Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-the-darkness-2-standardshooter-mit-spannender-story-1202-89699.html    Veröffentlicht: 10.02.2012 14:08    Kurz-URL: https://glm.io/89699

Test The Darkness 2

Standardshooter mit spannender Story

Am Anfang war die Finsternis, und alles war gut - bis das böse Licht kam: Der Egoshooter The Darkness 2 bietet neben einer packenden Handlung auch ultraharte Schockeffekte - von denen aber längst nicht alle in der deutschen Version zu sehen sind.

Jackie Estacado ist Chef eines Mafiaclans, er trauert einer verstorbenen Liebe nach und außerdem trägt er ein grundböses Monster der Finsternis in sich: Kein Wunder, dass der Mann unter Stress steht. Im Einstieg von The Darkness 2 will er endlich bei einem Abendessen mit Kumpels und ein paar leichten Damen entspannen, aber dann kommt alles anders. Ebenso schwer bewaffnete wie mysteriöse Ganoven unter Führung eines seltsam hinkenden Typen greifen an. Nur mit Mühe und Not kann Jackie sein Leben retten - dabei hilft ihm natürlich das Monster in ihm.

The Darkness 2 ist der Nachfolger der 2007 veröffentlichten Comicumsetzung The Darkness. Allerdings: Für die Entwicklung zeichnen statt der Starbeeze Studios jetzt Digital Extremes aus Kanada verantwortlich, und die haben einiges geändert. Die Konsolensteuerung ist jetzt deutlich eingängiger, was den Zugriff auf eines der Kernelemente der Reihe vereinfacht: Über die beiden Schultertasten aktiviert der Spieler eine Art Schlangenmonster. Wer beispielsweise das Biest links am Bildschirmrand auswählt, kann damit Gegner ergreifen und in Stücke reißen, Türen aus den Angeln heben und einiges mehr. Die Bestie am rechten Rand wird primär als eine Art lange Peitsche verwendet. Einige der Spezialfähigkeiten lassen sich mit ausreichend Erfahrungspunkten in einem Talentbaum den persönlichen Vorlieben anpassen.

Besonders spannend in The Darkness 2 ist der Einsatz von Licht und Finsternis. Jackie Estacado hat beispielsweise nur dann seine beiden Monstertentakel, wenn er nicht im Lichtschein steht. Normale Scheinwerfer lassen sich zwar einfach aus der Distanz kaputt schießen. Aber nach den Kanonenfuttergegnern am Anfang des Spiels bekommt es Jackie Estacado auch mit Feinden zu tun, die ihn mit starken Taschenlampen direkt anstrahlen. Dann verziehen sich die Monster, der Bildschirm färbt sich grau ein, Jackies Herz schlägt hörbar und er stirbt, wenn er die Gegner nicht rasch mit der MG oder der Schrotflinte ausschaltet. Falls das passiert, kann er beim letzten der meist fair angebrachten Speicherpunkte einen neuen Versuch wagen.

Trotz der ungewöhnlichen Kombination aus Finsternisfangarmen und Schusswaffen spielt sich The Darkness 2 vergleichsweise konventionell. Das liegt vor allem daran, dass Jackie Estacado so gut wie immer in engen Schlauchleveln unterwegs ist, die wenig spielerische Freiheit zulassen. Und daran, dass die meisten Umgebungen zwar gut aufgebaut sind und viel Atmosphäre haben, aber erfahrenen Spielern kaum echte Überraschungen bieten: Jackie ist unterwegs auf einem Friedhof, in einem Bordell - das zum Teil nur aus leeren Gängen besteht - sowie auf einem düsteren Rummelplatz und in einer Irrenanstalt.

Cartoon-Look und Fazit

Für Motivation sorgt vor allem die Handlung: Zwischen den Kampfeinsätzen ist Estacado in seiner luxuriösen Mehretagenwohnung unterwegs, wo er - zumindest anfangs - ganz freundlich mit den Mitgliedern seiner Mafiafamilie plaudern kann. Dazu kommen wunderschön choreographierte Sequenzen, in denen er seine ermordete Freundin wiedertrifft und mit ihr tanzt sowie weitere gut inszenierte Traumabschnitte - irgendwann verschwimmt die Grenze zwischen Illusion und Spielwirklichkeit. In diesen Bereichen überzeugt The Darkness 2 mit Qualität: Die Dialoge, Kamerafahrten und Schnitte sind auffallend gut gemacht.

The Darkness 2 basiert auf Digital Extremes hauseigener Evolution Engine. Die sorgt für einigermaßen zeitgemäße Grafik, deren Highlight allerdings weniger die Spezialeffekte, auffallend scharfe Texturen oder besonders detailreiche Umgebungen sind, sondern der stimmige Cartoon-Look, der meist spannend dargestellte Kontrast zwischen Licht und Finsternis und sichtlich liebevolle Animationen. Dazu kommen jede Menge kleine, oft sehr makabere bis geschmacklose Gags - etwa ein Äffchen, das den Spieler begleitet und Freude daran hat, auf den ein oder anderen erschossenen Gegner zu pinkeln.

Die neuen Abenteuer von Jackie Estacado haben von der USK zwar eine Altersfreigabe "ab 18" bekommen und sind somit nur für Erwachsene freigegeben. Trotzdem enthält das Programm Änderungen gegenüber der US-Originalversion. Die deutsche Niederlassung von 2K Games hat unter anderem Ragdoll-Effekte entfernt und dafür gesorgt, dass bei einer Hinrichtungsszene sekundenlang nur ein schwarzer Bildschirm zu sehen ist, während aus den Lautsprechern laute Würg-, Platz-, Reiß- und Schreigeräusche dröhnen. Trotz der Schnitte geht es teils sehr brutal zur Sache - The Darkness 2 eignet sich wirklich nur für Erwachsene mit solidem Magen.

Die deutsche Synchronisation ist überdurchschnittlich gut, allerdings nicht immer lippensynchron; wer mag, kann auch die US-Sprachausgabe aktivieren. Der Titel ist zu den gewohnten Vollversionspreisen für Konsole und Windows-PC erschienen. Die PC-Fassung verwendet als Kopierschutz eine Aktivierung beim Onlineportal Steam. Multiplayer-Highlight ist der Modus namens Vendetta, in dem sich bis zu vier Mitstreiter mit unterschiedlichen Figuren durch eine Minikampagne ballern, die parallel zur gut sechs bis acht Stunden langen Haupthandlung verläuft.

Fazit

Man könnte The Darkness 2 wegen der - trotz Monstertentakeln - etwas zu konventionellen Action nicht mögen oder sich an den teils drastischen Horroreffekten stören. Trotzdem bietet The Darkness 2 wegen der spannend erzählten, erstaunlich intelligenten und erwachsenen Handlung ein paar Stunden richtig gute Unterhaltung. Lob gebührt den Entwicklern allein schon dafür, dass sie es fertigbringen, eine glaubwürdige Mafia-, Horror- und Liebesgeschichte gleichzeitig auf den Bildschirm zu zaubern. Die reine Action ist auf Dauer aber nicht abwechslungsreich genug - dazu tragen auch die unoriginellen Bosskämpfe bei. Trotzdem: Erwachsene Spieler, die gute Storys in Computerspielform mögen, sollten der Finsternis eine Chance geben.  (ps)


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