Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-ridge-racer-unbounded-zerstoerungsorgie-statt-temporausch-1204-90977.html    Veröffentlicht: 05.04.2012 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/90977

Test Ridge Racer Unbounded

Zerstörungsorgie statt Temporausch

Neustart für Ridge Racer: Unbounded bricht mit den Traditionen der Rennspielserie und setzt auf Action und Zerstörung. Die Entwickler von Bugbear wollen so an Konkurrenztiteln wie Burnout und Flatout vorbeiziehen - ein gewagtes Unterfangen.

Szenario und Hintergrundgeschichte von Unbounded lassen zunächst an Need For Speed Underground denken: Im Mittelpunkt stehen eine düstere, stilvoll in Szene gesetzte Stadt namens Shatter Bay und eine illegale Rasertruppe namens Unbounded, der sich der Spieler anschließt - um fortan durch Rennerfolge immer weiter im Rang aufzusteigen und sich die Straßen Untertan zu machen. Die Story ist ebenso hanebüchen wie überflüssig - spielt für den weiteren Ablauf aber glücklicherweise auch keine tragende Rolle. Das Programm ist beim finnischen Entwicklerstudio Bugbear entstanden, das auch für die ersten Flatout-Rennspiele verantwortlich war.

Sobald in Unbounded das erste Mal das Startsignal ertönt ist, wird ohnehin jeglicher Realismus-Anspruch fallengelassen - dann geht es nicht mehr nur darum, die ohne offizielle Lizenzen auskommenden bunten Wagen schnell über die Kurse zu bringen, sondern meist auch der Fahrerkonkurrenz mitsamt der Streckenumgebung eins auszuwischen. Ridge-Racer-Veteranen werden auf den Kursen in der Innenstadt oder in Industriegebieten jedenfalls kaum noch etwas von ihrer liebgewonnenen Reihe wiedererkennen - geblieben ist im Grunde nur die Aufgabe, möglichst gekonnt durch die Kurven zu driften. Die Drifts laden ebenso wie Windschattenfahrten und Sprünge eine Turboleiste auf, die sich wiederum im Renngeschehen nicht nur zur Beschleunigung nutzen lässt: Wer mit aktiviertem Boost einem Gegner ins Heck rast, fügt ihm nicht einfach nur Schaden zu, sondern katapultiert ihn gleich komplett von der Strecke.

Aber nicht nur die Konkurrenz kann mit schön inszenierten Takedowns ausgeschaltet werden, auch Streckenbegrenzungen dürfen aus dem Weg geräumt oder Gebäude als Abkürzung genommen werden. Allerdings ist das oft ein Glücksspiel: Zwar wird im Rennen angezeigt, wenn etwa ein Haus mit aktiviertem Boost zerlegt werden darf - trotzdem kommt es immer wieder vor, dass vermeintlich harmlose Objekte dann doch zur Endstation fürs eigene Fahrzeug werden.

Zerstörerisches Fazit

Je nach zu absolvierendem Event wechselt der Schwerpunkt - mal gilt es, die beste Zeit herauszufahren, dann wieder muss die komplette Konkurrenz vom Feld geräumt, eine bestimmte Zeit geschlagen oder viel gedriftet werden. Die Steuerung ist eingängig, die KI der Konkurrenz ein ums andere Mal frustrierend - wer einen kleinen Fehler macht, sieht oft das komplette Fahrerfeld an sich vorbeiziehen. Zudem wechselt der Schwierigkeitsgrad schon bei den ersten Aufgaben extrem: Während eine Aufgabe auch für Einsteiger kein Problem darstellt, kann schon die nächste selbst Profis zur Verzweiflung treiben. Häufige Neustarts sind die Folge.

Gut gelöst wurde dafür der Editor, der das Erstellen neuer Kurse inklusive Hindernissen, Sprungschanzen oder langer Kurven für ausgedehnte Drifts ermöglicht. Die können dann auch online geteilt werden, wie Unbounded überhaupt mehrere gelungene Onlineoptionen bietet und den Spieler auch in mehreren Multiplayer-Modi antreten lässt - hier sorgt dann auch die KI nicht mehr für unfaire Situationen, was dem Spielspaß deutlich zugutekommt.

Technisch bietet Unbounded Durchschnittskost - einige Effekte sind hübsch anzusehen, allerdings oft auch übertrieben, Kursen und Fahrzeugen mangelt es dafür an Details. Der Soundtrack hingegen ist gelungen und bietet die für ein Rennspiel dieser Art typischen harten und elektronischen Klänge von Künstlern wie Skrillex.

Ridge Racer Unbounded ist für Windows-PC über Steam, Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich, kostet etwa 40 Euro (PC) beziehungsweise 60 Euro (Konsolen) und hat von der USK eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Spaßige Modi, spektakuläre Überschläge, ein guter Editor - Ridge Racer Unbounded kann einige Stunden durchaus Spaß machen. Trotzdem hinterlässt der Titel einen zwiespältigen Eindruck: Ridge-Racer-Veteranen werden sich mit diesem "Etiketten-Schwindel" schwertun - Burnout-Anhänger hingegen monieren, dass die Entwickler von Bugbear an den Spielspaß des Action-Renn-Primus nicht heranreichen und sich mit diesem Mix aus Rennen, Action und Streckenbaukasten etwas ungelenk zwischen alle Stühle setzen.  (tw)


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