Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/numecent-cloudpaging-ersetzt-download-und-installation-1203-90274.html    Veröffentlicht: 06.03.2012 10:11    Kurz-URL: https://glm.io/90274

Numecent

Cloudpaging ersetzt Download und Installation

Mit der Cloudpaging genannten Virtualisierungstechnik von Numecent werden Anwendungen und Spiele lokal auf dem Rechner ausgeführt, ohne dass sie zuvor heruntergeladen oder installiert werden müssen. Mit Approxy startet zugleich ein Spin-off, das die Technik Spieleentwicklern anbieten soll.

Das Startup Numecent will mit seiner "Cloudpaging" genannten Virtualisierungstechnik das Ende digitaler Softwaredownloads und der Installation nativer Anwendungen einläuten. Denn dank Cloudpaging kann eine Anwendung genutzt werden, ohne dass sie komplett heruntergeladen werden muss. Das funktioniert mit allen Windows-Anwendungen und auch mit Windows selbst. Ausgeführt werden die Anwendungen auf dem Rechner des Nutzers, nur können sie 20- bis 100-mal schneller genutzt werden, als wenn sie zuvor heruntergeladen und installiert werden müssten.

Gegründet wurde Numecent von Osman Kent, einem der Gründer und lange Zeit Chef von 3Dlabs, und Arthur Hitomi, der zuvor das Unternehmen Endeavors Technologies gegründet hatte. Mit Numecent und dessen Cloudpaging wollen sie nun die Welt der Softwareverteilung revolutionieren.

Wie funktioniert Cloudpaging?

Dazu wird die Anwendung zunächst mit Hilfe der Software Jukebox Studio "cloudifiziert", was weitgehend automatisch abläuft und keinen Zugriff auf den Quellcode benötigt. Dabei wird die Anwendung vorab virtualisiert, verschlüsselt und in "Pages" genannte Fragmente aufgeteilt, beschreibt Numecent den Vorgang.

Ein Anbieter muss diese Vorabvirtualisierung einmal pro Softwarebestandteil durchführen, was für ein Programm wie Adobe Photoshop rund 30 Minuten und für sehr große Programme wie Avids Media Composer auch mehrere Stunden dauern kann. Numecent selbst verfügt über tausende solcher vorab virtualisierten Anwendungen, die das Unternehmen Entwicklern zur Verfügung stellen will.

Numecent will mit seinem Ansatz jede Windows-Anwendung cloudfähig machen und sogar Plugins einzeln ausliefern können. Auch das gesamte Betriebssystem und sehr große virtuelle Maschinen sollen sich mit Cloudpaging ausliefern lassen.

Eine so vorbereitete Anwendung wird abschließend auf einem Server mit dem Numecents Jukebox Server gehostet. Dabei können Softwareanbieter und Administratoren Lizenzregeln festlegen, die in Echtzeit verwaltet werden, so dass sie auch jederzeit widerrufen werden können.

Auf dem Rechner des Nutzers läuft der Jukebox Player mit einer virtuellen MMU (Memory Manager Unit), die einzelne Pages, also Anwendungsfragmente, bei Bedarf anfordert. Greift ein Nutzer nun auf eine so aufbereitete Anwendung in der Cloud zu, lädt sein Rechner einige "Pages", also zuvor erstellte Anwendungsfragmente, über HTTP oder HTTPS herunter.

In aller Regel soll es ausreichen, rund fünf Prozent der Pages herunterzuladen, damit die Anwendung startet. Nutzer können eine Anwendung also nutzen, ohne sie komplett herunterzuladen.

In Zukunft auch für Tablets und Smartphones

Ausgeführt werden die Anwendungen vom Jukebox Player in einer mit AES mit 256 Bit verschlüsselten Sandbox, ohne dass sie installiert werden müssen. Ausgeführt werden die Anwendungen dennoch lokal, so dass sie ebenso schnell laufen sollen, als wären sie lokal installiert. Einmal heruntergeladene Pages werden lokal in einem verschlüsselten Cache gespeichert, so dass künftige Zugriffe schneller abgewickelt werden können. Zudem können mittels Cloudpaging ausgelieferte Anwendungen so auch offline und ohne Netzwerkverbindung genutzt werden.

In einem Beispiel zeigt Numecent, wie eine 66 GByte große virtuelle Maschine mittels Cloudpaging nach Übertragung von nur 900 MByte genutzt werden kann. In der virtuellen Maschine laufen eine Instanz von Windows 2008 R2 und mehrere Instanzen von Windows 7.

Numecent bietet seine Application Jukebox, bestehend aus Jukebox Player, Jukebox Server und Jukebox Studio, mit den oben beschriebenen Funktionen ab sofort an, zeigt aber zugleich einige Erweiterungen, die in naher Zukunft verfügbar sein sollen.

So soll Cloudpaging künftig anhand echter Nutzerdaten lernen, welche Pages wann benötigt werden, und diese an Clients ausliefern, noch bevor sie konkret angefragt wurden. Zum Nachladen notwendige Pausen sollen so reduziert werden.

Hybridlösung für Tablets

Um Anwendungen auch auf Tablets mit anderen Prozessorarchitekturen und geringeren Rechenkapazitäten zu bringen, setzt Numecent auf einen hybriden Ansatz, der einen lokalen PC mit seiner GPU miteinbezieht. Wird ein Spiel beispielsweise auf einem Android-Tablet mit ARM-Prozessor aufgerufen, wird es auf einem lokalen PC gestartet und die Ausgabe per WLAN mit 6 Bildern pro Sekunde auf das Tablet gestreamt.

Auch die üblichen Multitouchgesten können dank "Gestenvirtualisierung" verwendet werden. Die Gesten werden dabei bei der Cloudifizierung festgelegt und in den Metadaten der Anwendung gespeichert.

Smartphone als Server

Die für Cloudpaging benötigte Serverkomponente ist relativ schlank und benötigt wenig Ressourcen, schließlich werden die eigentlichen Anwendungen auf dem Rechner des Nutzers ausgeführt. So sollen sich mit einem vergleichsweise kleinen Server bis zu 10.000 Nutzer bedienen lassen.

Die Serversoftware selbst läuft unter Windows und Linux sowie Android. Wird ein PC per WLAN mit einem Android-Smartphone verbunden, kann das Smartphone Anwendungen für den PC bereitstellen, die ohne Installation ablaufen. So können Nutzer ihre Anwendungen mitnehmen und auf einem fremden Desktoprechner unterwegs ausführen.

Approxy für Spiele

Mit Approxy schickt Numecent zugleich ein Spin-off an den Start, das Cloudpaging im Bereich Cloud-Gaming einsetzt. Approxy ist ein Joint Venture von Numecent und Yavuz Ahiska, der einst zusammen mit Osman Kent 3Dlabs gründete. Approxy will auf Basis der Cloudpaging-Technik eine Whitelabel-Lösung für Spieleentwickler, Publisher und Aggregatoren anbieten.

Partnerschaft mit Red Hat

Darüber hinaus unterhält Numecent eine Partnerschaft mit Red Hat. Der Linux-Spezialist setzt Numecents Cloudpaging-Technik in seiner Virtualisierungslösung Red Hat Enterprise Virtualization 3 (RHEV3) ein.  (ji)


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