Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/soundqualitaet-neil-young-will-den-hires-ipod-fuer-das-21-jahrhundert-1204-90980.html    Veröffentlicht: 04.04.2012 18:46    Kurz-URL: https://glm.io/90980

Soundqualität

Neil Young will den Hires-iPod für das 21. Jahrhundert

Der Musiker Neil Young ist bei seinem Streben nach besserer Tonqualität in der Musikindustrie einen Schritt weitergekommen. Sechs von ihm angemeldete Warenzeichen für Produkte und Dienstleistungen sind veröffentlicht worden, was in der US-Branche für Aufsehen sorgt.

Bereits im Januar 2012 hatte der häufig recht streitbare Musiker Neil Young ("Rockin´ in the free world") in einem Gespräch auf der Konferenz "D: Dive Into Media" auf sich aufmerksam gemacht. Dabei ging es aber nicht etwa um ein neues Album, sondern um eine Initiative für besseren Klang in der gesamten Musikbranche.

Der Rolling Stone greift das Thema nun wieder auf und berichtet, dass Young auf der Konferenz auch sagte, er wolle "einen modernen iPod für das 21. Jahrhundert". Ein solches Gerät solle dann 100 Prozent der Tonqualität liefern, die im Studio aufgenommen wurde. Young weiter: "Ein MP3 hat nur fünf Prozent der Daten der Originalaufnahme".

Dabei geht es dem Musiker aber nicht um den alten Streit zwischen analoger und digitaler Speicherung, denn: "Es ist nicht so, dass Digitales minderwertig oder schlecht wäre, es geht darum, dass es heute so benutzt wird, dass es der Kunst nicht gerecht wird.". Schon länger, so der Rolling Stone, arbeitet Young unter dem Projektnamen "Pono" an einem neuen Soundformat.

Aus Projekt Pono werden sechs Marken

Die technischen Eigenschaften der Initiative sind noch immer unbekannt, nun steht aber zumindest fest, dass Young auch den Vertrieb von Musik in besserer Tonqualität als bisher plant. Das geht aus Warenzeichenanmeldungen beim US-Marken- und Patentamt hervor, die unter anderem die "hochauflösenden Musikdownloads aus dem Internet" betreffen. Die Namen der Marken sind laut Rolling Stone: Ivanhoe, 21st Century Record Player, Earth Storage, Storage Shed, Thanks for Listening und SQS. Letzteres steht für "Studio Quality Sound", dafür findet sich auch ein Logo im Anhang eines der Warenzeichendokumente.

Die Marken sind Young jedoch noch nicht zugeteilt worden, sie wurden bisher nur veröffentlicht, damit eventuelle Konkurrenten Gelegenheit zum Einspruch haben. Sofern das nicht passiert, könnte noch ein Jahr vergehen, bis die Bezeichnungen tatsächlich geschützt sind.

SQS als Qualitätsiegel?

Ob es sich bei Youngs Bestrebungen tatsächlich um ein neues Format handelt oder nur um ein Qualitätssiegel, ist bisher noch offen. Möglich wäre beispielsweise, dass "SQS" nur bestimmte Merkmale einer Aufnahme herausstellen soll, wie es auch bei "THX" für Kinos ist. Auch bei THX handelt es sich nicht um ein Tonformat, wie oft fälschlich angenommen wird, sondern nur um Vorschriften, die beispielsweise bestimmte Funktionen in Verstärkern und die Bauform von Lautsprechern betreffen. Sie sollen für eine definiert hohe Wiedergabequalität sorgen.

Neil Young steht mit der Sehnsucht nach besserem Klang auch in der Musikbranche nicht alleine da. Produziert wird heute mit Abtastraten von bis zu 192 Kilohertz und Auflösungen von 24 Bit, was weit über den Möglichkeiten einer CD liegt, die mit 44,1 Kilohertz und 16 Bit auskommen muss. Mit 192/24 bieten auch einige digitale Musikvertriebe wie das deutsche Hiresaudio Dateien in Studioqualität an. Bei größeren Musikstores wie iTunes ist jedoch meist mit 256-KBit-AAC Schluss - vor allem, weil die Rechteinhaber nur selten ihre Masteraufnahmen für Downloads freigeben.

Nur unkomprimierte Formate reichen nicht aus

Selbst wenn aktuelle iPods das Format Apple Lossless beherrschen und andere Player ebenfalls unkomprimierte Formate wie Flac, so bleibt das Problem der hohen Auflösung und Abtastrate. Die Wandler fast aller für Konsumenten gedachten Musikspieler können mit den besseren Formaten nichts anfangen. Auch für die unter Hi-Fi-Fans schon verbreiteten Hires-Formate gibt es nur wenige und teure dedizierte Abspielgeräte. Eine breite Initiative quer durch Inhalte- und Geräteanbieter könnte hierbei für Bewegung sorgen, um mehr Konsumenten die originale Qualität der Aufnahme zugänglich zu machen.

Einen wichtigen Mitstreiter hat Neil Young übrigens schon nach ersten Gesprächen über besseren Klang verloren: Der Musiker traf sich im Herbst 2011 kurz vor dessen Tod mit Steve Jobs. Die beiden, so der Rolling Stone, dachten dabei über ein iPod-ähnliches Gerät nach, das rund 30 Musikalben in Studioqualität enthalten sollte. Jobs' Motivation beschreibt Neil Young so: "Steve Jobs war ein Pionier der digitalen Musik. Aber wenn er nach Hause kam, hat er sich Schallplatten angehört."  (nie)


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