Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-8-cp-in-der-praxis-stabile-vorschau-mit-zwei-bedienungskonzepten-durch-metro-1203-90229.html    Veröffentlicht: 06.03.2012 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/90229

Windows 8 CP in der Praxis

Stabile Vorschau mit zwei Bedienungskonzepten durch Metro

Was Golem.de gemacht hat, ist nicht zur Nachahmung empfohlen: Wir haben die Windows 8 Consumer Preview einfach über ein Produktivsystem gebügelt. Die gesammelten Praxiserfahrungen auf dem Convertible waren das Risiko wert, und wir können jetzt zwischen Metro-Bedienungsproblemen und Betaschwierigkeiten unterscheiden.

Microsofts nächstes Betriebssystem bricht mit vielen Traditionen und liebgewonnenen Eigenschaften. Windows 8 macht das System touchscreen- und damit tablettauglich, um auch Marktbereiche abdecken zu können, in denen Google mit Android und Apple mit iOS führend ist. Dafür hat Microsoft die Metro-Bedienungsoberfläche von Windows Phone 7 und den Zune-HD-Player auf den Desktop gebracht und gibt jedem mit der sogenannten Consumer Preview (CP) die Chance, es selbst auszuprobieren. Eines vorweg: Probleme, die wir auf den Betastatus zurückführen können, gibt es zwar, aber es sind Ausnahmen. Das größte Problem liegt im Konzept von Windows 8 mit der neuen Metro-Bedienungsphilosophie, die den Desktop stört.

Um die Consumer Preview von Windows 8 in der Praxis zu testen, haben wir Windows 8 CP auf einem Produktivgerät installiert. Wir warnen ausdrücklich vor solchen Experimenten mit wichtigen Rechnern. Für unseren Zweck war es das Risiko dennoch wert. Das Testgerät ist ein gut ausgestattetes Notebook der Geschäftskundenklasse, das Windows 8 in vielen Bereichen gerecht wird, aber trotzdem ein klassisches Notebook ist: Das HP Elitebook 2740p mit Touchscreen, Digitizer, 160 GByte SSD, 8 GByte RAM, integriertem 3G-Modem, einem Unterschnallakku und einer ebenfalls unten anbringbaren mobilen Dockingstation deckt viele der denkbaren Anwendungsszenarien ab. Es handelt sich um ein Businessnotebook. In der Regel bedeutet das, dass der Anwender es einfacher hat. Microsoft unterstützt bei so langlebiger Hardware viel eher die Komponenten und Treiberärger ist seltener. Auf so manchem kurzlebigen Endkundennotebook dürfte die Installation schwieriger sein.

Parallel haben wir Windows 8 auch auf einem Samsung Series 7 Slate installiert, das Windows 8 eher gerecht wird. Warum? Samsungs Tablet-PC (nicht zu verwechseln mit einem Tablet) bietet 1.366 x 768 Pixel (16:9), HPs Convertible Tablet-PC hingegen nur 1.280 x 800 Pixel (16:10). Wir haben damit auch die Screenshots gemacht, da der Verlust von 32 Pixeln in der Höhe wegen der Taskleiste schwerer wiegt als der Gewinn von 86 Pixeln in der Breite. Auf dem 16:10-Display bedeutet dies jedoch, dass wir zwei Anwendungen (Windows Snap) in der Metro-Oberfläche nicht nebeneinander positionieren können. Das geht erst ab 1.366 Pixeln in der Breite. Eine sehr weit verbreitete Auflösung wird aus unserer Sicht ohne Grund von einer Funktion einfach ausgeschlossen - ärgerlich. Auf dem Windows-Desktop bleibt aber alles beim Alten. Hier können Anwendungen beliebig neben- oder übereinander positioniert werden.

Microsoft hat ein dem Samsung Series 7 Slate sehr ähnliches Gerät an Entwickler verteilt, damit diese ihre ersten Apps für Windows testen können. Das Slate ist auch in unserem Video zur Windows 8 CP zu sehen.

Abenteuer Upgrade-Installation

Doch damit wir uns über das Fehlen von Windows Snap überhaupt ärgern konnten, mussten wir erst Windows 8 installieren. Beim Series 7 Slate von Samsung haben wir den einfachen Weg einer Neuinstallation gewählt, beim HP Elitebook 2740p hingegen eine bestehende Installation von Windows 7 auf Windows 8 aktualisiert. Eigentlich wollten wir zunächst eine Parallelinstallation probieren. Das soll gehen, doch wir scheiterten daran, dass es der Defragmentierung auf der nur 160 GByte fassenden SSD nicht gelang, genug zusammenhängenden freien Speicher zu schaffen, um die Partition zu verkleinern - mit Windows-7-Bordmitteln. Es waren zwar 40 GByte frei, aber irgendwo hinten auf dem Datenträger fanden sich unbewegbare Dateien für den Defrag-Befehl auf der Kommandozeile.

Upgrade fast ohne Probleme

Also probierten wir den Upgrade-Weg von Windows 7 Professional x64 auf Windows 8 x64 in der Hoffnung aus, nicht alle Gerätetreiber zu verlieren. Die Upgrade-Installation machte zunächst einen Systemcheck und beschwerte sich über Microsofts Playready und Microsofts Security Essentials. Beide mussten deinstalliert werden. Dann folgten weitere Warnungen: der Wacom-Digitizer werde nicht mehr funktionieren, iTunes-Inhalte müssten neu aktiviert werden und ein virtuelles CD-Laufwerk sowie der Total Commander 7.56 würden wohl nicht weiterarbeiten. Der Total Commander 7.57 beseitigt immerhin eines der Probleme und der Wacom-Digitizer arbeitet bei uns ohne Probleme mit Windows 8.

Nach der Installation, die kaum Nutzereingriffe erfordert, sieht der Nutzer sogleich Metro. Die Einrichtung von WLAN-Verbindungen ist zwar touchscreenfreundlich umgesetzt, der Touchscreen aber funktioniert zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er arbeitet erst nach der Anmeldung am System. Offenbar geschieht die finale Treiberinstallation erst dann. Unerwarteterweise funktionierte sogar das Einloggen per Fingerabdruck noch.

Auf den ersten Blick wurde alles übernommen, was zu übernehmen war. Kein Gerät fehlte. Sogar das 3G-Modem funktionierte. Einzig die Bildschirmrotation beim Weg- und Umklappen des Bildschirms funktionierte nicht mehr automatisch. Die von HP vorgesehenen Tablet-PC-Zusatztasten funktionierten bei dem Convertible nicht mehr. Auch auf dem Samsung Series 7 Slate funktionierte die Bildschirmrotation nicht. Für eine Betaversion insgesamt ein sehr gutes Ergebnis.

Schnelles Booten

Windows 8 startet sehr schnell. Unser System hat zwar eine Intel-SSD (Postville G2), aber statt wie bei Windows 7 nach fast einer Minute ist der Rechner schon nach 25 Sekunden arbeitsbereit. Überraschend dabei ist, dass die Hälfte der Zeit das HP-System für sich selbst braucht. Rund 12 Sekunden dauert der Power-on-Self-Test beim Elitebook. Windows bootet in den Anmeldebildschirm in gerade einmal 8 Sekunden. 3 Sekunden braucht die Anmeldung per Fingerabdruck. Wenn Hardwarehersteller an ihren Bios- und UEFI-Startprozessen arbeiten, sind Bootzeiten um die 10 Sekunden realistisch.

Möglich wird dies durch eine Kombination aus normalem Boot-Vorgang und Hibernation: Wird Windows 8 heruntergefahren, beendet es wie Windows 7 alle User Sessions und Programme. Anders als bei Windows 7 wird aber die System-Session alias Session 0 nicht beendet, sondern per Hibernate auf der Platte gesichert. Im Vergleich zu einem normalen Wechsel in den Hibernate-Zustand fallen deutlich weniger Daten an, da die User Session und der verwendete Speicher nicht mehr auf die Platte geschrieben werden müssen. Die so deutlich kleinere Hibernate-Datei wird dann beim Starten wieder eingelesen, was schneller geht als die Wiederherstellung einer kompletten Session.

Auch der Wechsel in den Hybrid-Schlafmodus erfolgt schnell. Trotz 8 GByte RAM ist das System in rund 11 Sekunden im Schlafmodus. Wir haben leider keine Messwerte für Windows 7 auf dem System, der Wechsel dauerte dort aber gefühlt eine Minute - als ob der gesamte Arbeitsspeicher auf die SSD geschrieben werden müsste, egal wie voll er war.

Das Aufwachen aus dem Suspend-to-Disk-Modus dauert ebenfalls nur etwa 10 Sekunden. Aufgrund eines Fehlers in der HP-Hard- oder -Firmware konnten wir das Aufwachen von der SSD nur über die Entnahme des Akkus testen. Unser Notebook neigt bei Akkubereichen unter 10 Prozent dazu, nach dem Einschlafen sofort wieder aufzuwachen, unabhängig davon, ob Windows 7 oder Windows 8 installiert ist. Der Hybrid-Modus ist gerade dann eigentlich sinnvoll, da er auch bei leerem Akku funktioniert.



Ganz schön Metro? Die Feinheiten fehlen noch

Die Metro-Oberfläche ist das Hauptunterscheidungsmerkmal von Windows 8 im Vergleich zum Vorgänger Windows 7. Die Bedienung ist komplett für Touchscreens optimiert worden. Allerdings gibt es dafür spezielle Anwendungen: Metro-Apps. Bei alter Software hingegen wird Metro nicht benutzt.

Metro und das alte Bedienungskonzept kollidieren vor allem auf dem Desktop miteinander und es fehlt eine gewisse logische Nachvollziehbarkeit. Ein Wisch von links zum Beispiel führt theoretisch zu anderen Metro-Apps, auch vom Desktop aus. Nur ob eine Metro-App gestartet ist, erfährt der Anwender auf dem Desktop nicht. Dann funktioniert die Geste, die auch die Metro-Oberfläche als Startknopf anzeigt (reinwischen und wieder rauswischen), nicht. Die linke Leiste zeigt eigentlich alle aktiven Metro-Apps. Wer dann auf den Metro-Startbildschim möchte, kann zwar die Windows-Taste drücken oder es über die Charms probieren, kommt aber nicht über die Rein- und Rauswischengeste heran. Alternativ kann auch die Maus in der linken unteren Ecke verweilen. Die Ecken sind für Metro reserviert.

Mit einem Digitizer geht das aber nicht immer. HPs Wacom-Digitizer ist vor allem am Rand extrem unpräzise, auch mit Kalibrierung. Mit einem Stift lassen sich einige Metro-Funktionen nicht bedienen und Microsoft hat kein Ersatzkonzept für Tablet-PCs in Windows 8 integriert - zumindest nicht in die Consumer Preview. Das Verweilen in der Ecke mit dem Cursor hat noch weitere Probleme. In der unteren rechten Ecke kollidiert das Anzeigen des Desktops mit der Anzeige der Charms. In den anderen Ecken kann das auch passieren. Besonders nervig ist das beim Versuch, die erste Anwendung in der Taskleiste zu treffen. Diese Kollisionen lassen sich schwer einschätzen. Es ist zu hoffen, dass es sich dabei noch um Fehler bei der intelligenten Erkennung handelt, die bis zum Erscheinen von Windows 8 beseitigt werden.

Bezogen auf das Samsung Slate zeigt sich zudem, dass die Metro-Apps für die Viertelansicht mit Windows Snap - also eine Anwendung verkleinert und daneben die große Anwendung - noch nicht optimiert sind. In der kleinen Ansicht fehlt es an Bedienbarkeit. Viele der Apps berücksichtigen diesen Fall noch nicht. Allerdings weist Microsoft auch ausdrücklich darauf hin, dass die Apps noch nicht fertig sind und nicht in ihrem aktuellen Zustand bewertet werden sollten.



Tastaturkürzel werden kontextbezogen behandelt

Ein paar Tastenkombinationen wurden neu definiert. Verschwunden ist Windows+Tab als 3D-Ansicht von Alt-Tab. Sie war ohne Mehrwert und das Verschwinden stört uns nicht. Sofern eine Metro-App gestartet wurde, kann mit Windows-Tab zwischen Metro-Apps gewechselt werden. Wer zwischen allen Apps und Anwendungen umschalten will, muss Alt-Tab benutzen, wie gehabt. Windows-Tab erlaubt aber zusätzlich das Anspringen des Metro-Startbildschirms. Alt-Tab hingegen führt zum Anzeigen des leeren Desktops als Zusatzfunktion. Das wirkt undurchdacht, denn eigentlich könnten diese Funktionen auch zusammengelegt werden.

Windows+D zum Anzeigen des Desktops ist jetzt kontextabhängig. In der Metro-Oberfläche wird damit in den Desktop mit allen Fenstern gewechselt. Im Desktop selbst wird der Bildschirm freigeräumt und gibt den Blick auf Elemente frei, die auf dem Desktop platziert wurden. Zurückwechseln zu Metro kann der Nutzer damit nicht.

Dafür ist die Windows-Taste zuständig, die innerhalb von Metro identisch mit Windows-D ist, allerdings mit einer Ausnahme: Der Desktop muss sozusagen als App schon gestartet worden sein, andernfalls funktioniert die Windows-Taste nicht, sondern nur die Windows-D-Tastenkombination. Wir gehen davon aus, dass dies ein Fehler der Beta ist.

Windows+X, ehemals fürs Mobility Center zuständig, öffnet nun in der linken unteren Ecke einen Dialog, der die Reste des alten Startmenüs darstellt. Darüber ist beispielsweise die Systemsteuerung, der Gerätemanager oder die Kommandozeile verfügbar.

Umdefiniert wurde auch die Kontextmenütaste auf der Tastatur. Auf dem Windows-Desktop gibt es keinen Unterschied zwischen einem Kontextklick auf der Maus (meist die rechte Maustaste) und einem Kontextklick mit der Tastatur. In Metro gibt es da eine Unterscheidung. In Apps funktioniert diese gar nicht. Konsequenterweise fehlt auch der Touchscreen-Kontextklick nicht: lange gedrückt halten mit dem Finger. Im Metro-Startmenü werden mit der Kontexttaste andere Kommandos freigegeben: So lassen sich dann etwa die Live Tiles abschalten. Per Rechtsklick bekommt der Nutzer die Option, sich alle Anwendungen anzeigen zu lassen.

Die Tastaturkommandos wirken insgesamt sehr undurchdacht. Wir hatten den Eindruck, dass hier zwei unterschiedliche Teams an den Tastaturkommandos arbeiten und voneinander nichts wissen. Hoffentlich beseitigt Microsoft die Probleme noch.



Altes und neues Windows nebeneinander

Wie auch schon bei früheren Windows-Versionen findet sich auch in Windows 8 allerhand Altes wieder, da Microsoft nicht das ganze System von Grund auf neu designt. Verschiedene Bedienungsprinzipien kollidieren hier also. Da Microsoft mit Metro einen extremen Bruch mit der alten Bedienphilosophie macht, fällt das umso mehr auf und der Anwender muss umso mehr darauf achten, seinen Geist für die Neuerungen zu öffnen. Wer grundsätzlich mehrere Betriebssysteme nutzt, hat es einfacher. Wer hingegen zu den Nutzern gehört, denen Windows XP wegen der Bonbonoptik schon zu bunt und verspielt war und die am liebsten noch Windows 2000 einsetzen würden, wird an Windows 8 wenig Gefallen finden.

An einigen Stellen bemerken wir sehr deutlich, dass sich Microsoft dem Zeitgeist angepasst hat. Das System ist an vielen wichtigen Stellen nun touchscreentauglich. Ob nun das Herunterfahren eines Rechners, die WLAN-Konfiguration oder die virtuelle Tastatur: Solche Bereiche sind mit Fingern endlich gut benutzbar, dank der Ribbon-Oberfläche sogar bei Anwendungen wie dem Explorer. Doch Windows wäre nicht Windows, wenn nicht genug altes Zeug vorhanden wäre. Gerade auf dem Desktop gibt es immer noch Anwendungen mit Bedienelementen, die pixelgenau getroffen werden müssen. So etwas wie Trefferzonen, die größer als das Element sind, sind auf dem Desktop nicht zu bemerken. Da unser Testgerät einen Digitizer hat, stört das kaum. Wer Präzision braucht, greift dann zum Stift. Für die Finger ist das aber sehr schwer.

Hier zeigt sich deutlich, dass die Arbeiten nicht abgeschlossen sind und vermutlich nie abgeschlossen werden. Schon für Windows 7 hätte Microsoft Trefferzonen und eine intelligente Erkennung von Fingern einführen müssen. Möglicherweise geht das mit alten Anwendungen einfach nicht.

Aber dafür ist jetzt Metro da: Da macht das Wischen mit dem Finger richtig Spaß. Allerdings stellten wir fest, dass der Touchscreen von Wacom nicht an Touchscreens von Tablets wie dem iPad herankommt. Zudem kann unser Wacom-Digitizer mit Touchscreen nur zwei Finger erkennen. Mitunter reagierte das Panel nicht auf Eingaben, wenn diese zu schnell erfolgten. Auch der kapazitive Touchscreen des Samsung Series 7 Slate fühlt sich oft hakelig an. Dies ist ebenfalls ein Wacom-Digitizer mit Touchscreen. Der Stift des HP funktioniert beispielsweise an Samsungs Slate.

Ebenfalls gut gefällt uns die Handhabung drahtloser Verbindungen. In der Tray Notification Area, oftmals fälschlicherweise Systray genannt, findet sich weiterhin ein Netzwerk-Icon. Dieses öffnet aber eine touchscreenfreundliche Seitenleiste und die hat einige Vorteile. Auffallend ist der Flugzeugmodus - der arbeitet aber nicht ohne Probleme, was später näher betrachtet wird. Verglichen mit dem Windows Mobility Center, das es immer noch gibt, ist die Abschaltung von Funkmodulen dort zugänglich, wo sie sein sollte: bei den drahtlosen Einstellungen. Allerdings sind gerade erweiterte Einstellungen durch die Metro-Konfiguration nun weniger leicht zugänglich. Ein Rechtsklick auf eine Verbindung führt nicht mehr zu Details wie IP-Adresse oder Netzwerkgeschwindigkeit.



Datenvolumen wird direkt angezeigt

Außerdem gibt es nun direkt einsehbar eine Anzeige des genutzten Datenvolumens, wenn der Nutzer per Mobilfunkmodem online ist - sehr praktisch bei teuren Tarifen oder Tarifen mit Bandbreitendrosselung. Aber auch hier ist alles auf einfach getrimmt. Der Nutzer sieht nicht, mit welcher Mobilfunktechnik er gerade online ist oder welche IP-Adresse er hat. Das gibt es nur in den erweiterten Netzwerkeinstellungen, die nicht über die Metro-Dialoge direkt per Rechtsklick erreichbar sind. Unterwegs wäre eine Anzeige in Dezibel auch praktisch. Die Balken geben kaum Hinweise darauf, warum eine Verbindung gerade nicht funktioniert.

Dass die Akkulaufzeit in den letzten Jahren gestiegen ist, hat Microsoft immer noch nicht bemerkt. Schon als Windows 7 erschien, war die prozentuale Betrachtung der Akkukapazität nicht mehr zeitgemäß. Eine 10-Prozent-Akkuwarnung kann durchaus eine Akkulaufzeit von mehr als einer Stunde bedeuten. Wer zwei Akkus gleichzeitig nutzt, versteht das System ohnehin nicht.

Je mehr Wattstunden ein Akku hat und je sparsamer das System ist, desto sinnloser ist die Designentscheidung, den Nutzer bei Prozentwerten zu warnen. Mac OS X macht das besser, da wird der Nutzer beispielsweise bei einer Restzeit von 10 Minuten gewarnt, unabhängig von der Prozentanzeige.

Sehr überraschend ist der Umbau des Tablet-PC-Input-Panels. Das alte gibt es nur noch in Form des Mathematik-Panels. Aber die wenigsten Tablet-PC-Nutzer werden mathematische Formeln aufschreiben. Ansonsten wird das Tablet-PC-Input-Panel durch eine neue virtuelle Tastatur mit Handschrifterkennung abgelöst.



Windows-Tablets haben Umlaute

Für Microsoft ist Lokalisierung schon immer recht wichtig gewesen. Dementsprechend gibt es in der virtuellen Tastatur von Microsoft auch Umlaute. Ä, ö und ü sind direkt als Tasten verfügbar. In der Tabletwelt ist das etwas Besonderes. Unter iOS und Android muss in der Regel der entsprechende Buchstabe erst einmal gedrückt werden. Zudem lässt sich die neue Tastatur unten andocken, ohne Bildschirminhalte zu verdecken. Sie werden nach oben versetzt, was im Tabletbetrieb sehr wichtig ist.

Ganz ohne Nachteil gegenüber dem alten Tablet-PC-Input-Panel ist es aber nicht. Das ß fehlt zum Beispiel auf der virtuellen Tastatur. Zudem wird dem Anwender kein Symbol neben Textfeldern mehr eingeblendet, um die Tastatur anzuzeigen.

Internationale Benutzung sieht Microsoft weiterhin nicht vor. Es ist zumindest in der Consumer Preview nicht möglich, einfach nebenbei die Betriebssystemsprache zu wechseln - Android und Mac OS X können das. Wer zweisprachig arbeitet, muss unter Windows 7 Sprachpakete installieren, was etwas hakelig ist und Lizenzkosten verursachen kann. Wir gehen davon aus, dass Microsoft auch mit Windows 8 so verfahren wird.

Eine Handballenerkennung, wichtig für das Vermeiden des sogenannten Vectorings bei Digitizern, konnten wir nicht erkennen. Wer mit dem Handballen den Touchscreen berührt, bevor der Digitizer den Stift erkennt, schreibt dann auch mit dem Handballen ganz kurz, und der Anwender muss das Geschriebene selbst löschen.

Übrigens hat Microsoft das Kartenspiel Solitaire überarbeitet. In der Windows-Welt gibt es recht viele Freunde dieses Spiels, die die Neuerungen sicherlich begrüßen werden. Sie sind allerdings eher kosmetischer Natur.



Startmenü-Chaos

Mit Windows 8 verschwindet das Startmenü in seiner ursprünglichen Form. Das löste bei uns etwas Rätselraten aus, denn wie jetzt Anwendungen gestartet werden, die nicht in den Metro-Kacheln positioniert werden, ist überhaupt nicht ersichtlich. Hier muss Microsoft genau dasselbe tun wie seinerzeit Apple: über kurze Werbespots erst einmal dem breiten Publikum das neue Metro-Interface erklären.

Apple hat damals gut verstanden, dass Werbung auch Inhalte vermitteln kann. Heute weiß jeder, was mit Aufspreizen und Zusammenkneifen auf einem Touchscreen passiert. Vor dem iPhone und der massiven Werbung war das im breiten Publikum überhaupt nicht bekannt.

Unter Windows 8 ist das Auffinden und Starten von Anwendungen eigentlich nicht schwer. Der Nutzer muss nur drauf kommen, dass er einfach lostippen muss. Tippt er auf der Metro-Oberfläche ein W ein, erscheint beispielsweise in unserem Fall gleich Microsoft Word. Alternativ kann über die Wischgeste am rechten Rand mit den Charms der Suchdialog geöffnet werden, der alle Apps und auch alte Anwendungen beinhaltet.

Windows+F funktioniert genauso, ist aber vor allem für die Dateisuche etwas angenehmer, da dann die Suche von Dateien voreingestellt ist. Mit einer Mausbewegung lässt sich schnell zwischen anderen Suchtypen wie Fotos, Maps oder dem Shop wechseln. Die Suche arbeitet sehr schnell und präzise. Einzig Windows-Live-Mail-E-Mails störten ein bisschen. Wir hatten das Programm nicht eingerichtet, dennoch waren bereits Werbemails im System vorhanden.

Die Suche ist deutlich besser geworden im Vergleich zu Windows 7, wo sich alles im kleinen Startmenü abspielte und nur auf Wunsch eine große Ansicht angezeigt wurde. Dennoch: Die Umgewöhnung ist anstrengend. Und die neue Suche hat einen sehr großen Nachteil.

Windows 8 ist wie Windows Phone

Das Suchen von Anwendungen ist schön einfach - bis der Anwender zu viel installiert hat. Dann wird die Situation sehr unübersichtlich. Im neuen Startmenü sind nämlich erst einmal die Metro-Apps aufgelistet. Das bedeutet: ein Symbol je Anwendung. Doch das Startmenü funktioniert seit jeher anders und muss nun dort auch abgebildet werden.

Aber wie sieht ein klassisches Programm im alten Startmenü aus? In der Regel gibt es einen Ordner, in dem die Verknüpfung zum Programm ist - das Wichtigste also - und die meisten Programmierer legen noch allerhand Extras dazu. Irfanview, ein von uns sehr geschätztes und schnelles Bildverarbeitungsprogramm, legt ganze neun Einträge im Startmenü ab. Da gibt es Links zur Hilfe, den Plugins und der Deinstallation. Da Windows 8 nicht weiß, welche der Verknüpfungen auf das eigentliche Programm zeigen, werden alle in der Metro-Übersicht angezeigt. Hier sollten also die Anwendungsentwickler nacharbeiten, denn eigentlich benötigt niemand einen Ordner mit neun Einträgen für eine App wie Irfanview, von denen fast immer nur einer genutzt wird: der für die Anwendung selbst.

Wer viele Programme installiert hat - vor allem bei Desktopnutzern wird das der Fall sein -, steht derzeit vor einer riesigen Wand voller Anwendungslinks und findet den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht. Auf unserem recht schlanken Testsystem sind es immerhin fünf Bildschirmseiten voller Anwendungen. Mit einer Kneifgeste lässt sich in eine Ordneransicht wechseln. Aber auch das muss der Nutzer erst einmal herausfinden. Irgendwelche Hinweise für die zusätzlichen Möglichkeiten fehlen. Das ändert sich hoffentlich noch bis zur fertigen Version.

Damit haben Windows-8-Nutzer ein ähnliches Problem wie Nutzer von Windows-Phone: Zu viele Anwendungen machen das System einfach unübersichtlich.

Dass sich Windows-Programmierer schnell anpassen werden und beispielsweise Verknüpfungen zu Deinstallationen im Startmenü unterlassen, halten wir für eher unwahrscheinlich. Viele Windows-Programmierer reagieren sehr langsam und manche Startmenüeinträge erinnern an alte Windows-9x-Zeiten.



Klassische Betaprobleme

Die Consumer Preview ist eine Betaversion, wird aber offiziell so nicht genannt. Das verleitet noch mehr dazu, die sogenannte Vorschau mal eben zu installieren. Wir würden dazu aber nur raten, wenn einige Windows-Erfahrung vorhanden ist, vor allem beim Konfigurieren der Geräte. Einige Probleme lassen sich eher intuitiv lösen als nach Schema F.

Wir sind auf einige Fehler in der Betaversion gestoßen, die zum Teil den Weiterbetrieb störten, sich aber alle zum Glück lösen ließen. Eines dieser Probleme hing mit dem integrierten 3G-Modem zusammen, das wir hier exemplarisch im Detail erwähnen möchten. Der Fehler gehört zu jenen, die kaum auftreten dürften. In Spanien nutzten wir das Modem noch im Roaming-Betrieb mit einer SIM-Karte der deutschen Telekom. Wegen Verbindungsproblemen haben wir von Telefónica-Roaming auf Yoigo-Roaming gewechselt. Zurück in Deutschland funktionierte plötzlich das Modem nicht mehr. Angeblich gab es keine Netze.

Um das Problem zu lösen, waren die ersten Schritte das Herunterfahren, das Entfernen der SIM-Karte und Neustarten. Damit erkennt das Modem einen Statuswechsel und beschwert sich über eine fehlende SIM-Karte für den GSM-Betrieb. So weit so gut. Ein weiterer Neustart, dieses Mal wieder mit eingesetzter SIM-Karte, und das Modem erkannte immerhin, dass wieder die SIM-Karte der Telekom eingelegt worden war. Doch ein Netz fand sich noch nicht. Um das zu lösen, musste einmal in den CDMA-Betrieb, ein Mobilfunknetz, das es beispielsweise in den USA gibt, und anschließend wieder zurück in den GSM-Betrieb gewechselt werden. Danach konnten wir dann wieder ein Netz auswählen und mit mobilen Internet online gehen.

Ähnlich hakelig ist der Umgang mit WLAN. Hardwareschalter, Windows Mobility Center, HPs Softwarelösung und Microsofts neuer Flugzeugmodus kollidieren miteinander, was die Einstellungen angeht. Zwischenzeitlich hatten wir kein WLAN-Modul mehr, obwohl es im System korrekt angezeigt wurde. Auch hier musste an erstaunlich vielen Stellen herumgespielt werden, um schließlich den WLAN-Betrieb wiederherzustellen. Interessanterweise konnten wir das Windows Mobility Center nicht wieder davon überzeugen, dass unser Notebook WLAN hat. Andererseits ist das Mobility Center in vielen Bereichen dank der besseren Windows-8-Kontrollen unnötig geworden. Zumindest das Gegeneinander der verschiedenen Einstellungsdialoge sollte bei neuen PCs mit Windows 8 der Vergangenheit angehören, sollten sich die Hersteller auf Microsofts Konzept von Klassentreibern ergänzt um Geräte-Apps im Metro-Stil halten.

Nach einem Suspend-to-Disk sind zudem Geräte verschwunden, darunter WLAN, WWAN und der Fingerabdruckleser. Letzterer verschwindet allerdings auch mit Windows 7 ab und zu, ein Hinweis auf grundsätzliche Treiberprobleme bei HP.

Solche Fehler sind völlig normal in einer Betaversion und sollen nur veranschaulichen, welchem Risiko sich der Anwender aussetzt. Nichtsdestotrotz ist die Betaversion erstaunlich stabil, schnell und fehlerfrei.



Vorläufiges Fazit anhand der Windows 8 Consumer Preview

Dass die Consumer Preview so stabil läuft, hätten wir im Vorfeld nicht gedacht. Bis auf kleine und lösbare Probleme, gab es beim normalen Arbeiten im System keine Schwierigkeiten. Vor allem das extrem schnelle Booten auf der SSD gefiel uns sehr gut. Ein paar Sekunden, und schon ist der Nutzer beim Login-Bildschirm. So muss das sein. Ebenfalls überrascht sind wir von Microsoft selbst. Ein bisschen Konkurrenzdruck reicht aus, um den Softwarekonzern zu grundlegenden Änderungen zu bringen.

Die Änderungen werden für viele allerdings zu grundlegend sein. Der klassische Windows-Desktop ist zwar noch da, wird aber durch Metro-Tools nicht nur ergänzt, sondern in Teilen ersetzt. Was der Anwender mit Windows 8 bekommt, sind zwei unterschiedliche Bedienkonzepte in einem Betriebssystem. Und eines davon, das Metro-basierte, funktioniert zwar mit Maus und Tastatur, ist aber eigentlich für die Bedienung mit einem Touchscreen gemacht.

Wer keinen Rechner mit Touchscreen hat, bekommt mit Windows 8 wenig Gründe, auf Microsofts neues Betriebssystem umzusteigen, denn im klassischen Desktop hat sich nicht viel getan. Hier ein paar neue Tastaturkommandos, da die Ribbon-Oberfläche im Explorer und der schnelle Bootvorgang, verbunden mit der Nutzung weniger Ressourcen. Interessant an Windows 8 ist zudem der überarbeitete Dateikopierdialog. Anders könnte es beim Kauf eines neuen PCs aussehen, behält Microsoft recht und es werden bald fast nur noch Touchscreens verkauft. Und wer Tablet, Tablet-PC oder beispielsweise einen All-in-One mit Touchscreen hat, der wird schnell an Metro Gefallen finden.

Vorläufig lässt sich sagen: Für den Windows-Anfänger verbessert sich einiges. Insbesondere, wenn der Windows-8-Rechner nur zum Surfen und für ein paar Metro-Apps benutzt wird. Im Tablet-Bereich bietet Microsoft eine leistungsfähige Alternative zu iPads und Android-Tablets. Der Nischenmarkt Tablet-PC wird ebenfalls von Metro profitieren. Doch Nutzer, die solche Geräte nicht haben oder haben wollen, dürfte das nicht begeistern. Sie müssen ein weiteres Bedienkonzept mit der Maus erlernen, ohne die Vorteile nutzen zu können. Metro reduziert sich dann weitgehend auf ein neues Startmenü, das den Desktop stört.

Windows 8 ist ein Neuanfang, der so radikal ist, dass er viele alte Nutzer verschrecken wird. Wer dachte, der Wechsel von Windows 2000 auf Windows XP mit seiner Bonbonoptik sei schwer gewesen, der wird hier vor eine neue Herausforderung gestellt. Allerdings werden Nutzer für den Umstieg mit einem System belohnt, das deutlich schneller startet als Windows 7 und effizienter mit den vorhandenen Ressourcen umgeht. Windows 8 fühlt sich schon in der Beta richtig schnell an.

Windows 8 in seiner jetzigen Form ist etwas für neue Rechner. Laut Microsoft geht es dabei um ganz neue Konzepte, die bisher nicht umsetzbar waren. Dazu trägt auch Windows on ARM (WOA) bei. Für die Windows-8-Variante für die Prozessorarchitektur ARM werden gerade die ersten Testgeräte für Entwickler ausgeliefert.

Nach dem Desaster mit Windows Vista war Windows 7 der erste wichtige und richtige Schritt, Windows 8 ist der nächste und zeigt, wie sich Microsoft in den letzten Jahren gewandelt hat, um den erstarkten Konkurrenten Apple und Google Paroli zu bieten. Viele Änderungen im System sind längst überfällig gewesen, insbesondere bei den Tablet-PC-Eigenschaften.

Windows 8 wird noch in diesem Jahr erscheinen. Viele Hardwarehersteller rechnen mit Oktober 2012. Offiziell bestätigt wurde das noch nicht. Wer die Consumer Preview ausprobieren will, findet sie auf der Webseite von Microsoft.  (ase)


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