslesen. Externe Firmware kann die bereitgestellten EDID-Informationen des Kernels aufheben. Außerdem bringt Linux 3.4 experimentelle Unterstützung für Intels GMA500-Medfield-Grafikchip, der für mobile Geräte gedacht ist.

Mit einer ersten Implementierung des Frameworks Prime/DMA-Buf soll der Datentausch zwischen verschiedenen Grafikkernen effizienter werden, etwa bei Hybrid-Grafiklösungen wie Optimus von Nvidia. Bislang ist allerdings lediglich das Framework vorhanden. Erst in Linux 3.5 sollen die Treiber Nouveau, i915, Udl, Exynos oder Omap Prime nutzen können. Auch in X.Org ist Prime noch nicht implementiert.

Viele Änderungen in Btrfs

Btrfs erhielt einige Patches, die die Fehlerbehandlung im Dateisystem verbessern sollen. Bislang reagierte das Dateisystem bei unerwarteten Fehlern oft mit einem Panic und schaltete sich kommentarlos ab. Bei derartigen Fehlern gibt das Dateisystem künftig Fehlermeldungen aus und versetzt sich in den schreibgeschützten Modus, wie bei anderen Linux-Dateisystem längst üblich. Das neue Verwaltungswerkzeug Btrfs-Restore versucht nicht, das Dateisystem zu reparieren, sondern lediglich, funktionierende Blöcke an einen sicheren Ort zu kopieren.

Ferner soll die Verwaltung von Blöcken in den Metadaten effizienter gehandhabt werden. Sie können wieder bis zu 64 KByte groß sein, wobei die Entwickler Blockgrößen von 16 oder 32 KByte empfehlen. Die Funktion war zwischenzeitlich deaktiviert worden. Die größeren Metadatenblöcke sorgen für weniger Fragmentierung und eine erhöhte Geschwindigkeit. Die Zusammenarbeit mit den Cache-Pages des Kernels wurde verbessert und soll nun schneller funktionieren. Auch die Belastung der CPU durch das Dateisystem wurde nochmals optimiert. Außerdem wurden die Schreibzugriffe von Btrfs im Zusammenspiel mit der Linux-VM nochmals reduziert.

Bessere CPU-Treiber-Unterstützung

In Linux 3.4 werden CPU-Informationen genutzt, um automatisch entsprechende Treiber zu laden. Bislang konnte es passieren, dass beispielsweise das per SSE 4.2 beschleunigte CRC-Module von Btrfs nicht genutzt werden konnte. Die entsprechenden CPU-Treiber werden anhand von Hersteller und Modell sowie der Funktionsbits der CPUID ermittelt. Außerdem soll die neue Funktion die tatsächlich genutzten CPU-Frequenzen auslesen können.

Der neue Kernel-Parameter Force Disable Module Load kann alternativ zum bisherigen Sysctl-Aufruf verwendet werden, um das Laden eines Kernel-Treibers zu unterbinden. Der Parameter ist in erster Linie für Entwickler gedacht, die eine gleiche Kernel-Version mit verschiedenen Modulvarianten testen wollen.

Im Powermanagement sind die beiden Optionen Late Suspend und Early Resume, über die Geräte mit Zeitverzögerung während des Versetzens in den Schlafmodus deaktiviert oder später wieder initialisiert werden können. Weitere Änderungen im PM-Framework beziehen sich auf die manuelle Eingrenzung der Taktfrequenz eingebundener Geräte und eine Sammlung generischer Rückruffunktion, zu denen auch Late Suspend und Early Resume gehören.

Kryptographisch

Der letzte von insgesamt fünf Hyper-V-Treibern wurde ebenfalls in Linux 3.4 integriert, der Code wurde aus dem Staging-Bereich in das SCSI-Subsystem übernommen. Ein neues Crypto-Modul nutzt die AES-Engines von Tegra-Chipsätzen. Die Tracing-Funktion Ptrace lässt sich mit dem Sicherheitsmodul Yama einschränken.

Weitere Details zum neuen Kernel liefert die Webseite Kernelnewbies.org. Dort gibt es auch eine umfassende Liste aller neuen Treiber. Der Quellcode von Linux 3.4 steht demnächst auf kernel.org zum Download bereit.  (jt)


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