Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/valve-software-willkommen-im-flachland-1204-91329.html    Veröffentlicht: 23.04.2012 11:26    Kurz-URL: https://glm.io/91329

Valve Software

"Willkommen im Flachland"

Das Handbuch für neue Mitarbeiter von Valve Software ist offenbar als PDF im Internet aufgetaucht. Das Unternehmen hinter Steam und Spielehits wie Half-Life und Portal zeigt sich darin beeindruckend nett.

"Manchmal scheinen die Dinge im Büro einfach ein bissen zu gut, um wahr zu sein. Wenn du eines Morgens den Gang mit einer Schüssel frischer Früchte und einem Espresso runterläufst, deine Wäsche für die Reinigung abgibst und in einen der Massageräume gehst, dann immer mit der Ruhe. All das haben wir hier, damit du es tatsächlich benutzt", steht in einem PDF, das über das Forum Flamehaus.com veröffentlicht wurde. Es handelt sich dabei offensichtlich um die digitale Version eines Handbuchs, das Mitarbeiter des Entwicklerstudios Valve aus Bellevue im US-Staat Washington zu ihrem Einstand bekommen. Zwar könnte es sich um einen Fake handeln - aber das ist angesichts des professionellen, aufwendigen Layouts mit Zeichnungen und des umfangreichen, sorgfältig redigierten Textes sehr unwahrscheinlich. Das Copyright lautet auf Valve Corporation, es soll sich laut Imprint um die erste Auflage aus dem März 2012 handeln.

Neben Nettigkeiten wie Früchten und Massagen erklärt das Handbuch unter der Überschrift "Willkommen im Flachland" auch die Hierarchie bei Valve, und die ist offenbar vollkommen flach. Abgesehen von Gründer und Chef Gabe Newell gibt es keine leitenden Mitarbeiter, alle sollen gleichgestellt sein. "Du hast die Befugnis, grünes Licht für Projekte zu geben. Du hast die Befugnis, Produkte auszuliefern." Alle Angestellten sind selbst für ihre Arbeit verantwortlich. Das zeigt sich unter anderem daran, dass alle Schreibtische mit Rollen ausgestattet sind: So sollen die Mitarbeiter stets daran erinnert werden, dass sie selbst sich an eine Position bewegen können, wo sie eventuell wertvoller sind.

Auch das bei Entwicklerstudios oftmals problematische Thema der Überstunden spricht das Handbuch an. "Überstunden sind ein Zeichen für ein grundsätzliches Versagen bei der Planung oder der Kommunikation". Wer ständig zu lange arbeitet, oder ganz grundsätzlich das Gefühl hat, dass bei der Work-Life-Balance etwas nicht stimmt, soll das Thema unbedingt ansprechen - die Personalabteilung habe ausgesprochen viel Spaß daran, Leute in den Urlaub zu schicken.

Falls das Handbuch echt ist, bleibt natürlich trotzdem die Frage, ob Valve die Leitlinien nicht nur aufschreibt, sondern auch umsetzt. Immerhin, erfolgreich ist das Unternehmen: Firmenchef Newell hat es im März 2012 mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden US-Dollar auf Platz 854 seinen Einstand in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Erde gemacht.

Nachtrag vom 23. April 2012, 12:30 Uhr

Ein Leser hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass Valve-Mitarbeiter Greg Coomer über seinen Twitter-Account die Echtheit des Handbuchs bestätigt hat.  (ps)


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