Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/blauer-engel-energiesparrechner-wuerden-zwei-kohlekraftwerke-einsparen-1202-90106.html    Veröffentlicht: 28.02.2012 16:32    Kurz-URL: https://glm.io/90106

Blauer Engel

Energiesparrechner würden zwei Kohlekraftwerke einsparen

Gäbe es nur PCs, mobile Rechner und Displays mit dem Umweltzeichen Blauer Engel, könnten in Deutschland bis zu 7 TWh Elektrizität eingespart werden. Doch "aktuell gibt es keine Geräte und keine Bemühungen der Hersteller", sagt ein Experte des Öko-Instituts über Green IT.

Könnten alle deutschen Computeranwender energieeffiziente Desktop-PCs, Notebooks und Bildschirme kaufen, würden jährlich zwischen 5 und 7 Terawattstunden (TWh) Elektrizität eingespart. Das entspricht der Stromerzeugung von etwa zwei mittelgroßen Kohlekraftwerken. Zu diesem Ergebnis kam das Öko-Institut bei der Entwicklung von Kriterien für das Umweltzeichen Blauer Engel. Das entspricht einem CO2-Reduktionspotenzial zwischen zwei und drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Doch solche energieeffiziente IT-Ausstattung mit dem Blauen Engel gibt es nicht im Verkauf.

"Noch gibt es keinen einzigen Hersteller, der sich um den Blauen Engel mit seinen aktuell geltenden Anforderungen beworben hat", sagte Siddharth Prakash, Wissenschaftler am Öko-Institut und Experte für umweltfreundliche Informationstechnologie.

Mit dem Umweltzeichen ausgezeichnete Desktop-PCs benötigen zwischen 50 und 75 Prozent weniger Leistung als marktübliche Computer. In der Berechnung ging das Öko-Institut von einem Bestand von 45 Millionen Arbeitsplatzrechnern in Deutschland aus - 32 Millionen in den privaten Haushalten und 13 Millionen im Bürobereich.

Bei mobilen Computern seien Einsparpotenziale von 60 Prozent möglich. Pro Gerät könnten Verbraucher jährlich zwischen 20 und 30 Kilowattstunden sparen. Insgesamt rechnet das Öko-Institut mit 47 Millionen Notebooks in Deutschland. Der Austausch hin zu effizienten Computerbildschirmen könne noch einmal rund 40 Prozent Energie einsparen.

"Die Einsparpotenziale sowohl für Strom als auch für Treibhausgase zeigen, dass im IKT-Bereich noch gewaltige unerschlossene Potenziale für mehr Klimaschutz liegen", betonte Prakash. Wer von "grüner IT" spreche, sollte sich hier mehr engagieren.

Der Blaue Engel zeichne auch Geräte aus, die besonders langlebig, schadstoffarm und recyclinggerecht sind. Geräte erhalten den Blauen Engel nur, wenn sie Ersatzteile für mindestens fünf Jahre vorhalten und einfach auf- und nachrüstbar sind. Auch dürften keine Kunststoffe enthalten sein, die unter der EU-Chemikalienverordnung Reach als besonders besorgniserregend identifiziert wurden. Die Geräte müssen auch so konstruiert sein, dass sie für Recyclingzwecke leicht manuell zerlegbar sind, damit Gehäuseteile, Batterien, Leiterplatten und Bildschirmeinheiten getrennt und weitgehend wiederverwertet werden können.

Jens Gröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Öko-Institut, sagte Golem.de, auf der Webseite des Blauen Engel sei zu sehen, dass keinerlei Rechner oder Displays den Blauen Engel trügen, da kein Unternehmen ihn beantragt hätte. Von Ausschreibungen für öffentliche Stellen, wo die Kriterien des Blauen Engels herangezogen würden, sei bekannt, dass es früher Geräte von Dell und Fujitsu gegeben habe, die den Anforderungen entsprachen. "Das war aber in der Vergangenheit, aktuell gibt es keine Geräte und keine Bemühungen der Hersteller", erklärte Gröger. Bei den Druckern und Multifunktionsgeräten sei die Bereitschaft, den Blauen Engel zu nutzen, deutlich höher.

Ohne den Blauen Engel auf dem Rechner und Display könne der Verbraucher auch nicht gezielt nach den energieeffizienten Computern greifen. Mit dem Symbol werde auch eine Konstruktion gefordert, die es ermöglicht, das IT-Gerät wieder auseinanderzunehmen.  (asa)


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