Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/phaenomen-let-s-play-interview-mit-commander-krieger-1203-90676.html    Veröffentlicht: 22.03.2012 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/90676

Phänomen "Let's Play"

Interview mit Commander Krieger

Er hat für Google gearbeitet, war als Personenschützer tätig und als Croupier auf einem Kreuzfahrtschiff. Inzwischen ist Commander Krieger einer der bekanntesten Computerspieler in Deutschland - allein seinen Youtube-Videokanal haben knapp 100.000 Fans abonniert.

Das Phänomen heißt "Let's Play": Kommentierte Computerspielevideos auf Youtube. Es gibt in Deutschland nur wenige, die damit so erfolgreich sind wie Commander Krieger - allein seinen Youtube-Kanal haben fast 100.000 Spieler abonniert.

Hinter dem Pseudonym steckt der 32-jährige André Krieger, der in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen lebt. Krieger hat ein bewegtes Berufsleben hinter sich: Nach eigenen Angaben hat er als Regionalleiter für Google gearbeitet, war - nach einer längeren Ausbildung in Tel Aviv - als Personenschützer und Türsteher tätig und eine Zeit lang als Croupier auf einem Kreuzfahrtschiff der Aida-Gruppe.

Golem.de: Wie würden Sie das, was Sie als Commander Krieger machen, zum Beispiel Ihrer Großmutter erklären?

André Krieger: Das ist eigentlich ganz einfach: Ein Fußballkommentator kommentiert ein Fußballspiel, ich kommentiere Videospiele. Ich beschreibe das, was die Zuschauer sehen, gebe dabei aber auch Hintergrundinformationen und sorge für Stimmung. Das kommt bei den Zuschauern so gut an, dass mittlerweile fast 100.000 regelmäßig gucken. Im Monat werden die Videos ungefähr zwei Millionen Mal angeschaut. Um für Abwechslung zu sorgen, kommentiere ich verschiedene Videospiele, etwa Sport- und Abenteuerspiele, aber auch die "bösen" Ballerspiele.

Golem.de: Wie finanzieren Sie das - und können Sie davon leben?

Krieger: Meine Arbeit wird durch Werbung finanziert und bleibt so für die Zuschauer absolut kostenlos. Die Werbeeinnahmen werden zwischen Youtube, dem Netzwerkkanal und mir aufgeteilt. Zusätzlich bekomme ich bei den Liveübertragungen auf Own3D eine Beteiligung. Im letzten Monat musste ich endlich nicht mehr auf meine Rücklagen zurückgreifen. Wenn meine Videos weiter so viel Zuspruch finden, kann ich mir vielleicht irgendwann mal einen Dodge Charger 68er Baujahr leisten.

Golem.de: Wie viel Zeit verbringen Sie am Tag mit dem Spielen?

Krieger: Ich schätze, zwei Stunden pro Tag werden es mindestens sein, aber das Spielen selbst macht so viel Spaß, dass man schon mal die Zeit vergisst. Es nimmt auch viel Zeit in Anspruch, Videos zu bearbeiten und engen Kontakt mit den Zuschauern zu pflegen.

Golem.de: Spielen Sie auch, wenn Sie eigentlich keine Lust haben?

Krieger: Natürlich kann es mal vorkommen, dass ich keine Lust habe zu spielen, aber es gibt genug andere Dinge im Leben, die den Tag ausfüllen. Bewegung ist mir persönlich sehr wichtig und ich treibe pro Woche sechs bis zehn Stunden Sport. Neben Schwimmen und Basketballtraining treffe ich mich oft mit Freunden zum Mixed-Martial-Arts-Training.

Golem.de: Mit welcher Hardware nehmen Sie die Konsolenspiele auf?

Krieger: Die Playstation 3 kann man nur über eine spezielle Capture Card an den PC anschließen. Beim Kauf einer solchen Karte sollte man auf jeden Fall die Qualität im Auge behalten. Es gibt zwar auch sehr günstige Varianten, die Entscheidung für meine Hauppauge Colossus habe ich aber nie bereut. Das ist eine PCI-Express-Karte, die das Eingangssignal direkt von der Konsole bekommt und dem PC zur Verfügung stellt. Mit dem AVS-Videoconverter bereite ich die Dateien dann für die endgültige Bearbeitung mit Sony Vegas Pro vor. Für die nötige Soundqualität sorgt dabei mein Rode-NT1-A-Großmembranmikrofon.

Bedeutung der Community

Golem.de: Ist die Pflege der Community für Sie wichtig?

Krieger: Das ist für mich sogar besonders wichtig! Über das Nachrichtenportal von Youtube erhalte ich täglich rund 400 Nachrichten. Die Fragen, die dort häufig gestellt werden, bekommen in einem extra dafür eingerichteten Videoformat, dem "Newsflash", eine Antwort. Andere Fragen beantworte ich individuell. Da dies schon öfter mehrere Stunden pro Tag in Anspruch genommen hat, gibt es jetzt auch das Commander-Krieger-Forum und eine Homepage mit den häufigsten Fragen und Antworten. Neben den gelegentlich stattfindenden kleinen "Fantreffen" gibt es auch größere Events, auf die ich mich immer wieder freue, etwa die Gamescom.

Golem.de: Was sind denn derzeit Ihre Lieblingsgames?

Krieger: Heavy Rain und Uncharted sind im Moment meine absoluten Favoriten. Heavy Rain ist ein Abenteuer, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. In einer etwas düsteren Stimmung entstand schnell Spannung und ich konnte mit den Helden des interaktiven Films mitfiebern. Die Tatsache, dass ich dabei nicht an einen einfachen Handlungsstrang gebunden bin, finde ich besonders reizvoll. Einzelne Entscheidungen bestimmen den Verlauf so wesentlich, dass man beim mehrfachen Durchspielen etwas völlig Neues erleben kann.

Im Vergleich dazu ist Uncharted ein eher klassisches Actionadventure, das mich aber ebenso fesselt. Die Mischung zwischen Third-Person-Shooter und Adventure macht einfach Spaß. Egal, ob beim Klettern, beim Lösen von Rätseln oder beim Kämpfen, man ist immer mittendrin und will die nächste Herausforderung meistern. Da fällt es schon manchmal schwer, den Ehrgeiz zu bremsen und die Konsole abzuschalten.

Golem.de: Was ist Ihnen bei Games besonders wichtig?

Krieger: Da fallen mir spontan mehrere Faktoren ein. Bei Spielen wie Battlefield 3 begeistert mich die phänomenale Grafik- und Soundengine. Dann gibt es aber auch Spiele wie Plants vs. Zombies oder Minecraft, bei denen die Grafik eine weniger große Rolle spielt. Bei diesen Spielen ist das Spielprinzip extrem fesselnd und kurzweilig. Gerade das Endlosspiel in Aufbauspielen ist ähnlich faszinierend wie früher das Bauen mit Lego. Derzeit sind es aber vor allem die packenden Action-Adventure-Storys, die mich begeistern. Dementsprechend bin ich unter anderem schon sehr gespannt auf Tomb Raider 2012.

Golem.de: Was nervt Sie beim Spielen immer wieder?

Krieger: Wenn ein Spiel oft abstürzt, ist das schon ziemlich nervig, aber das wird ja immer seltener. Was mich gerade bei Onlinespielen ziemlich stört sind Hacker oder Cheater. Was früher lediglich auf dem PC vorkam, hat sich leider auch auf die Konsolen ausgebreitet. So ist der Spielspaß bei Modern Warfare 1 dadurch extrem gesunken. Bei aktuellen Titeln wie Modern Warfare 3 kann man diese Personen mittlerweile melden. Aber auch, wenn es ein Schritt in die richtige Richtung ist, ist der gewünschte Erfolg noch ausgeblieben.

Golem.de: Nach welchen Kriterien suchen Sie die Spiele aus, die Sie sich vorknöpfen?

Krieger: Die meisten Spiele werden mir von der Community empfohlen. Um einen ersten Eindruck zu gewinnen, gucke ich mir dann auf Youtube den passenden Trailer an und meist auch ein paar Gameplays. Wenn mir gefällt, was ich sehe, kaufe ich mir das Spiel entweder selbst, oder ich wende mich an den Hersteller. Dort bekomme ich mittlerweile viele Spiele kostenlos - einer der großen Vorteile eines bekannten Kommentators.  (ps)


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