Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-resident-evil-revelations-3d-horrortrip-mit-zweitem-analogstick-1202-89631.html    Veröffentlicht: 08.02.2012 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/89631

Test Resident Evil Revelations

3D-Horrortrip mit zweitem Analogstick

Resident Evil Revelations bringt nicht nur Grusel und Action auf den stereoskopischen Bildschirm von Nintendos 3DS, sondern stattet das Handheld auf Wunsch mit einem zweiten Analogstick aus. Braucht man das wirklich? Wir haben es getestet.

Gleichzeitig laufen und schießen: Das können Spieler in jedem Call of Duty, Uncharted oder im aktuellen Tomb Raider. In Resident Evil war das erstmals in der Episode Outbreak - File #2 auf der Playstation 2 möglich. Den bedeutenderen Serienteilen 1 bis 5 hat es Entwickler Capcom vorenthalten. In Resident Evil Revelations für Nintendos 3DS ist gleichzeitiges Laufen und Schießen nun möglich, allerdings nur, wenn Spieler die Hardwareerweiterung Circle Pad Pro benutzen.

Das ausschließlich in Schwarz erhältliche Circle Pad Pro ist knapp doppelt so breit wie der 3DS. Das Handheld wird einfach in die Erweiterung hineingesteckt. Gummistopper an der Innenseite halten es sicher am Platz. Die Kommunikation erfolgt über die Infrarotschnittstelle an der Oberseite. Leider verdeckt das 143 Gramm schwere Circle Pad Pro mit seinem ausladenden Plastikgehäuse Stylus, Spieleschacht und WLAN-Schieberegler vom 3DS. Die Lautstärkeregelung, der Kopfhörerausgang und der Stromanschluss bleiben erreichbar. Auf der Rückseite hat das Circle Pad Pro zwei zusätzliche digitale Knöpfe: Zr und Zl sowie einen Ersatz für den R-Knopf. Letzterer ist nötig, weil das Zubehör auf der rechten Seite breiter ist als auf der linken. Dadurch befindet sich der Bildschirm nicht mehr mittig zwischen den Händen, sondern ist nach links versetzt. Der R-Knopf muss also verlängert werden, da er sonst nicht mehr erreichbar wäre.

Mit angestecktem Circle Pad Pro lässt sich Resident Evil Revelations deutlich komfortabler steuern als ohne. Spieler können dynamischer reagieren, wenn sie von BOWs (Bio-Organic-Weapons) oder Zombiehunden umzingelt werden. Außerdem entfällt der Resident-Evil-typische Kreislauf: weglaufen, umdrehen, zielen, schießen, umdrehen, weglaufen.

Die Handlung von Revelations spielt zwischen den Serienteilen 4 und 5 und wird in Form von 15- bis 30-minütigen Episoden erzählt. Bedeutsame Enthüllungen - etwa, wie Jill in die Fänge von Wesker gerät - sollten Serienfans aber nicht erwarten. Die Handlung ist in sich geschlossen. Wer noch nie ein Resident Evil gespielt hat, dürfte den Verlauf albern finden, Vorkenntnisse der anderen Serienteile werten die hanebüchenen Geschehnisse samt Sonnenlaser im Weltall allerdings deutlich auf.

Das portable Revelations hat trotz seiner engen Missionsstruktur viel Atmosphäre. Der Sound ist insbesondere mit guten Kopfhörern stimmungsvoll und der mittlere Teil des Spiels erinnert streckenweise stark an das erste Resident Evil im Herrenhaus.

Raid-Modus und Fazit

Die meiste Zeit verbringen Spieler auf einem Luxusliner, auf dem ein Forschungslabor der Bioterroristengruppe Veltro versteckt ist. Spieler steuern entweder Jill Valentine oder Chris Redfield. Beide haben jeweils einen Partner dabei, der in den Kämpfen aber keine echte Unterstützung ist. In der Solokampagne ballert er zwar kräftig mit und hat unendlich viel Munition, richtet aber keinen Schaden an. Es ist also am Spieler, alle Gegner zu erledigen. Im kooperativen Raid-Modus, der online oder mit zwei 3DS-Modulen spielbar ist, sind die Kollegen aber natürlich hilfreich.

So unterhaltsam die knapp zehnstündige Kampagne wirkt: Die größte Stärke ist der Raid-Modus, in dem Spieler immer stärkere Waffen freischalten und Erfahrungspunkte sammeln. Hier ergibt die in Kapitel unterteilte Kampagne Sinn - so sind Spieler immer circa 15 Minuten pro Episode beschäftigt. Das einzige, was uns am Raid-Modus nicht gefallen hat, war, dass Spieler nicht gemeinsam durch Türen gehen können. Wenn der Partner durch eine Tür rennt, knallt sie Spielern immer wieder vor der Nase zu, ohne dass eine Animation dazu zu sehen ist, und muss erneut geöffnet werden - das nervt!

Resident Evil Revelations ist in der deutschen Version mit Sprachausgabe lokalisiert. Die besser vertonten englischen und japanischen Sprachversionen sind aber ebenfalls auf dem Modul. Leider hat Capcom Gesichter nicht animiert. Ansonsten überzeugt das 3DS-Resident-Evil technisch. Der stereoskopische 3D-Effekt kann zusätzlich zum Hardwareslider am 3DS im Spiel verstärkt werden. Die Texturen sind insgesamt sehr scharf, und abgesehen von den Momenten, in denen das Spiel lädt, läuft es ruckelfrei. Ladezeiten treten beim Öffnen von Türen oder in Aufzügen auf.

Resident Evil Revelations ist für den Nintendo 3DS erhältlich und kostet 40 Euro, im Bundle mit dem Circle Pad Pro 70 Euro. Das Circle Pad Pro kostet alleine 20 Euro. Das Spiel ist von der USK ab 16 Jahren freigegeben.

Fazit

Nintendos Circle Pad Pro ist noch kein Pflichtkauf, Resident Evil Revelations nur einer für Serienfans. Capcoms Horrorserie beeindruckt mit der bisher aufwendigsten Grafik auf dem 3DS. Trotz leichter Ruckeleien, gelegentlicher Ladezeiten und fehlender Gesichtsanimationen überzeugen Stereo-3D, Lichteffekte und Texturschärfe. Der optimale Mix aus den Serienteilen 1 und 5 begeistert aber in erster Linie Freunde der Serie. Neue Fans wird Revelations nicht gewinnen, dafür sind die Rätsel zu stumpf und die Handlung ist zu abstrus.

An der Verarbeitung des Circle Pad Pro lässt sich für den Preis von circa 20 Euro wenig bemängeln - es tut, was es soll. Wer Resident Evil Revelations so komfortabel wie möglich steuern möchte, muss nicht viel bezahlen. Dennoch sollten sich Spieler im Klaren darüber sein, dass sie mit angestecktem Circle Pad Pro einen klobigen 3DS herumschleppen und ihre Spiele nicht wechseln können, das Display nach links rückt, WLAN-Schieberegler und Stylus verdeckt werden und möglicherweise früher oder später ein 3DS mit eingebautem zweiten Analogstick kommen könnte. Bis dahin muss dieser Hässliche eben reichen.  (mw)


Verwandte Artikel:
Erweiterung: "Verbotenes Filmmaterial" für Resident Evil 7 erhältlich   
(31.01.2017, https://glm.io/125904 )
Nintendo 3DS: Neue Firmware im Dezember und Circle Pad Pro im Januar   
(30.11.2011, https://glm.io/88121 )
Lenovo Ideapad 720S im Test: AMDs Ryzen Mobile gegen Intels Kaby Lake R   
(08.03.2018, https://glm.io/132924 )
Fujitsu Lifebook U727 im Test: Kleines, blinkendes Anschlusswunder   
(14.02.2018, https://glm.io/132756 )
Mario & Co.: Nintendo deaktiviert Spielbewertungen durch Nutzer   
(01.03.2018, https://glm.io/133073 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/