Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-video-syndicate-patenter-patentkrieg-um-hightech-chips-1202-89926.html    Veröffentlicht: 21.02.2012 16:00    Kurz-URL: https://glm.io/89926

Test Syndicate

Patenter Patentkrieg um Hightech-Chips

Mit dem Klassiker von Peter Molyneux hat es nur den Namen gemein, aber wer ein geradliniges "Deus Ex Light" mit einer Prise Tron sucht, kann durchaus zu Syndicate greifen - offiziell allerdings nicht in Deutschland.

Es gibt vermutlich Projekte, die mehr Spaß gemacht haben. Nach der Mitteilung, dass unter dem Namen des 1993 veröffentlichten Klassikers Syndicate kein Taktikspiel, sondern ein Egoshooter entsteht, musste sich das schwedische Entwicklerstudio Starbreeze (The Darkness, The Chronicles of Riddick) zum Teil harsche Kritik aus der Spieleszene anhören. Dazu kam weiterer unschöner Kleinkram: Unter anderem bewilligte Publisher Electronic Arts kein Geld für Bots im Koopmodus und strich ein parallel in der Produktion befindliches Programm auf Basis der Jason-Bourne-Lizenz auf halbem Weg. Zu guter Letzt verweigerte dann auch noch die deutsche USK dem Programm wegen seiner Gewaltinhalte die Freigabe für den umsatzstarken deutschen Markt.

Ein paar Erinnerungen an das alte Syndicate weckt das neue tatsächlich: Fluggleiter sehen fast aus wie damals im Spiel, Details wie ein paar Leuchtreklamen im asiatischen Stil und Teile von Gebäuden könnten Veteranen ebenfalls bekannt vorkommen. Angeblich stammen sogar Teile der Levelgrundrisse aus dem Klassiker von Peter Molyneux - uns ist das beim Test nicht aufgefallen.

Spieler treten im Jahr 2069 als Agente Miles Kilo für den Konzern Eurocorp an. Die Firma verfügt über ein besonders leistungsstarkes Gehirnimplantat vom Typ Dart 6. Blöderweise hat es ein Konkurrent geschafft, einen ganz ähnlichen Chip zu entwickeln, und um die Auseinandersetzung rund um die Patente der beiden Unternehmen dreht sich die Handlung. Das bedeutet, dass Agent Kilo viel in Forschungslaboren, Bürotürmen und anderen Hightech-Umgebungen unterwegs ist. Stellenweise erinnern Szenario und Handlung dezent an Deus Ex 3. Allerdings geht es in Syndicate sehr linear zu, alternative Routen gibt es in den Schlauchlevels so gut wie nie. Und auch die Story entpuppt sich als längst nicht so interessant, wie es zu Beginn den Anschein hat - für ausreichend Motivation sorgt sie immerhin.

Dank Chip-Tuning im Kopf hat Agent Kilo deutlich mehr Fähigkeiten als seine Gegner. Insbesondere verfügt er über eine Reihe von Spezialangriffen: Er kann Feinde auch über größere Distanz in eine Art Selbstmord treiben: Die Soldaten schreien dann erst laut auf, ein paar Augenblicke später explodiert ihr Kopf und schubst mit viel Glück auch Kollegen zur Seite oder gar in den Tod - kein Wunder, dass die USK da offenbar gewisse Bedenken hatte. Das funktioniert nur bei Gegnern, die ebenfalls "gechippt" sind - aber nicht bei Menschen ohne Implantat im Kopf, die später in der Story auftauchen. Alternativ kann der Spieler den Feinden per magischem Prozessor-Waffen-Überlastungshack die Schießprügel aus der Hand fegen, worauf die Soldaten praktischerweise auch einen Teil ihres allgemeinen Schutzes verlieren und besonders anfällig für Kugeln werden. Ebenfalls äußerst nützlich ist der Mind-Trick, mit dem Kilo einen Gegner auf seine Seite ziehen und ihn so gegen seine Kollegen kämpfen lassen kann. Nett: Gelegentlich kann er per Fernsteuerhack die Deckung von Gegnern, die sich hinter Maschinen verstecken, seitlich in eine Wand einfahren lassen.

Waffen und Fazit

Immer wieder muss der Agent außerdem Computerterminals, Aufzüge oder sonstige Gerätschaften hacken, was in Syndicate ohne die Minispielchen funktioniert, die in anderen Spielen fällig werden. Gelegentliche, durchaus gelungene Rätsel gibt es trotzdem: Beispielweise muss der Spieler in einer hohen Halle den Lift per Fernsteuerhack so durch die Etagen scheuchen, dass jeweils die nächste Etage erreichbar wird - auch wer Action bevorzugt, dürfte sich davon nur minimal gestört fühlen.

Das Waffenarsenal ist ebenso umfangreich wie unauffällig - sonderlich viel haben die Entwickler aus dem Science-Fiction-Szenario nicht gemacht. Es gibt unter anderem eine ganz gewöhnliche Pistole, ein Maschinengewehr und eine Schrotflinte, dazu einen Flammenwerfer und eine Schusswaffe, mit der man ein Ziel markieren kann und es dann auch trifft, wenn man in eine andere Richtung blickt.

Etwas spannender sind da schon die Extras, mit denen der Spieler die Fähigkeiten seiner Figur wie in einem Rollenspiel verbessern kann. Beispielweise lässt sich der Radius des Waffenüberhitzungshacks vergrößern, die Regeneration der Gesundheit verbessern und die Zeit beim Nachladen oder Wechseln verkürzen. Agent Kilo kämpft in drei Schwierigkeitsgraden. Wenn er doch mal ins Gras beißt, macht er am letzten der fair gesetzten Checkpoints neu weiter. Neben der gut sieben bis zehn Stunden langen Kampagne gibt es auch einen taktisch angehauchten Multiplayermodus, in dem sich bis zu vier Spieler auf neun Karten nach und nach von einem Ziel zum nächsten vorankämpfen.

Syndicate ist ab dem 24. Februar 2012 für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC zu den gängigen Preisen zwischen 40 und 60 Euro erhältlich. Die PC-Fassung verwendet den umstrittenen Onlinedienst Origin als Kopierschutz. Hierzulande erscheint das Programm ohne eine Altersfreigabe der USK - den Jugendschützern war es zu gewalthaltig. Trotzdem ist es über die einschlägigen Bezugsquellen mit PEGI-Freigabe ohne inhaltliche Schnitte erhältlich; die deutsche Sprachausgabe klingt okay.

Fazit

Wer den Namen Syndicate ignoriert und einfach keine Neuauflage eines Klassikers erwartet, bekommt einen unkomplizierten Shooter ohne echte Überraschungen. Die Grafik wirkt oft etwas steril, passt aber zur Handlung. Die Kämpfe sind geradlinig inszeniert, die KI der Gegner ist erstaunlich gut, und die Story wirkt nicht schlechter als die von vergleichbaren Programmen. Unterm Strich: ganz unterhaltsame Standardware. Am PC hat uns die etwas schwammige Maussteuerung gestört.  (ps)


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