Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-uncharted-vita-spannendes-abenteuer-fuer-die-hosentasche-1202-89857.html    Veröffentlicht: 17.02.2012 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/89857

Test Uncharted Vita

Spannendes Abenteuer für die Hosentasche

Uncharted gilt als Vorzeigeserie für die Playstation 3, jetzt soll Hauptfigur Nathan Drake in Golden Abyss mit seiner neuen Schatzjagd der PS Vita zum erfolgreichen Start verhelfen. Das Actionspiel nutzt fast alle Möglichkeiten von Sonys Handheld.

Es ist ein Systemseller, eine sogenannte Killerapplikation, also ein Spiel, das dank seiner erfolgreichen Vorgänger über eine große Fangemeinde verfügt und für viele Gamer begehrenswert ist. So sehr, dass viele, die sonst vielleicht noch warten würden, wegen Uncharted Golden Abyss halt doch gleich die Playstation Vita kaufen. Hauptfigur in Golden Abyss ist natürlich der Uncharted-Haudegen Nathan Drake. Allerdings ist der nicht nach den Ereignissen von Uncharted 3: Drake's Deception unterwegs, stattdessen ist er im Prequel Golden Abyss vor dem 2007 veröffentlichten Serienerstling auf Schatzsuche.

Das Programm ist beim Sony-eigenen Entwicklerteam Bend Studio entstanden. Die sonst für Nathan Drakes Abenteuer zuständigen Naughty Dog Studios haben angeblich beratend zur Seite gestanden und Assets - etwa Drahtgittermodelle und Texturen von Drake - sowie Know-how bereitgestellt.

Golden Abyss fühlt sich vom ersten Moment an wie ein echtes, großes Uncharted für die Playstation 3 - das ist bei Handheldumsetzungen erfolgreicher Serien keine Selbstverständlichkeit. Nathan Drake sieht auf dem Vita-Display genauso aus wie auf dem großen Bildschirm, er lässt sich durch die beiden Analogsticks ähnlich geschmeidig steuern wie per Sixaxis-Controller, in Zwischensequenzen ist er nahezu genauso perfekt animiert. Auch spielerisch setzt Golden Abyss auf die bekannte Mischung aus Feuergefechten, Klettereinlagen und vielen, teils sehr langen Zwischensequenzen.

Der Anfang erinnert allerdings deutlich an ein Abenteuer von Indiana Jones: Der Dschungel von Mittelamerika, riesige Maya-Ruinen - und irgendwelche bösen Buben machen Jagd auf die Hauptfigur. Aber das ist nur ein kurzer Vorspann, der neugierig auf den weiteren Verlauf machen soll, und nach ein paar Sprungeinlagen und einfachen Feuergefechten geht es dann richtig los. Nathan Drake und ein - sehr um seine teuren Halbschuhe besorgter - Kumpel namens Jason Dante sind gemeinsam auf Expedition, um hinter das Geheimnis eines Massakers zur Zeit der spanischen Eroberer, vor allem aber auf die Spuren einer sagenumwobenen goldenen Stadt zu kommen.

Bei der Schatzsuche bleibt es nicht: Nach einigen dramatischen Wendungen muss sich Drake irgendwann mit einer neuen Freundin, einem altbekannten Feind und den schießwütigen Schergen eines schmierigen Generalissimo auseinandersetzen. Anders als sonst in der Serie Uncharted spielt das ganze Abenteuer an einem Ort in Südamerika. Für grafische Abwechslung sorgen unterschiedliche Tages- und Nachtzeiten sowie Innen- und Außengebiete - in Sachen Vielfalt kann Golden Abyss trotzdem mit keinem der Vorgänger mithalten. Die Kampagne ist je nach dem ausgewählten Schwierigkeitsgrad - vier stehen zur Auswahl - rund sechs bis neun Stunden lang. Wenn Drake stirbt, macht er am letzten der fair angelegten Checkpoints weiter.

Nach dem Start lernt der Spieler nach und nach die Steuerungsoptionen auf der PS Vita kennen. Zwar lässt sich Nathan Drake meistens mit den Analogsticks durch den Dschungel scheuchen, aber in besonderen Situationen kommen die vielfältigen anderen Möglichkeiten zum Einsatz. Wenn Nathan etwa durch eine Felswand klettern soll, kann der Spieler auf dem Touchscreen-Display über die dezent leuchtenden Vorsprünge wischen, und der Held folgt dann brav der Anweisung und schwingt sich entlang des vorgegebenen Weges - was sogar minimal einfacher ist als das reguläre Kraxeln, weil das Spiel selbst etwas komplexere Sprünge automatisch ausführt.

Neue Steuerung für Drake

Eine andere Möglichkeit der Vita ist es, dank Lage- und Bewegungssensoren den Protagonisten mittels Positionsänderung des Handhelds zu steuern. Wenn Nathan Drake etwa seitwärts über eine Klippe springen soll, kann der Spieler das Gerät zur Seite kippen, dann genügt ein weiterer Druck auf die X-Taste zum Ausführen. Noch spannender: Beim Scharfschützengewehr kann der Spieler im Visiermodus den Bildausschnitt durch Bewegen des Handhelds wählen - das fühlt sich fast so an wie beim Display einer Digitalkamera; schneller und präziser lassen sich die Gegner allerdings per Analogstick unter Beschuss nehmen.

Auch das Touchscreen-Display ist immer wieder ins Geschehen eingebunden: Wenn Nathan Drake mit der Machete ein Hindernis aus dem Weg räumen will oder einem Gegner einen Kinnhaken verpassen möchte, muss man schnell einer Pfeilmarkierung auf dem Bildschirm folgen. Die ebenfalls berührungsempfindliche Rückseite der Vita kommt nur selten ins Spiel. Meistens dann, wenn Drake etwa einen verdreckten alten Helm findet und ihn säubern muss: Mit dem Finger auf der Rückseite lassen sich derartige Objekte drehen, durch fleißiges Wischen auf der Vorderseite fällt der Schmutz.

Solche Minispiele gibt es übrigens mehrere: Drake muss durch Wischen nicht nur Schmutz entfernen, sondern auch immer wieder mal Reliefs von Wänden auf Papier abpausen. Er muss zerrissene Plakate aus den Fetzen neu zusammenpuzzeln und kann an bestimmten Stellen mit seinem Fotoapparat versuchen, vorgegebene Bilder neu zu schießen.

Die Grafik ist für bisherige Handheldstandards schlicht phänomenal. Animationen, Texturen, gelegentliche Unschärfen beim Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht sowie die Licht- und Schatteneffekte wirken tatsächlich wie eine kleine Version der Playstation 3. Was Golden Abyss gelegentlich fehlt, ist nicht bessere Technik - aber die Entwickler schaffen nicht ganz so viele Kinnlade-runterklapp-irre-animierte-Effekte wie bei den von Naughty Dog produzierten Titeln.

Eine Flucht aus einem brennenden Haus ist nach wenigen Minuten und deutlich weniger eingestürzten Böden, Decken und Wänden als in Uncharted 3 erledigt, große Momente wie die nach dem Güterzugunglück in Teil 2 gibt es auch nicht - was nicht an der Technik, sondern schlicht am Budget liegen dürfte.

Uncharted Golden Abyss erscheint gleichzeitig mit der PS Vita am 22. Februar 2012. Das Spiel kostet rund 50 Euro. Es ist vollständig lokalisiert, unter anderem stand für die gute deutsche Sprachausgabe der gleiche Drake-Sprecher wie in den früheren Spielen am Mikrofon. Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Im Grunde ist Uncharted Golden Abyss ein Pflichtkauf für jeden, der sich eine PS Vita zulegt. Die Abenteuer von Nathan Drake sind packend erzählt, die Steuerung ist auch in Feuergefechten erstklassig und fühlt sich nach ein paar Minuten absolut eingängig an. Grafik und vor allem Animationen gehören an die Spitze dessen, was derzeit auf Handhelds machbar ist. Zwar erreicht die Handlung nicht ganz die Dramatik und Tiefe der großen Vorgänger, zwar ist der Superspektakelfaktor etwas niedriger und die Anzahl der Schauplätze arg begrenzt - aber das ist Jammern auf höchstem Niveau. Mit diesem starken Launch-Titel wird es interessant zu sehen, in welchen Bereichen die Entwickler auf der Vita im Laufe der Jahre noch zulegen können.  (ps)


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