Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ipad-3-im-test-gut-fuer-einsteiger-nichts-fuer-ipad-2-besitzer-1203-90550.html    Veröffentlicht: 16.03.2012 12:17    Kurz-URL: https://glm.io/90550

iPad 3 im Test

Gut für Einsteiger, nichts für iPad-2-Besitzer

Ein tolles scharfes Display, mehr Gewicht und neue Funktechnik, die in Deutschland nicht brauchbar ist: Apples iPad 3 zeigt sich im Golem.de-Test als seltsamer Mix aus deutlichen Verbesserungen und Verschlechterungen, die eine Entscheidung für oder gegen das neue iPad schwermachen.

Ein Jahr ist wieder herum und Apple hat wie erwartet ein neues iPad auf den Markt gebracht. Bekannt ist es als iPad 3. Apple wünscht sich allerdings, dass alle es "Das neue iPad" nennen. Uns ist das zu kompliziert und so nutzen wir für den Test auch den etablierten Begriff iPad 3, da wir in unserem iPad-2-Test vor einem Jahr ebenfalls von einem "neuen iPad" berichtet haben. Innen und außen hat sich seit dem iPad 2 einiges verändert. Die Displayauflösung ist deutlich gestiegen, der Prozessor wurde ausgetauscht und funktechnisch gehört das iPad 3 zu den vielseitigsten Geräten auf dem Markt.

Die grundlegende Überarbeitung ist äußerlich trotzdem kaum zu erkennen. Das iPad 2 und das iPad 3 sehen sich zum Verwechseln ähnlich; die Grundfläche bleibt bei 241,2 x 185,7 mm. Allerdings ist das neue Modell mit WLAN- und Mobilfunkmodem rund zehn Prozent schwerer als das iPad 2. Wir haben 662 Gramm beim iPad 3 und 607 Gramm beim Vorgänger gemessen. Die Nur-WLAN-Variante des iPad 3 hatten wir nicht - sie soll rund 10 Gramm leichter sein. Außerdem ist das neue Tablet auch 0,6 mm dicker als der Vorgänger - es misst nun 9,4 mm statt 8,8 mm. Das iPad der ersten Generation wiegt selbst in der WLAN-Variante noch 691 Gramm.

Verglichen mit der Android-Konkurrenz ist das iPad 3 damit eher ein Schwergewicht. Samsungs Galaxy Note 10.1 ist mit 256,7 x 175,3 x 8,9 mm und 583 Gramm beispielsweise nicht nur dünner, sondern auch leichter. Für das Neudesign des iPads sind unter anderem das neue Display, der schwerere Akku und das neue Modem mit LTE-Funktechnik verantwortlich. Es gibt jetzt nur noch ein Mobilfunk-iPad. Die CDMA-Variante für die USA wurde gestrichen.

Ein paar Änderungen des iPad 3 haben allerdings kaum Auswirkungen auf die Nutzung, wie sich im Test zeigte. In manchen Punkten wurde das Apple-Tablet sogar verschlechtert.

Mogelpackung LTE

Das iPad 3 gibt es wie den Vorgänger als Nur-WLAN-Variante und als Variante mit WLAN und einem Mobilfunkmodem. Neu ist das 4G-Modem. Hierzulande verstehen die meisten darunter den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution). Doch obwohl das iPad 3 in dieser Variante mit 4G beworben wird, kann der Nutzer damit in Deutschland nichts anfangen. Das erinnert an das iPhone 4S, das Apple hier auch Worldphone nennt und dabei unterschlägt, dass sich die CDMA-Einheit bei deutschen Geräten gar nicht aktivieren lässt. CDMA ist unter anderem wichtig für die Nutzung in Nordamerika und Japan.

Die LTE-Unterstützung im iPad 3 gibt es nur für Käufer in Nordamerika. Das liegt an den unterstützten Frequenzen. Das neue Modell kann LTE auf den Bändern 700 und 2.100 MHz nutzen, in Deutschland gibt es aber keine Anbieter, die diese Frequenzen verwenden. Vodafone nutzt in Deutschland das freigeräumte 800-MHz-Band (digitale Dividende) und 2.600 MHz. Die deutsche Telekom nutzt zusätzlich 1.800 MHz.

Auch in der näheren europäischen Umgebung sind uns keine LTE-Anbieter bekannt, die die Frequenzen nutzen, die das iPad 3 unterstützt. Apple suggeriert auf der deutschen Beschreibungsseite aber, 4G sei auch für deutsche Anwender toll, und stellt die Nichtverfügbarkeit von LTE als Ausnahmefall dar. Faktisch ist LTE im iPad 3 aber für deutsche Käufer unbrauchbar. Es wird sicher Kunden geben, die Apples Angaben vertrauen und das iPad 3 auch im Hinblick auf die LTE-Funktionen kaufen. Nachtrag: Apple hat mittlerweile die iPad-Werbetexte angepasst, so dass 4G/LTE nicht mehr so stark im Fokus stehen.

Beim 3G-Netz sieht die Sache schon besser aus. Die Frequenzunterstützung ist mit 850, 900, 1.900 und 2.100 MHz vorbildlich. Allenfalls das AWS-Band mit 1.700 MHz fehlt. Es wird weltweit aber auch nur selten eingesetzt. Im GSM-Betrieb werden alle vier Frequenzen unterstützt. Wer also in einem Land unterwegs ist, das den GSM-Standard bietet, kann mit dem iPad 3 fast immer online gehen.

Neu ist die Unterstützung besonders schneller Datenraten. Im HSPA+-Betrieb sind es maximal 21 MBit/s, im DC-HSPA-Betrieb (Dual Cell oder Dual Carrier) sogar 42 MBit/s. DC-HSPA ist in der Welt kaum verbreitet. Anfang des Jahres wurden 62 DC-HSPA-Netzwerke gezählt. Es gibt rund dreimal so viele HSPA+-Netze. Zu den DC-HSPA-Betreibern gehören in Deutschland Vodafone und die Deutsche Telekom. Allerdings erlaubt nicht jedes Vertragsverhältnis derart hohe Geschwindigkeiten.

Weiterhin vorbildlich ist Apple bei der Unterstützung verschiedener WLAN-Bänder. Ein Dual-Band-Betrieb (802.11a/n und b/g/n) ist ohne weiteres möglich. Bluetooth in der neuen Version 4.0 gehört auch zur Ausstattung.



Neuer Prozessor und neues Display

Die Hardwareausstattung ist zum Teil verändert worden. Der neue System-on-a-Chip A5X ist ein Zweikernprozessor wie auch der A5 des iPad 2. Er besitzt zwei Cortex-A9-Kerne, die mit bis zu 1 GHz laufen. Genauere Angaben macht Apple dazu nicht.

Details gibt es aber zur verbesserten Grafikeinheit des Chips. Apple wirbt mit einer Quadcore-GPU, womit vierfache Grafikleistung suggeriert wird. Während schon bei Multicores im CPU-Bereich von SoCs Vorsicht angebracht ist, sind Begriffe wie "Quadcore-GPU" umso irreführender, denn die Anzahl der Kerne steht nicht unbedingt in Relation zur Grafikleistung. Mit anderen Worten: Vierfache Kerne bedeuten nicht vierfache Leistung, insbesondere, da das iPad 2 bereits den Grafikkern SGX543MP2 von Imagination besitzt. Im iPad 3 sitzt ein SGX543MP4, also eine ähnliche GPU wie die SGX543MP4+ in der Playstation Vita.

Wie wenig aussagekräftig die Zahl der Kerne ohne weitere Angaben ist, zeigt anschaulich unser Grafikkartentest zur Serie Radeon 7000. Unsere Tabelle zeigt zwar die doppelte bis vierfache Anzahl der Rechenwerke, allerdings bedeutet das bei weitem nicht, dass eine Radeon 7970 mit 2.048 Rechenwerken fast viermal so schnell ist wie die Radeon 7770 mit 640 Rechenwerken.

Die zusätzliche Rechenleistung des A5X im Grafikbereich wird vor allem für die erhöhte Auflösung benötigt, die sich beim iPad 3 tatsächlich vervierfacht hat: 2.048 x 1.536 Pixel ist eine enorme Auflösung, deren Ansteuerung selbst für Desktop-Grafikkarten im 3D-Betrieb keine leichte Aufgabe darstellt.

Auf die Fläche gerechnet ist die Auflösung des iPad 3 übrigens geringer als die des iPhone 4 und des 4S. Statt 132 PPI (iPad 2) sind es 264 PPI (iPad 3). Aber selbst diese Pixeldichte ist noch so hoch, dass in der Regel nur junge Augen noch Pixelstrukturen ausmachen können. Die anderen müssen dafür zur Lupe greifen. In der Android-Welt gibt es ebenfalls eine Tendenz zu sehr hochauflösenden Tablets. Die Ankündigungen beschränken sich aber auf Full-HD-Tablets mit 1.920 x 1.080 Pixeln.



Die feine Schrift des iPad 3 erleichtert das Lesen

Die Schrift auf dem iPad 3 ist, wie zu erwarten war, unheimlich fein. Unser Testmuster zeigte keine Ausleuchtungsprobleme (Light Leakage), wie sie anfangs noch beim iPad 2 zu sehen waren. Wer genau hinguckt und im dunklen Raum auf einen schwarzen Bildschirm starrt, findet minimale Schwächen. Das Display ist besser als die meisten Notebook-Panels, bei denen eine durchscheinende Hintergrundbeleuchtung noch immer ziemlich verbreitet ist, aber interessanterweise kaum jemanden stört. Ohnehin ist das iPad-Display blickwinkelstabil - bei Notebooks etwas sehr Seltenes, bei Tablets allerdings mittlerweile normal. Nur wenige Tabletkonkurrenten trauen sich noch, schlechte Displays zu verbauen.

Für die Praxis bedeutet das fein auflösende Display im iPad 3 einen angenehmeren Leseeindruck, und zwar auf den ersten Blick. Allerdings gibt es Teile von iOS, die noch nicht von der hohen Auflösung profitieren. Die Programm-Icons anderer Entwickler sind noch nicht alle angepasst worden. Hier zeigt sich, dass Apple seine Entwickler zu lange im Unklaren gelassen hat. Schrift ist in der Regel deutlich besser aufgelöst. Video- und Fotodetails auf dem neuen Display gefallen uns ebenfalls sehr gut, vor allem in iPhoto. Allerdings beschränkt Apple iPhoto auf dem iPad 2. Eigentlich müsste das Programm nur höhere Zoomstufen zulassen, um dieselben Details anzuzeigen wie beim iPad 3. Wer im iPad 2 alle Details von Bildern sehen will, darf nicht iPhoto nutzen, sondern muss eine Anwendung nutzen, für die das verwendete Display nicht relevant ist.

Die Beurteilung der Displayfarben des iPad-3-Displays fiel uns etwas schwer. Im Vergleich zum Vorgänger sind die Farben beim neuen Tablet etwas intensiver. Auch Graustufen sind besser aufgelöst. Uns fiel in einer Testszene allerdings auf, dass der Unterschied zwischen Magenta und Rot beim iPad 3 schlechter wahrnehmbar ist. Zudem hat das iPad 3 eine wärmere Farbtemperatur und Weiß wirkt insgesamt dunkler.

Die Farben lassen sich aber nicht an allen Stellen des Systems beurteilen. Wer beispielsweise die Gamecenter von iPad 2 und iPad 3 vergleicht, wird merken, dass das auf dem iPad 3 besser aussieht, weil Apple die Grafikgrundlage verbessert hat.



iPads mit 16 GByte haben zu wenig Speicher

An den restlichen Daten hat sich seit dem iPad 2 nichts geändert. HDMI oder andere Ausgänge gibt es weiterhin nur per Adapter, die dazugekauft werden müssen. Weiterhin sind 16 bis 64 GByte Speicher möglich, der nicht aufgestockt werden kann. SD-Karten funktionieren nur per Adapter am iPad. Das ist schade, denn eine Erweiterung des Speichers wäre durchaus sinnvoll in Anbetracht der Verteilung von 1080p-Material bei Apple. Auch Apps sind in letzter Zeit immer größer geworden. Insbesondere im Hinblick auf das iPad 3 hat Apple einige seiner Anwendungen aktualisiert und teils drastisch die Belegung im Flashspeicher erhöht.

Ein iPad mit 16 statt 32 oder 64 GByte Flashspeicher halten wir für viel zu klein. Alte Anwendungen wie Rage HD sind bereits 2 GByte groß. Garageband und Infinity Blade 2 belegen jeweils 1,2 GByte und ein Film wie Toy Story 3 kommt schon in der 720p-Version auf 3,3 GByte. Eine aktuelle Simpsons-Folge (720p, How I Wet Your Mother (sic!)) kommt auf fast 700 MByte. Eine Folge der Big Bang Theory (1080p, The Weekend Vortex) ist rund 850 MByte groß.

Das stellt unserer Ansicht nach auch den Sinn des iPad 2 infrage, das vergünstigt und mit 16 GByte Speicher im Handel verbleiben wird. Es stellt nun den Einstieg in die iPad-Welt dar. Wer allerdings nur ein bisschen mit Apps und Filmen rumspielt, wird nur sehr kurz Freude an einem 16-GByte-iPad haben. Wir wünschen uns sogar ein iPad mit 128-GByte-Speicher, weil die 64-GByte-Variante in der Praxis bei weitem nicht mehr ausreicht.

Es ist aber eine Erwähnung wert, dass es überhaupt eine 64-GByte-Variante gibt. In der Android-Welt wird eine so hohe Speicherkapazität unverständlicherweise nur sehr selten angeboten. Allerdings haben viele Android-Tablets einen Steckplatz für Speicherkarten, auf denen sich etwa Videos oder Musik ablegen lassen und die Karten lassen sich bei Bedarf wechseln. Das fehlt in der iPad-Welt komplett.



Benchmarks zeigen kaum Geschwindigkeitsgewinne

Unser Testgerät ist mit iOS 5.1 ausgestattet. Zum Vergleich haben wir auch ein iPad 2 mit iOS 5.1 bespielt. Die Build-Nummern sind identisch. Am Betriebssystem hat sich in der Vergangenheit wenig geändert. Es ist weiterhin ein geschlossenes System. Anwendungen gibt es nur über den App Store von Apple und die Anwendungen sind durch Vorgaben seitens Apple beschränkt und dürfen nicht besonders nah ans System.

Für den Vergleichstest haben wir den Geekbench genutzt, der vor allem die CPU testet. Hier zeigen sich nicht allzu deutliche Unterschiede. Auf dem iPad 2 sind es 764 Punkte. Das iPad 3 erreicht 751 Punkte. Auf der CPU-Seite hat sich also nichts getan, während die Android-Welt bereits seit längerem zu Quad-Core-Tablets wechselt.

In der Praxis ist das iPad 3 dennoch schneller als das iPad 2, da mehr Arbeitsspeicher zur Verfügung steht. Nervige Ladezeiten werden dadurch häufig verhindert. Um solche Ladezeiten zu provozieren, müssen aber erst einmal einige Anwendungen geladen werden, die eine hohe Arbeitsspeicherlast erzeugen. Erst nachdem Rage HD und Infinity Blade geladen wurden, stellten wir fest, dass dem iPad 2 der Speicher für das zuvor gestartete Safari ausgegangen ist. Das iPad 3 hat dann noch keine Probleme und hatte alle Webseiten des Browsers noch im Speicher.

Die Ladezeiten sind beim iPad 3 geringfügig kürzer geworden. Bei Rage HD und Infinity Blade ist das neue iPad weniger als eine Sekunde schneller beim Laden. Das speicherintensivere Infinity Blade II lädt das neue iPad vier Sekunden schneller als das iPad 2.

Bei der Grafik nutzten wir zudem den neuen Teil Infinity Blade 2 zur subjektiven Beurteilung. Das ist zwar kein Benchmark, aber in der Praxis als Referenzspiel der iOS-Plattform relevant. Infinity Blade 2 stockt auf einem iPad 2 schon ein bisschen. Auf dem iPad 3 sieht das Ganze besser aus. Allerdings liegt es wohl am Mehr an Arbeitsspeicher, dass das Spiel nicht mehr so hakelt. Eine Erhöhung der Bildrate konnten wir nicht erkennen.

Real Racing 2 HD ruckelt wegen zu hoher Auflösung

Eine Überraschung erlebten wir bei Real Racing 2 HD, einem weiteren iPad-Referenzspiel, da es zu den wenigen Titeln gehört, die auch für das Apple TV angepasst wurden. Offenbar haben die Entwickler kein iPad 3 bekommen. Anders lässt sich nicht erklären, dass das Spiel auf dem iPad 3 nicht mehr spielbar ist. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass Real Racing HD tatsächlich auf einem iPad 3 besser aussieht. Die Auflösung ist feiner, wenn auch nicht in dem Maße, wie wir es erwartet hatten. Fehlendes Anti-Aliasing macht die Pixelstruktur dort sichtbar. Bei Schrift erkennt der Anwender sie nicht.

Auf jeden Fall ist die vierfache Rechenlast für die GPU-Rechenwerke anscheinend zu viel. Das Spiel ruckelt so stark, dass selbst die Menüführung unbrauchbar ist. Ein Update für das Rennspiel wird aber sicher kommen, um das Problem zu lösen. Wir vermuten, dass die Auflösung auf iPad-/iPad-2-Niveau gesenkt wird. Nachtrag: Entwickler Firemint hat mittlerweile das Spiel aktualisiert. Wir haben die neue Version kurz angetestet und Screenshots hinzugefügt. Das Spiel läuft in nativer iPad-3-Auflösung flüssig.

Der GL-Benchmark soll für die 3D-Beurteilung helfen, auch wenn einige der Tests grafisch nicht an die Leistungsfähigkeit der iPads herankommen. Das iPad 2 schafft im Egypt-Benchmark 90 Bilder pro Sekunde, das neue Modell 141 FPS (Frames per second). Der Test musste als Offscreen-Benchmark - also ohne Ausgabe - durchgeführt werden. Andernfalls hätte die Vsync-Limitierung zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt.

Wie gut der Browser im iPad 3 reagiert, interessierte uns auch und wir haben den V8-Benchmark (V7) von Google benutzt. Das iPad 2 erreichte 450 Punkte. Das iPad 3 ist erwartungsgemäß mit 463 Punkten kaum schneller.



Kamera, Diktierfunktion - keine Siri

Die Blende der eingebauten Kamera liegt bei f2,4 und ist damit vergleichsweise weit offen. Das nützt natürlich nichts, wenn der Sensor sehr klein ist. Wir haben ein paar Testfotos geschossen, um die Bilder zu beurteilen. Sie sind in der Galerie ab dem Bild 8 zu finden und wurden, abgesehen von einer manchmal notwendigen Rotation, nicht weiter manipuliert. Sie sind in voller Auflösung abgelegt und sollten im Vollbildmodus betrachtet oder gleich zur Beurteilung gespeichert werden. Zum Teil sind Bilder des iPad 2 zum Vergleich in der Galerie.

Neu ist die Videostabilisierung, die aus Platzgründen in Software arbeitet. Weder der Sensor noch das Objektiv haben eine flexible Aufhängung, die Zitterbewegungen des Nutzers ausgleicht. Beim kurzen Test der Videostabilisierung gefiel uns das Ergebnis durchaus. Bei einer Autofahrt waren die Ergebnisse erstaunlich gut. Komplett entwackeln kann die Software das Bild in solchen Situationen allerdings nicht.

Zur Kamera lässt sich sagen, dass sie verglichen mit dem iPad 2 endlich brauchbar ist. Das gilt sowohl für Video- als auch Fotoaufnahmen. Insgesamt ist die Kamera aber unterdurchschnittlich, sie kann mit der Kamera des iPhone 4S nicht mithalten und auch digitale Knipsen sind in der Regel sehr viel besser als die Kamera des iPad 3.

Sprechen mit dem Tablet

Die Sprachsteuerung Siri, die auf dem iPhone 4S eingesetzt wird, hat Apple nicht ins iPad 3 integriert, aber ein Teil der Spracherkennung wurde trotzdem übertragen. Wer will, kann dem Tablet seine Texte diktieren. Die Funktion ist vom iPhone 4S bekannt und trotz der Funktionseinschränkungen nur nutzbar, wenn eine Internetverbindung besteht.

Um dem iPad einen Text zu diktieren, muss in der virtuellen Tastatur die Mikrofonschaltfläche gedrückt werden. Dann kann gesprochen werden, anschließend wird die Schaltfläche wieder gedrückt. Wir haben recht gute Ergebnisse beim Diktieren erzielt. Ein bisschen Zeit braucht die Erkennung aber. Über das Mobilfunknetz geht es nicht so schnell wie über ein schnelles WLAN.



Überraschend großer Akku, der sich schwer aufladen lässt

Der Akku hat laut Apple 42,5 Wattstunden. Zum Vergleich: Der Vorgänger hatte nur 25 Wattstunden, was auch schon recht viel ist in Relation zur Größe. Apple hat das iPad ein bisschen dicker gemacht und Bilder von iFixit zeigen, dass Apple den Raum noch besser ausnutzt und weniger Luft im iPad 3 ist (Vergleichsbilder Akku im iPad 2). Allerdings konnte Apple nicht vermeiden, das iPad nun schwerer (rund 55 Gramm) und dicker (0,6 mm) zu machen. Einige Zubehörteile dürften nicht mehr passen. Das Smartcover funktioniert übrigens noch mit dem iPad 3, so dass bei einem Tabletwechsel kein neues gekauft werden muss.

Der größere Akku dürfte aus mehreren Gründen notwendig geworden sein, denn viele Komponenten des iPad 3 dürften deutlich mehr elektrische Leistung aufnehmen, darunter das Display mit der vierfachen Auflösung. Um durch die feinen Pixel Licht zu bekommen, müsste die Hintergrundbeleuchtung stärker sein, da es keine OLED-Pixel sind. LTE wird auch ein erhöhter Energiebedarf nachgesagt, was wir in unserem ersten LTE-Test mit dem HTC Velocity 4G auch belegen konnten. Und zu guter Letzt wird auch der Grafikchip wegen der hohen Auflösung deutlich mehr gefordert.

Spürbar wird das vor allem dadurch, dass das iPad 3 etwas wärmer wird als das Vorgängermodell, wenn auch nur handwarm. Das ist vor allem auf der linken Seite festzustellen und im direkten Vergleich sogar bemerkbar, wenn das Tablet eingeschaltet ist, aber nicht benutzt wird. Wir haben die Temperatur in der Kopfhörerbuchse bei einer Raumtemperatur von 23,2 Grad Celsius gemessen. Am iPad 3 maßen wir im Maximum 34,3 Grad und 31,7 Grad am iPad 2 beim Spielen von Infinity Blade 2. Eventuell hat das Auswirkungen auf den Betrieb im Freien bei Sonnenlicht. Bei hohen Temperaturen neigten schon die Vorgänger dazu, eine Überhitzungswarnung abzugeben. Mangels Sommerwetter konnten wir das beim iPad 3 allerdings noch nicht testen. Wie die meisten technischen Geräte ist das Tablet nur für einen Temperaturbereich zwischen 0 und 35 Grad Celsius spezifiziert.

Nicht jeder Rechner liefert genug Energie über USB

Auffallend ist, dass das iPad 3 doch schnell viel Akkulaufzeit verliert, selbst wenn es am USB-Anschluss hängt. An einem Mac Pro verloren wir in wenigen Minuten 2 Prozent Akkuleistung. Ein Macbook Pro 13 (2009) konnte mit 500 plus weitere 500 mA Extraenergie (5 Watt) die Ladung bei voller Helligkeit auch nicht halten. Die Extraenergie können einige Macs bereitstellen, das handeln die Geräte beim Einstecken miteinander aus, es überschreitet natürlich USB-Standards. Das Problem haben auch andere Tablets. Das von uns getestete Galaxy Tab 7.0 Plus N verliert in bestimmten Situationen ebenfalls Energie trotz USB-Anschluss. Es muss aber im Unterschied zum iPad 3 mit 2,5 Watt auskommen, hat es also ohnehin schwerer. Derartige Szenarien haben wir zudem auch mit dem iPad 2 erlebt, nur in weniger extremer Ausprägung.

Wie groß die Probleme des iPad 3 mit dem Halten der Ladekapazität sind, zeigt die Wiederherstellung des iPad 3 an genanntem Macbook per USB (5 Watt). Die kostete ganze 10 Prozent bei voller Helligkeit und dauerte 50 Minuten. Es wurden etwa 30 GByte an Daten wiederhergestellt. Erst an einem iMac 2011, der 500 + 1.600 mA Stromstärke lieferte, hielt das neue iPad tatsächlich die Ladekapazität. Nach mehr als 20 Minuten bekamen wir allerdings kein Prozent mehr Akkukapazität gemeldet. Wir brachen den Versuch dann ab.

Es gilt umso mehr, dass ein iPad an einem Rechner nur mit deaktiviertem Bildschirm vernünftig lädt. Ein Problem, das Android-Tablets auch haben. Bei der Konkurrenz verzichtet der ein oder andere Hersteller daher auf die USB-Ladefunktion. Das bedeutet allerdings auch, dass sich das neue iPad nicht an allen Rechnern als zusätzlicher Bildschirm nutzen lässt. Wir haben beispielsweise für unseren Test der Simulation X-Plane 10 iPads für die Darstellung der Instrumente und Karten benutzt. Es empfiehlt sich dann, das iPad gleich an das 10-Watt-Netzteil zu hängen.

Selbst das reicht aber nicht immer. Beim Spielen von Infinity Blade 2 schafft es das Netzteil nur mit Müh und Not, das iPad 3 zu laden.

Einen vollständigen Akkutest konnten wir nicht durchführen. Unter anderem sind die Ergebnisse verfälscht, da das iPad 3 regelmäßig per USB angeschlossen war. Umso überraschender, dass wir nur auf eine Laufzeit von etwa 7 Stunden mit recht vielen Lastsituationen gekommen sind. Die Helligkeit war allerdings immer auf Maximum und WLAN aktiv. Mobilfunk und Bluetooth waren nur für kurze Experimente aktiv.

Beim Aufladen konnten wir feststellen, dass dies am besten funktioniert, wenn das Tablet in Ruhe gelassen wird. Nach etwa zwei Stunden war der Akku wieder auf 37 Prozent. Die genaue Zeit, wann der Akku wieder voll war, haben wir leider verpasst, da wir erst 6 Stunden nach Ladebeginn wieder auf den Akku geschaut haben, der dann überraschenderweise am 10-Watt-Netzteil schon geladen war. Wir vermuten, dass ein voller Ladezyklus deutlich unter 6, eher im Bereich von 5 Stunden dauert.



Fazit und Verfügbarkeit

Die Preise der neuen iPad-Generation haben sich nicht geändert, die Technik wurde aber verbessert. Der Einstiegspreis liegt beim iPad 3 also wieder bei rund 480 Euro für die WLAN-Variante mit 16 GByte internem Speicher. Von dieser Variante raten wir aber aufgrund des geringen Speichers ab. Das Mobilfunkmodem kostet 120 Euro Aufpreis. 800 Euro sind für ein iPad 3 mit 64 GByte und 4G-Modem fällig, das nur im 3G-Modus in Deutschland funkt.

Theoretisch ist das iPad bereits verfügbar, die erste Charge ist aber längst durch Vorbestellungen ausverkauft. Da Apple weltweit das Produkt verteilt, dürfte der Lieferengpass eine Weile anhalten. Das ist eine bewusste Entscheidung Apples, die natürlich zu einer Verknappung führt und so den Hype fördert. In der Vergangenheit hat Apple stärker gestaffelt, damit aber auch Nutzer verärgert. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Tagen sehr viel Glück nötig sein wird, um ein iPad 3 zu ergattern.

Fazit

Apples iPad 3 ist der nächste logische Schritt nach dem iPad 2, bringt aber keine großartige Neuerung. Das war aber auch nicht anders zu erwarten, schließlich hat Apple schon beim Vorgänger gute Arbeit geleistet. Der Unterschied zwischen iPad 2 und iPad 3 ist geringer als der zwischen dem ersten iPad und dem iPad 2. Damit lohnt sich das Gerät nicht für alle.

Wer noch kein iPad besitzt, aber an der iOS-Plattform Interesse hat, sollte lieber zum iPad 3 als zum iPad 2 greifen. Das gesparte Geld lohnt sich in Anbetracht des guten Displays nicht. Wer ein iPad der ersten Generation hat, kann auch über das neue iPad nachdenken. Es ist einfach schneller und vor allem das Display ist toll für die Bildbetrachtung.

Für Besitzer eines iPad 2 gibt es hingegen fast keinen Grund umzusteigen. Es ist wie bei den iPhones; auch hier lohnt sich ein Umstieg meist erst mit der übernächsten Generation. Das iPad 2 ist weiterhin schnell genug, die Kamera genügt ohnehin nicht hohen Ansprüchen, da ändert auch die verbesserte iPad-3-Kamera nichts dran. Allenfalls das Display wäre ein Wechselgrund, aber dafür ist der Preis des neuen iPads zu hoch.

Das neue iPad ist ein gutes Tablet für die iOS-Plattform, dessen einzige Nachteile die mangelnden Alleinstellungsmerkmale zum iPad 2 und die Akkuproblematik sind. Es ist schade, dass es Apple nicht gelungen ist, ein stromsparenderes Design zu erstellen. Auch wenn Apples Bemühungen zu würdigen sind, ein so gutes Display in das iPad zu bringen, ärgert es doch manchmal, dass sich das iPad 2 vor allem in der mobilen Praxis besser bewährt.

Wer die beiden iPad-Generationen direkt vergleichen will, findet eine Tabelle der letzten beiden iPads auf einer Apple-Webseite.

Nachtrag vom 16. März 2012, 13:10 Uhr

Apple hat seine Werbetexte angepasst und Firemint das Spiel Real Racing 2 HD aktualisiert. Die Neuerungen wurden berücksichtigt und entsprechende Textstellen im Test nachgetragen.  (ase)


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