Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/megaupload-kim-schmitz-zerpflueckt-vorwuerfe-der-anklageschrift-1203-90751.html    Veröffentlicht: 26.03.2012 18:27    Kurz-URL: https://glm.io/90751

Megaupload

Kim Schmitz zerpflückt Vorwürfe der Anklageschrift

In einem ausführlichen Interview mit Torrentfreak bezieht Kim Schmitz alias Dotcom zur Anklage der US-Justiz gegen Megaupload Stellung. Punkt für Punkt versucht er, die Vorwürfe zu entkräften. Dabei nennt er auch Zahlen zu den Löschungen durch Medienunternehmen.

Im geplanten Verfahren gegen Megaupload und dessen Gründer Kim Schmitz geht es um mehrere Vorwürfe gegen den gebürtigen Deutschen. Einer davon: Schmitz, der inzwischen den Nachnamen Dotcom führt, habe selbst urheberrechtlich geschütztes Material verbreitet. Die Anklageschrift nennt dabei zwei Songs, einen des US-Rappers 50 Cent und einen von Louis Armstrong.

In einem telefonischen Interview mit Torrentfreak sagte Schmitz, das Stück von 50 Cent habe er zuvor selbst gekauft und nur zum Test einer neuen Funktion auf Megaupload gestellt. Dabei habe er seinem Technikchef automatisch eine Mail geschickt, die Beschreibung des privaten Links sei "test" gewesen. Die Download-URL sei nie veröffentlicht worden. Ähnlich sei das auch mit dem Armstrong-Song gelaufen, der Schmitz von einem anderen Mitarbeiter als privater Link geschickt worden sei.

Ein weiterer Vorwurf der Anklage: Der Zugang zum direkten Löschen für Rechteinhaber - so wie ihn beispielsweise auch Youtube bietet - sei nur eingeschränkt funktional gewesen. Dazu zitieren die US-Staatsanwälte Mails zwischen Schmitz und dem Medienunternehmen Warner. Der Konzern hatte sich nach Darstellung der Ankläger beschwert, dass ihm 5.000 Löschungen pro Tag nicht ausreichten, was Megaupload aber nicht geändert hätte.

Warner löschte knapp 2 Millionen Dateien

Schmitz zufolge verschweigen die Ankläger, dass er Warner einige Tage später 100.000 Löschungen pro Tag zugestanden habe. Insgesamt habe das Unternehmen in der Zeit von Meguploads Existenz fast zwei Millionen Links gelöscht, mehr als jeder andere Rechteinhaber. Auch andere Medienriesen hätten viel weniger Dateien entfernt, Disney beispielsweise nur 127.934, und auch der Musikverband RIAA nur 17.108.

Auch dass Megauploads Technik bei solchen Aktionen nur die Links, nicht aber die gespeicherten Dateien selbst gelöscht hat, sieht Kim Schmitz als rechtlich gedeckt an. Der Megaupload-Gründer vertritt dabei dieselbe Ansicht wie Google, das sich im Prozess gegen Hotfile ähnlich geäußert hat.

Zudem, so Schmitz weiter, hätten die Medienunternehmen - darunter auch Warner - mehrfach nicht nur nach Löschungen, sondern auch nach Kooperationen mit Megaupload angefragt. So sollen unter anderem Disney, Fox und auch Warner dem Sharehoster Angebote zur Zusammenarbeit gemacht haben. Torrentfreak hat einige derartige Mails veröffentlicht, bei denen es sich aber nur um erste Anfragen handelt. In welcher Form, etwa durch ein Zahlungsmodell, die Medienunternehmen ihre Inhalte über Megaupload und den Streamhoster Megvideo anbieten wollten, geht daraus nicht hervor.

Dass gerade sein Unternehmen so aggressiv und mit einer Vielzahl von Anklagepunkten verfolgt wird, führt Schmitz auf eine Verschwörung von Medienunternehmen und Interessenverbänden wie der MPAA und der US-Politik zurück. "Mega ist in der Verbindung des Weißen Hauses und der MPAA zu einem Faustpfand im Wahlkampf geworden. Wenn ich ein republikanischer Präsidentschaftskandidat wäre, würde ich dem nachgehen", sagte Kim Schmitz.  (nie)


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