Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neutrino-ueberlichtgeschwindigkeit-war-moeglicherweise-kabelfehler-1202-90011.html    Veröffentlicht: 24.02.2012 11:09    Kurz-URL: https://glm.io/90011

Neutrino

Überlichtgeschwindigkeit war möglicherweise Kabelfehler

Fehler in einem neuartigen Zeitnahmesystem könnten die Ursache dafür gewesen sein, dass Neutrinos vermeintlich schneller als das Licht sind. Zwei mögliche Fehlerquellen sind im Gespräch.

Im September 2011 überraschte das europäische Kernforschungszentrum Cern mit der Nachricht, Neutrinos seien schneller als das Licht. Möglicherweise war ein defektes Kabel der Grund für das ungewöhnliche Messergebnis.

Die Neutrinos hätten, so berichteten die Wissenschaftler des Opera-Experiments, für die 730 Kilometer lange Strecke von Genf zum Detektor unter dem Gran Sasso in den Abruzzen 60 Nanosekunden weniger gebraucht als das Licht. Die Lichtgeschwindigkeit gilt aber als die höchste Geschwindigkeit. Die Forscher zogen von Anfang an einen Messfehler als Ursache für das Phänomen in Betracht.

Nicht richtig verbunden

Möglicherweise war ein fehlerhaftes Kabel die Ursache: Ein Glasfaserkabel, das einen GPS-Empfänger und einem Computer verband, sei nicht richtig eingesteckt gewesen, berichtet Science Insider unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld der Wissenschaftler. Science Insider ist eines der Onlineangebote der Fachzeitschrift Science, die von der wissenschaftlichen Gesellschaft der USA, der American Association for the Advancement of Science (AAAS), herausgegeben wird.

Die Forscher selbst nennen noch eine mögliche weitere Fehlerquelle, die ebenfalls mit dem GPS-basierten Zeitnahmesystem zusammenhängt: Der Oszillator, der Zeitstempel für die Messungen erzeuge, könnte nicht einwandfrei funktioniert haben, heißt es in einer Mitteilung des Opera-Experiments.

Neue Methode zur Zeitnahme

Die Opera-Wissenschaftler haben erstmals GPS eingesetzt, um die beiden Atomuhren am Anfang und am Ende des Neutrinostrahls zu synchronisieren. Schon von Anfang an hatte es Spekulationen gegeben, dass ein Fehler in diesem System das ungewöhnliche Messergebnis verursacht haben könnte.

Das Opera-Experiment will in Kürze einen ausführlichen Bericht dazu vorlegen. Für den Moment hätten sich die Teammitglieder darauf verständigt, sich nicht weiter dazu zu äußern, "weil wir unsere Ergebnisse noch einmal genauer überprüfen und diskutieren müssen", sagte Opera-Wissenschaftlerin Caren Hagner der britischen Fachzeitschrift Nature.  (wp)


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