Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/urheberrecht-kuenstler-mit-verlustaengsten-1205-91755.html    Veröffentlicht: 11.05.2012 18:40    Kurz-URL: https://glm.io/91755

Urheberrecht

Künstler mit Verlustängsten

In einer Diskussionsrunde über das Urheberrecht hat die Existenzangst der Urheber und die Angst vor dem Verlust der Rechte am eigenen Werk durch das Internet überwogen. Verständnis für die Netzfreiheit hatten einige Künstler dennoch.

Auf dem von iRights.info veranstalteten Urheber-Nutzer-Dialog in Berlin haben am 11. Mai 2012 etwa 50 Teilnehmer über das Urheberrecht diskutiert - anwesend waren keine großen Künstler, keine Großverdiener. Die überwiegende Zahl der Kulturschaffenden war jedoch besorgt um den Verlust des Rechts am eigenen Werk durch die Verbreitung im Internet. "Kein Absolutismus des Freiheitsbegriffs" im Netz, forderte ein Teilnehmer. Namen der Diskutierenden dürfen nicht genannt werden.

Wie viel Angst die Verbreitung von Information im Internet schürt, verdeutlicht folgendes Zitat: "Es darf keine weltweite Mafia entstehen, die mit Werken handelt", sagte ein Teilnehmer, etwa wenn Inhalte unerlaubt in Onlinewerbung auftauchten.

Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum werden

Dennoch teilten die meisten Beteiligten die Sorge, die stringente Durchsetzung des Urheberrechts könne die Freiheit im Netz einschränken. Ein Teilnehmer forderte, das Netz dürfe kein "bürgerrechtsfreier Raum werden", in dem sowohl Kulturschaffende als auch Nutzer eingeschränkt würden.

"Anonymität ist der Geburtshelfer der Moderne", sagte ein anderer Diskussionsteilnehmer. Sie spiele gegenwärtig eine immer größere Rolle. Denn das Internet sei "nicht nur Marktraum, sondern öffentlicher Raum." Ein weiterer Teilnehmer betonte allerdings: "Anonymität hat keinen Totalitätsanspruch."

Laut Veranstalter waren sowohl Künstler als auch Vertreter von Verwertungsgesellschaften und Netzaktivisten beziehungsweise Benutzer auf der Veranstaltung.

Remix-Kultur mit Regeln

Die Teilnehmer diskutierten in kleinen Gruppen über Themen, die zuvor durch die Anwesenden mehrheitlich bestimmt worden waren. Das Persönlichkeitsrecht müsse in Teilen neu definiert werden, war das Ergebnis einer Diskussion. Eine Remix-Kultur dürfe es zwar geben, dafür müssten aber genauere Regeln aufgestellt werden.

Die Vergütung spielte dabei eine vergleichsweise untergeordnete Rolle, sie müsse neu ausgearbeitet, modernisiert werden. Das fordere auch einen neuen Gesellschaftsvertrag. Einige Diskussionsteilnehmer forderten eine Modellvielfalt, die Vergütung für verschiedene Werke müsse künftig gerechter ausgehandelt werden.

Angst vor ideologischer Debatte

Über DRM wurde im netzpolitischen Diskussionsblock ebenfalls diskutiert, vor allem darüber, dass kopiergeschützte Werke auch lange nach Ablauf der Sperrfrist noch nicht zugänglich sein werden.

Die Veranstaltung solle kein pauschales Ergebnis hervorbringen, sagte Philipp Otto von iRights.info, sie solle vor allem den Diskussionsbedarf ausloten. Auch dieser kleine Kreis machte es deutlich: Ein Gespräch ist notwendig, um das Urheberrecht an die digitale Welt heranzuführen. Ein Teilnehmer formulierte es so: "Ich habe Angst vor einer undifferenzierten ideologischen Debatte."  (jt)


Verwandte Artikel:
US-Gerichtsurteil: Einbetten von Tweets kann Urheberrecht verletzen   
(18.02.2018, https://glm.io/132838 )
CCC an Tatort-Autoren: "Das ist das Digitalzeitalter, Freunde!"   
(30.03.2012, https://glm.io/90877 )
Störerhaftung abgeschafft: Bundesrat stimmt für WLAN-Gesetz mit Netzsperrenanspruch   
(22.09.2017, https://glm.io/130208 )
Ende der Störerhaftung: Koalition ersetzt Abmahnkosten durch Netzsperren   
(27.06.2017, https://glm.io/128610 )
Störerhaftung: SPD warnt vor Scheitern des WLAN-Gesetzes   
(23.06.2017, https://glm.io/128547 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/