Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bing-blekko-duck-duck-go-googeln-ohne-google-1202-89439.html    Veröffentlicht: 01.02.2012 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/89439

Bing, Blekko, Duck Duck Go

Googeln ohne Google?

Die überarbeitete Version der Google-Suche "Search, plus Your World" hat heftige Debatten ausgelöst. Vor allem der Datenschutz steht mal wieder im Vordergrund der Kritik. "Geht es eigentlich auch ohne Google?", fragen sich daher viele Nutzer. Der Blogger Marcel Weiß hat es 18 Monate lang getestet.

Durch die Veränderung seiner Suche mit "Search, plus Your World" hat Google viele Nutzer verärgert, einige verkünden, sie wollten nun ohne Google auskommen. Der Blogger Felix Schwenzel versucht es mit Duck Duck Go. Auf Gizmodo berichtet einer der Schreiber, dass er zu Bing gewechselt habe. Und auch Blogger-Urgestein Dave Winer denkt darüber nach, ob Bing dem komplexer werdenden Google gefährlich werden kann.

Ist Google ersetzbar? Vor 18 Monaten, im Juli 2010, habe ich einen Selbsttest gestartet, um genau das herauszufinden und anderthalb Jahre lang die Suchmaschinen Bing, Blekko und Duck Duck Go benutzt.

Microsoft Bing

Bei Bing fiel mir als erstes die Geschwindigkeit auf, die sogar höher schien als die von Google. Bing erinnert vom Aussehen her sehr an das klassische7n Google-Design, bis hin zur Farbe der Links und der Anzeige von direkten On-Site-Links bei populäreren komplexen Websites. In der Sidebar von Bing lässt sich leicht die Sprache der Ergebnisse einstellen. Der Wechsel von Google zu Bing dürfte vielen am leichtesten fallen.

Die Bildersuche von Bing ist besser aufgemacht und liefert bessere Ergebnisse als die Bildersuche von Google. Auch bei Standardsuchen ist Bing ein guter Ersatz für Google. Sobald es aber komplexer wird, fällt schnell auf, dass Google im Hintergrund sehr viel mehr macht als Links zählen. Google kann oft komplexe Suchanfragen besser interpretieren als Bing oder die anderen Konkurrenten.



Duck Duck Go

Das immer noch kleine, aber auch sehr schnell wachsende Duck Duck Go fällt auf den ersten Blick durch ein hässliches Logo auf. Man sollte sich davon aber nicht beirren lassen. Duck Duck Go bietet einige innovative Funktionen.

Duck Duck Go wertet etwa Daten von Wikipedia und anderen vertrauenswürdigen Sites aus, um strukturierte Ergebnisse anzuzeigen. Die Suche nach Union Square Ventures kann als Beispiel dienen: Eine kurze Erklärung der Firma, ein Wikipedia-Link, ein Link zur offiziellen Site, und ein Link zu einem Verzeichnis von Venture-Capital-Firmen auf Duck Duck Go werden angezeigt. In der rechten Sidebar werden Vorschläge gemacht, welche Suchbegriffe hinzufügt werden können, um die Suchergebnisse zu verbessern.

Im Oktober 2011 haben unter anderem der Risikokapitalgeber von Union Square Ventures, beteiligt an Twitter, Tumblr, Etsy und anderen, in Duck Duck Go investiert. Seit Sommer 2011 wirbt Duck Duck Go zudem damit, seine Suchergebnisse nicht zu personalisieren.

Die Spracheinstellungen können über ein Drop-Down-Menü in die Einstellungen vorgenommen werden. Dort kann unter anderem die Region geändert werden. Anschließend erhält man zwar deutsche Sites in den normalen Ergebnissen, aber die Box mit den allgemeinen strukturierten Daten bezieht ihre Informationen weiterhin aus englischsprachigen Quellen.

Das Besondere an Duck Duck Go sind die sogenannten !Bangs. Mit ihnen ist es möglich, direkt in Duck Duck Go die internen Suchfunktionen von Websites oder auch andere Suchmaschinen zu benutzen. Mit !youtube oder !yt wird der Nutzer beispielsweise direkt von Duck Duck Go auf die Youtube-Ergebnisseite weitergeleitet. Mit !g lässt sich von Duck Duck Go auch einfach auf die Ergebnisse von Google umschwenken.

Eine eigene Bildersuche hat Duck Duck Go nicht. !images leitet auf die Bildersuchergebnisse von Google um. Diese Umleitungen sind wichtig, denn wie Bing versagt auch Duck Duck Go bei komplexeren Suchanfragen oft.



Blekko

Blekko hat im vergangenen Jahr Aufsehen erregt, da die Suchmaschine öffentlichkeitswirksam Spam aus ihren Suchergebnissen entfernt hat. Noch vor Googles Herabstufung von Contentfarmen hat Blekko diese aus ihrem Index ausgeschlossen.

Das macht Blekko besonders für Suchanfragen nützlich, bei denen der Suchende auf Google zu viel Spam erhält. Zusätzlich bietet Blekko sogenannte Slashtags an, mit denen man die Suche auf eine Kategorie von händisch oder automatisch gesammelten Webseiten einschränken kann. Vor allem die Einschränkung des Suchindex' auf bestimmte Webseiten kann die Suchergebnisse verbessern. Mit /date kann man auch die letzten statt die relevantesten Ergebnisse mit den Suchbegriffen anzeigen lassen.

Ein großer Nachteil von Blekko ist die fehlende Option, die Sprache der Ergebnisse einzustellen. Die Einführung dieser Funktion ist von Blekko zwar geplant, aber ein Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest. Blekko durchsucht zwar auch deutsche Websites, eine Beschränkung auf diese ist derzeit aber nicht möglich. Und so dominieren englischsprachige Websites die Ergebnisse. Die Bildersuche ist keine Erwähnung wert.

Wer einen Account bei Blekko anlegt, kann mit dem Import einer OPML-Datei einfach eigene Slashtags anlegen um so beispielsweise in den Webseiten zu suchen, die er per RSS abonniert hat. Auch aus den Suchergebnissen heraus lassen sich Websites leicht zu bestehenden Slashtags hinzufügen.

Zwar sind die Slashtags ein weitaus mächtigeres Werkzeug als die CSEs von Google, dennoch gilt für Blekko dasselbe wie für Bing und Duck Duck Go: Für den Alltag ist Blekko eine mehr als ausreichende Alternative zu Google, aber je komplexer eine Suche wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass Google das bessere Ergebnis liefert.



Fazit

Eins ist eindeutig: Google ist die beste Suchmaschine. Als Faustregel gilt: Je mehr Suchwörter benötigt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eher mit Google findet, was man sucht. Kann man dennoch ohne Google auskommen? Die Antwort lautet: lieber nicht. Wir brauchen Google aber nicht für jede Suchanfrage, denn in vielen Bereichen liefern Bing, Blekko oder Duck Duck Go durchaus brauchbare Ergebnisse.

Wer bereit ist, mehrere Suchmaschinen nebeneinander zu verwenden, dem würde ich folgendes Setup empfehlen: Duck Duck Go oder Blekko für Standardsuchen, Blekko für das Durchsuchen einer festen Zahl an Websites aus der eigenen Branche oder andere Aufgaben, die man vorher einer CSE von Google anvertraut hat, Bing für die Bildersuche und Google für alle komplexeren Suchanfragen, bei denen Google von seinen großen Indizes und seiner besseren Fähigkeit, im Hintergrund die Datenmasse zu verbinden und auszuwerten profitiert und deutlich bessere Ergebnisse liefert als die anderen.

Marcel Weiß ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Internetwirtschaft. Er arbeitet als Blogger und Berater. Auf neunetz.com schreibt er über die Internetwirtschaft, auf neumusik.com über digitales Musikbusiness. Er ist außerdem als Autor unter anderem für Exciting Commerce tätig.  (mweiß)


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