Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/roadmap-amd-will-mehr-socs-statt-immer-mehr-kerne-1202-89536.html    Veröffentlicht: 03.02.2012 10:47    Kurz-URL: https://glm.io/89536

Roadmap

AMD will mehr SoCs statt immer mehr Kerne

Im Rahmen seines Financial Analyst Day hat AMD umfangreiche Änderungen seiner Roadmap angekündigt. Wachsen will das Unternehmen mit SoCs, die auch ARM-Kerne enthalten können. Viele bisher ankündigte neue CPUs werden durch andere Versionen ersetzt, und die 28-Nanometer-Fertigung verzögert sich bis 2013.

AMDs Zukunft liegt in Systems-on-a-Chip (SoC), die flexibel an die Wünsche der Gerätehersteller angepasst werden können. Das stellte Rory Read, seit fünf Monaten AMDs Chef, vor Analysten unmissverständlich fest. Diese neue Strategie schließt auch die Verbindung von AMDs Techniken auf einem Chip mit Funktionen von Drittherstellern ein.

Heterogeneous System Architecture (HSA) nennt AMD sein Konzept, es soll die Entwicklung der APUs (Accelerated Processing Units) fortschreiben. Mit diesem Kürzel beschreibt der Chiphersteller die Integration von CPU und GPU. In Zukunft sollen aber auch Funktionseinheiten anderer Hersteller in die von AMD gefertigten Bausteine integriert werden. Eine Möglichkeit dafür sind ARM-Kerne, die AMD bisher selbst nicht verwendet. Aus den Präsentationsfolien geht aber auch hervor, dass selbst GPUs anderer Hersteller verwendet werden können.

Mit OpenCL als einheitlicher Schnittstelle von CPUs und GPUs sollen die HSA-Chips schneller als die Konkurrenten werden. AMD will hier nach dem Vorbild von Nvidias CUDA dafür sorgen, dass auch die GPU-Anteile eines Chips "so einfach wie mit C++" programmiert werden können, so das Unternehmen.

Für HSA will AMD einen offenen Standard schaffen, der auch von anderen Anbietern mitgetragen werden kann. Das Ziel ist eine schnellere Entwicklung von spezialisierten Chips, die AMD dann bei seinen Auftragsherstellern fertigen lässt. Einen Teil seiner Bausteine lässt das Unternehmen bereits bei TSMC herstellen, ob Globalfoundries - AMDs ehemalige Fertigungssparte - weiterhin der wichtigste Partner bleibt, ist noch nicht abzusehen.

Details zu HSA und der Gründung eines Industriekonsortiums will AMD auf seinem nächsten Fusion Developer Summit bekanntgeben, der im Juni 2012 stattfindet. Auffällig ist, dass das Unternehmen bisher noch keinen einzigen anderen Chipentwickler nennen konnte, der das Konzept mit trägt. Wenn HSA aber eine Koproduktion nach dem Vorbild etwa von PCI oder USB werden soll, sind andere Branchengrößen dafür dringend nötig.

Eine Auswirkung der neuen Strategie zeichnet sich schon jetzt in den aktualisierten Roadmaps ab, zu denen es seit Reads Amtsantritt zahlreiche Gerüchte gab. AMDs Chefin für das Tagesgeschäft, Lisa Su, bestätigte einige der Spekulationen. So sollen die bisher geplanten 28-Nanometer-APUs mit den Codenamen Wichita und Krishna nicht mehr erscheinen. Für das Jahr 2012 bleibt AMD bei seinen Notebook-Chips der Serien C und E bei 40 Nanometern und zwei Bobcat-Kernen. Die Bausteine sollen aber nur noch 9 bis 18 Watt Leistung aufnehmen, die Plattform heißt Brazos 2.0.



Keine neuen Desktop-Architekturen 2013

Erst für 2013 sind für den Mobilbereich neue Entwicklungen vorgesehen, die dann mit 28-Nanometer-Technik hergestellt werden sollen. Die neuen x86-Kerne mit der Architektur "Jaguar" sollen in den APUs "Temash" (Tablets) und "Kabini" (Notebooks) eingesetzt werden. Für besonders schnelle Notebooks ist mit "Kaveri" als Ableger der Bulldozer-Architektur "Steamroller" für den CPU-Anteil vorgesehen. Allen drei neuen Designs ist gemein, dass sie die GCN-Architektur der aktuellen Radeon 7000 für die Grafik besitzen sollen.

Zu diesen Bausteinen machte AMD außer der Zahl der x86-Kerne keine weiteren Angaben, bei den Mobilchips sollen es zwei bis vier sein. Anders als auf früheren Roadmaps steigt die Zahl der Cores auch bei Servern und Desktops nicht weiter. Die schon bald im Jahr 2012 erwarteten Nachfolger der FX-CPUs mit aktualisierten Piledriver-Kernen sollen wie geplant mit vier bis acht Kernen erscheinen, aber auch noch 2013 aktuell bleiben. Auch für Desktops sieht AMD dann laut seinen Folien Kabini und Kaveri vor, also die für Mobilrechner entwickelten APUs. Neue Desktopdesigns für Mittelklasse- und Einstiegs-PCs verzeichnet die Roadmap nicht.

Die Zahl der Kerne stagniert auch bei den Opterons, AMDs Prozessoren für Server. So wie beim aktuellen Opteron 6200 (Interlagos) sind bis 2013 maximal 16 Kerne geplant, der neue Chip heißt "Abu Dhabi" und arbeitet mit den Piledriver-Kernen. Seine kleineren Versionen mit maximal acht Kernen tragen die Codenamen "Seoul" und "Delhi". Eine neue Architektur namens "Excavator" soll erst danach folgen, also frühestens 2013.

Nicht von den Änderungen betroffen ist die 32-Nanomter-APU "Trinity", die AMD auf der CES 2012 bereits zeigen konnte. Mit 17 bis 35 Watt soll die Kombination aus CPU und GPU alle Einsatzbereiche von Notebooks abdecken. Besonders die 17-Watt-Versionen könnten hier Intels Ultrabooks Konkurrenz machen. So nennen darf AMD die besonders flachen Notebooks aber nicht, Ultrabook ist eine von Intel eingetragene Marke.

Eine Absage erteilte AMD auch nach der Veranstaltung in einem Interview mit Cnet der Entwicklung von Smartphone-Chips - Intel engagiert sich hier stark. Bei Smartphones sei zu wenig zu verdienen, meinte Marketingchef John Taylor. Für Tablets soll aber weiterhin noch 2012 das Design "Hondo" erscheinen, das mit ein oder zwei Kernen rund 4,5 Watt aufnehmen soll. Zusammen mit einem DirectX-11-Kern für Grafik soll Hondo auch Windows-8-Tablets antreiben.

Zu allen hier genannten Codenamen hat AMD ein PDF veröffentlicht, in dem die Projektbezeichnungen mit den bereits bekannten Fakten zusammengefasst sind.  (nie)


Verwandte Artikel:
AMD: Vega-Chips in 14+ nm und Navi-GPUs in 7 nm   
(18.05.2017, https://glm.io/127826 )
AMDs Embedded-Pläne: Ein bisschen Wunschdenken, ein bisschen Wirklichkeit   
(23.02.2018, https://glm.io/132925 )
Microsoft: KI-Framework kommt auf Windows-10-Endgeräte   
(08.03.2018, https://glm.io/133217 )
Hololens: Verbesserte AR-Brille soll nicht vor 2019 kommen   
(20.02.2017, https://glm.io/126275 )
ARM-SoC-Hersteller: Qualcomm darf NXP übernehmen   
(19.01.2018, https://glm.io/132261 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/