Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/schulschwaenzen-piratenpartei-gegen-elektronisches-klassenbuch-1205-91824.html    Veröffentlicht: 15.05.2012 16:40    Kurz-URL: https://glm.io/91824

Schulschwänzen

Piratenpartei gegen elektronisches Klassenbuch

Berlins Schulsenatorin will Schulschwänzen mit einer sofortigen SMS an die Eltern bekämpfen. Martin Delius von der Piratenpartei ist dagegen und ruft dazu auf, statt auf Überwachung auf Überzeugung, Betreuung und höhere Attraktivität der schulischen Angebote zu setzen.

Der bildungspolitische Sprecher der Berliner Piratenfraktion, Martin Delius, hat sich gegen die Einführung von elektronischen Klassenbüchern ausgesprochen. Berlins Schulen bekommen die Technik im Rahmen eines Pilotprojekts. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lässt das E-Klassenbuch im Schuljahr 2012/2013 an zehn Berliner Schulen erproben.

Über eine flächendeckende Einführung könne vorbehaltlich der Finanzierung frühestens zum Schuljahr 2013/14 entschieden werden, so die Senatorin in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piraten.

Scheeres hatte das elektronische Klassenbuch mit der Bekämpfung des Schulschwänzers begründet. Eltern würden sofort per SMS über die Abwesenheit ihrer Kinder informiert. Im Schuljahr 2009/10 seien 2.636 Schulschwänzer registriert worden.

Martin Delius sagte: "Statt auf Überzeugung, Betreuung und Attraktivität der schulischen Angebote setzt Frau Scheeres auf Überwachung und Kontrolle. Sie nimmt dabei die Gefahr in Kauf, dass neben den gewollten SMS an Eltern auch schnell ungewollt ein öffentlicher Pranger mit Live-Fehlzeiten im Internet auftaucht." Sollte das elektronische Klassenbuch so eingesetzt werden, wie von den bisher genannten Firmen beschrieben, bedeute dies, dass höchst sensible Daten über Schüler, Lehrer und Eltern über das Internet verfügbar gemacht, elektronisch weiterverarbeitet und zwangsläufig auf vielen Endgeräten kopiert und gelagert werden.

"Die Erfahrung mit derlei Systemen hat gezeigt, dass es keine endgültige Sicherheit für solche massiven Datensammlungen geben kann. Die Missbrauchsgefahr und der potenzielle Schaden sind für den angedachten Zweck wesentlich zu hoch", so Delius. Die knapp 73.000 Euro, die dieses Pilotprojekt kostet, seien anderswo an den Berliner Schulen besser angelegt.  (asa)


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