Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/desktop-roadmap-mozilla-hat-mit-firefox-2012-viel-vor-1202-89731.html    Veröffentlicht: 13.02.2012 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/89731

Desktop-Roadmap

Mozilla hat mit Firefox 2012 viel vor

Mozilla hat seine Roadmap für die Desktopversion von Firefox aktualisiert und plant demnach für 2012 zahlreiche Neuerungen. Firefox bekommt ein Login, soll als Metro-Version für Windows 8 umgesetzt werden, Nutzer besser vor Tracking schützen und schneller werden.

Mozillas Roadmap für Firefox auf dem Desktop umfasst fast 40 Themen, dabei sind die für Mozillas Webplattform, also die eigentliche Browser-Engine, und Entwicklerwerkzeuge nicht mit eingerechnet. Den Plan für das erste Quartal 2012 hält Mozilla bislang ein, ein großer Teil der aufgeführten Themen ist bereits abgearbeitet.

So steht für das erste Quartal 2012 eine Umstellung der Erweiterungskompatibilität auf dem Plan, die mit Firefox 10 bereits veröffentlicht wurde.

Zudem soll mit Firefox 11 der Umstieg von Chrome zu Firefox verbessert und Erweiterungen in die Synchronisation einbezogen werden.

Für Firefox 12 ist die Einführung neuer Bedienungselemente für HTML5-Audio und -Video geplant. Zudem sollen URLs bei der Eingabe automatisch vervollständigt werden.

Firefox als Metro-App für Windows 8

Im zweiten Quartal 2012 soll unter anderem untersucht werden, ob Firefox als Metro-App für Windows 8 umgesetzt werden kann. Dazu ist zunächst ein Proof of Concept geplant, der aufzeigen soll, was Microsofts neues Windows-API ermöglicht. Mozilla ist hier abhängig von der Veröffentlichung der Consumer Preview von Windows 8 und der entsprechenden Dokumentation.

Im zweiten Halbjahr 2012 sollen dann Alpha- und Betaversionen einer Metro-Variante von Firefox für Windows 8 veröffentlicht werden.

Webapps für Firefox 13

Mit Firefox 13, dessen Veröffentlichung für den 6. Mai 2012 geplant ist, will Mozilla Webapps in Firefox integrieren. Bereits im November 2011 hat Mozilla begonnen, seinen eigenen Appstore zu testen.

Dazu ist laut Platform Roadmap unter anderem geplant, Web Intents nochmals zu überarbeiten, da die bisherige Spezifikation zu komplex sei und kaum genutzt werde. Zudem sollen im Laufe des Jahres 2012 Push-Nachrichten eingeführt werden, über die dann auch im Hintergrund laufende Aufgaben angestoßen werden können. Vor allem für Spiele ist die Integration eines Low-Level-Socket-API vorgesehen.

Darüber hinaus sollen Webapps mit dem Camera-API in die Lage versetzt werden, mit der integrierten Kamera Fotos aufzunehmen und auch Videos sollen künftig von Webapps aufgenommen werden können. Zudem soll der Upload kompletter Verzeichnisse ermöglicht werden. Der Download von Dateien soll künftig per Drag-and-Drop möglich werden.

Noch im ersten Quartal 2012 will Mozilla Unterstützung für das Kommunikationsprotokoll WebRTC einführen und mit einem neuen API die Verarbeitung von Mediastreams ermöglichen.

Mozilla will darüber hinaus neue Layoutmöglichkeiten schaffen, nicht nur für Apps. So sollen eine CSS Flexbox und ein CSS Grid eingeführt werden. Auch die von Adobe entwickelten CSS Regions & Exclusions soll Firefox im Laufe des Jahres 2012 unterstützen. Zudem stehen die Umsetzung der CSS-Eigenschaften @page und des HTML5_Elements Ruby auf dem Plan, ebenso ein Scrolling-API.

Neues Home-Tab und Resetfunktion für Firefox

Zudem soll mit Firefox 13 das Home-Tab von Firefox aufgewertet werden. Es soll der zentrale Platz werden, an dem Nutzer auf ihre persönlichen Daten wie Bookmarks, Verlauf, Einstellungen und Downloads zugreifen. Zudem soll der Apps Marketplace hier integriert werden, über den Nutzer neue Webapps finden sollen.

Auch eine Überarbeitung der Seite, die beim Öffnen neuer Tabs angezeigt wird, ist für Firefox 13 geplant und kann bereits jetzt ausprobiert werden.

Zudem soll Firefox 13 eine Resetfunktion erhalten, mit der Nutzer ein neues Firefox-Profil anlegen und ihre Nutzerdaten kopieren können. Auf diesem Weg lassen sich einige Probleme mit Firefox lösen, die andernfalls verhindern, dass Firefox startet, oder den Browser zum Absturz bringen.

Der Downloadmanager soll mit Firefox 13 in ein Panel verlegt werden, bisher läuft er in einem eigenen Fenster.

Darüber hinaus plant Mozilla für das zweite Quartal 2012 stille Updates für Firefox.

Snappy und Ionmonkey sollen Firefox schneller machen

Bereits seit Mitte November 2011 läuft das Projekt "Snappy," in dessen Rahmen einige Mozilla-Entwickler daran arbeiten, Firefox in jeder Hinsicht schneller zu machen. Im zweiten Quartal 2012 wollen die Snappy-Entwickler für weiches Scrollen (Smooth Scrolling) sorgen. Zudem soll das Prefetching unter Windows angepasst werden, um den Start des Browsers zu beschleunigen. Dazu soll auch beitragen, dass Tabs standardmäßig nur noch dann wiederhergestellt werden, wenn sie ausgewählt werden.

Ein neuer Cycle-Collector soll, ebenso wie ein neuer Garbage-Collector, dafür sorgen, dass Firefox weniger Aussetzer hat. Zudem soll die Wiederherstellung von Sessions beschleunigt werden.

Neuer Jit-Compiler Ionmonkey

Die Entwicklung des neuen Jit-Compilers Ionmonkey für die Javascript-Engine Spidermonkey soll im Laufe des zweiten Halbjahrs 2012 abgeschlossen und der Compiler zusammen mit weiteren Optimierungen in Firefox integriert werden. Ionmonkey ist mit seiner neuen, klareren Struktur eine wichtige Basis für weitere Javascript-Optimierungen.

Mozilla will darüber hinaus einen der größten Flaschenhälse aktueller Webapps beseitigen: Mit neuen DOM-Bindungen sollen DOM-Manipulationen deutlich schneller werden. Zudem soll ein neuer Cache das Laden von Webseiten schneller machen.

Mit verschiedenen Maßnahmen will Mozilla im zweiten Halbjahr 2012 zudem dafür sorgen, dass Tabs im Hintergrund nicht mehr unnötig viel Ressourcen beanspruchen.

Für mehr Geschwindigkeit soll auch Mozillas Verzeichnis mit Firefox-Erweiterungen führen. Hier will Mozilla im Laufe des zweiten Halbjahres 2012 anzeigen, wenn eine Erweiterung dafür bekannt ist, den Browser besonders auszubremsen.

Firefox 14 mit Login

Mit Firefox 14, der am 17. Juli 2012 erscheinen soll, soll Mozillas Browser ein Login erhalten, mit dem sich Nutzer beim Browser anmelden können. Damit wird es dann möglich, dass Firefox einen Nutzer automatisch bei Webseiten anmeldet. Denn geht es nach Mozilla, soll der lokal auf dem Rechner laufende Browser zur zentralen Verwaltungsinstanz der eigenen Identität werden, nicht auf den Servern von Google oder Facebook laufende Dienste.

Tracking visualisieren, Teilen vereinfachen

Für das zweite Halbjahr haben sich die Firefox-Entwickler unter anderem vorgenommen, die Installation und Aktualisierung von Plugins wie Adobes Flash Player zu vereinfachen. Um Nutzer vor Drive-By-Exploits in Plugins zu schützen und ihnen mehr Kontrolle über Plugins zu verschaffen, soll Firefox um die Funktion "Click to Play" erweitert werden. Ein Plugin wird dann erst nach einem Klick gestartet.

Zudem soll Tracking Map eingeführt werden, womit Firefox visualisieren soll, wie ein Nutzer im Web getrackt wird. Nutzer sollen dieses Tracking leicht blockieren können.

Zudem sollen Nutzer pro Website festlegen können, ob und wie Cookies, Passwörter und Verlauf gespeichert werden. Die Einstellungen sollen im Übrigen in ein eigenes Tab wandern.

Mozilla will in Zukunft auch Such-Hijacking verhindern. Da Suche ein sehr profitables Geschäft sei, würden verschiedene Browsererweiterungen die Suchmaschineneinstellungen verändern. Sollte dies passieren, wird Firefox den Nutzer in Zukunft warnen.

Das bereits als Firefox-Erweiterung Ende Oktober 2011 von den Mozilla Labs vorgestellte Firefox Share soll im Laufe des zweiten Halbjahrs 2012 in Firefox integriert werden. Zudem ist geplant, einen Übersetzungsdienst in Firefox zu integrieren, wie ihn beispielsweise Chrome bietet.

Redesign und Focus-Mode

Äußerlich soll Firefox in der zweiten Jahreshälfte 2012 umgestaltet werden: Mehr Konsistenz, striktere Einhaltung von Designspezifikationen und ein im Detail verbessertes UI stehen auf dem Plan. Das letzte große Redesign von Firefox erfolgte mit der Version 4.

Auch die Einführung eines "Focus-Mode" ist geplant, also eine auf das Lesen optimierte Darstellung einer Website, wie sie unter anderem Readability heute schon ermöglicht und wie man sie auch in Firefox findet. Dabei werden nicht wesentliche Inhalte wie Werbung und Navigation ausgeblendet.

Netzwerk-Installer

Ein Netzwerk-Installer für Windows und Mac OS X soll es ermöglichen, ausgewählte Mozilla-Produkte zu installieren, die dann im Hintergrund heruntergeladen werden. Damit sollen sich ausdrücklich auch Firefox-Erweiterungen installieren lassen. Zudem soll der Installer genutzt werden, um angepasste Mozilla-Versionen zu verteilen, wobei eine Standardversion des Browser heruntergeladen werden kann und anschließend die Änderungen vorgenommen werden. Ein normales Downloadarchiv soll es auch weiterhin geben.

Ebenfalls auf dem Plan steht die Integration eines PDF-Betrachters, den einige Mozilla-Entwickler komplett in Javascript umsetzen. Ob dieses Projekt aber noch 2012 in Firefox integriert wird, ist schon jetzt unsicher und als "riskant" markiert.

Roadmap für Firefox

Die von Asa Dotzler zusammengestellte Roadmap für die Desktopversion von Firefox ist unter wiki.mozilla.org/Firefox/Roadmap zu finden. Sie enthält ausschließlich die Planung für das Firefox-Frontend. Für die Themen Apps, Mobile, Identity, Performance und Stabilität gibt es eigene Roadmap-Dokumente.

Die geplanten Änderungen an der Webplattform und in Sachen Entwicklerwerkzeuge führt Mozilla ebenfalls getrennt.  (ji)


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