Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sachverstaendiger-zettelkasten-plagiatorin-schavan-soll-zuruecktreten-1205-91553.html    Veröffentlicht: 03.05.2012 17:26    Kurz-URL: https://glm.io/91553

Sachverständiger

Zettelkasten-Plagiatorin Schavan soll zurücktreten

Ein Experte hält Annette Schavan für eine Zettelkasten-Plagiatorin des Print-Zeitalters, falls die Vorwürfe gegen die Bundesbildungsministerin stimmen. Es sei aber kein Hardcore-Plagiat mit Copy-and-Paste wie das von Karl-Theodor zu Guttenberg.

Der Privatdozent Stefan Weber hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wegen der Plagiatsvorwürfe um ihre Doktorarbeit als nicht mehr haltbar im Amt bezeichnet. Weber ist Sachverständiger für wissenschaftliche Texte und Fachmann für gerichtsfeste Plagiatsprüfung. In dem Blog Schavanplag wurde die 32 Jahre alte Dissertation Schavans analysiert und der Vorwurf erhoben, dass Quellen nicht ausreichend benannt seien.

Schavan sagte der Süddeutschen Zeitung, sie habe 1980, und damit vor dem Internetzeitalter, die Quellen für ihre Doktorarbeit in einem Zettelkasten gesammelt. Es lasse sich nie ganz ausschließen, dass ähnliche Gedanken oder Formulierungen auch in anderen Werken stünden.

Weber sagte der Leipziger Volkszeitung: "Weil Frau Schavan ein Durchschnittsfall der älteren Generation zu sein scheint, ist der Fall der Aufregung wert." Karl-Theodor zu Guttenberg symbolisiere "das Hardcore-Plagiat des angeblich überforderten Karrierepolitikers unserer Tage, Paradigma Copy-and-Paste im und aus dem Internet und aus Büchern", betonte Weber. "Wenn die Vorwürfe stimmen, zeigt uns Frau Schavan irritierenderweise, dass es womöglich genauso viele Zettelkasten-Plagiatoren im Printzeitalter gab. Das wäre der nächste wahre Abgrund für die Universitäten."

Schavan schon jetzt völlig unglaubwürdig

Wenn Schavanplags Ausarbeitungen zuträfen, dann habe "Schavan methodisch plagiiert, das heißt systematisch immer wieder ab- und umgeschrieben", sagte Weber. Dies wäre dann ein wissenschaftliches Fehlverhalten. Auch die Täuschungsabsicht sei bereits anhand des Textvergleichs im Internet nachweisbar und Schavan schon jetzt "völlig unglaubwürdig".

Auch die Plagiateplattform Vroniplag hat sich Schavans Arbeit angesehen. Gründer Martin Heidingsfelder sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Vroniplag hat bereits seit einigen Wochen an dem Fall Schavan gearbeitet, dann aber entschieden, ihn nicht zu publizieren." Es handele sich nicht um eines der ganz schweren Plagiate, sagte Heidingsfelder. An einigen Stellen in Schavans Arbeit fänden sich aus seiner Sicht ganz klar Plagiate, aber dies sei kein zweiter Fall Guttenberg.  (asa)


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