Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/tracking-google-trickste-apple-aus-1202-89847.html    Veröffentlicht: 17.02.2012 08:36    Kurz-URL: https://glm.io/89847

Tracking

Google trickste Apple aus

Google und einige andere Werbefirmen haben Apples mobilen Browser Safari ausgetrickst, um das Surfen von iPhone-Nutzern mit Cookies zu überwachen. Safari blockiert solche Tracking-Cookies eigentlich.

Apples Browser Safari unter iOS blockiert eigentlich sogenannte "Third-Party-Cookies", wie sie zum Nutzertracking verwendet werden. Dabei platzieren Dritte, beispielsweise ein Werbeanbieter, dessen Anzeige in eine Webseite eingebettet ist, einen Cookie beim Nutzer, so dass er diesen websiteübergreifend identifizieren kann.

"Eigentlich" heißt in diesem Zusammenhang: Google hat, ebenso wie die Werbeanbieter Vibrant Media, WPP und Pointroll, einen Weg gefunden, dennoch websiteübergreifende Tracking-Cookies zu hinterlegen und dies auch getan, berichtet das Wall Street Journal.

So nutzen sie eine Ausnahme, die Apple zulässt: Interagiert ein Nutzer mit einer Werbung, füllt also beispielsweise ein Formular aus, dann darf auch ein Dritter ein Cookie setzen. Und so wurde ein unsichtbares Formular integriert, um dem Browser diese Interaktion vorzutäuschen und einen Tracking-Cookie zu platzieren. Und ist ein solches Cookie erst einmal platziert, kann Google den Nutzer auf einer Vielzahl von Websites wiedererkennen.

Der Zeitung zufolge platzierten 23 von 100 der größten Websites Googles Tracking-Cookie.

Bei Google steckte der Code demnach im +1-Button, den Google seit geraumer Zeit in einige Anzeigen integriert. Allerdings hat Google das Tracking sofort abgestellt, nachdem das Wall Street Journal das Unternehmen mit seinen Recherchen konfrontierte. Denn Google sicherte Nutzern bislang zu, sie könnten sich auf die Tracking-Sperre von Safari verlassen, ändert diese Darstellung aber in dieser Woche.

Gegenüber dem Wall Street Journal wies Google dennoch die Anschuldigungen zurück: Man habe lediglich eine bekannte Eigenschaft von Safari genutzt, um eingeloggte Nutzer von ihnen aktivierte Funktionen zur Verfügung zu stellen. Dafür spricht auch, dass Googles Cookies nur eine Lebensdauer von 12 bis 24 Stunden hatten. Tracking-Cookies werden üblicherweise länger gespeichert. Dennoch kann dieses Cookie genutzt werden, um ein langlebiges Tracking-Cookie zu setzen, denn wurde erst einmal ein Cookie platziert, erlaubt Safari es auch, weitere zu speichern. Das aber hatte Google nach eigener Aussage nicht vor.

Vibrant Media verteidigte sein Verhalten damit, Safaris Verhalten so zu ändern, dass sich der Browser verhalte wie jeder andere. Die Pointroll-Mutter Gannett sprach von einem begrenzten Test, der allerdings ohne Wissen der Websites ablief, auf denen die Werbung angezeigt wurde. WPP lehnte einen Kommentar ab.

Apple kündigte gegenüber dem Wall Street Journal an, die Tracking-Praxis unterbinden zu wollen. Der von Google und den anderen Werbeanbietern genutzte Trick ist seit mindestens zwei Jahren bekannt und wird Entwicklern unter anderem von Facebook empfohlen.  (ji)


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