Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/89349.html    Veröffentlicht: 26.01.2012 17:46    Kurz-URL: https://glm.io/89349

Mediaplayer

VLC 2.0 als Release Candidate erschienen

Die Entwickler des Video-LAN-Projekts haben die ersten Softwarepakete des Mediaplayers VLC 2.0 freigegeben, der unter anderem eine neue Oberfläche hat. Wir haben VLC 2.0 unter OS X und Linux ausprobiert. Auch der Windows-Client ist mittlerweile erschienen

Der VLC-Player in der Version 2 ist fast fertig. Die Entwickler haben erste Pakete freigegeben, die als Release Candidate gekennzeichnet sind und nun von Nutzern auf Fehlerfreiheit getestet werden sollen. Grobe Fehler sind in diesem Entwicklungszustand nicht zu erwarten.

Beim ersten Start fällt die deutlich überarbeitete Oberfläche auf. Unter Mac OS X gibt es nun eine schwarze Oberfläche und neu sortierte Elemente. Beide orientieren sich stärker an modernen Mediaplayern. Zudem wird der neue Vollbildmodus von Mac OS X unterstützt. Ein VLC-Videofenster integriert sich also vollständig in die Spaces. Die alte Version konnte das noch nicht. Allerdings wirkt das beim Release Candidate noch etwas hakelig.

Unter Linux hat sich an der Qt-basierten Benutzeroberfläche optisch wenig verändert. Die Einstellungen können durchsucht werden und die Effekte-Benutzeroberfläche wurde überarbeitet. Außerdem wurde die Anbindung an Pulseaudio verbessert.

Die Entwickler haben das Konfigurationschaos des Players behoben. Selbst VLC-Kenner dürften sich darüber freuen, dass die mehr als 40 Caching-Optionen laut Entwickler nun auf vier reduziert wurden.

Neu geschriebene Codebestandteile und Blu-ray-Unterstützung

Die Entwickler haben mit VLC 2.0 auch Teile des Codes überarbeitet. Unter anderem sollen der Videokern und die Ausgangsfunktionen stark überarbeitet worden sein. Zudem kann jetzt fast jeder Videofilter transcodiert werden.

VLC 2.0 kann jetzt theoretisch auch mit Daten einer Blu-ray-Disc umgehen. Die Funktion wird aber noch als experimentell eingestuft. Zudem wird HTTP Live Streaming unterstützt und experimentelles Hardware-Encoding über einen Broadcom-Crystal-HD-Chip beherrscht VLC jetzt auch. Das dürfte vor allem einige Netbooknutzer freuen, die diesen Zusatzchip haben. Außerdem wurde die Anzahl der unterstützten Codecs erhöht. Dazu gehört auch ProRes422. Der OS-X-Build setzt einen Rechner voraus, der Quartz-Extreme unterstützt.

Release Candidate für Linux muss kompiliert werden

Ein fertiges Kompilat gibt es für Linux-Nutzer nicht. Der Quellcode ließ sich unter Ubuntu 11.10 problemlos kompilieren, vorausgesetzt, die zahlreichen Entwicklerbibliotheken sind installiert, darunter die Entwicklungsumgebung für Qt4. Wer die Software kompiliert, sollte sich nicht über die Deprecated-Meldungen wundern. Auf einem Intel Core 2 Duo mit 2.66 GHz dauerte das Kompilieren etwa fünf Minuten.

VLC 2.0 für Android, iOS und OS/2 fehlen noch

Für Windows gibt es ebenfalls eine fertige Testversion. Die Windows-Version wird aber einige Einschränkungen haben. Windows XP mit Service Pack 2 ist Pflicht. Ältere Windows-Systeme werden nicht mehr unterstützt. Dafür gehört der Windows-Port noch zu denen, die nicht auf UTF-8 im Dateisystem setzen. Bei Linux und Mac OS X wird das vorausgesetzt.

Der VLC-Kern ist übrigens für eine Portierung auf OS/2 vorbereitet. Das ist ein Betriebssystem von IBM, das Mitte der 1990er Jahre weit verbreitet war.

Weg frei für Apps

Vorbereitungen gibt es im VLC-Kern auch für Android- und iOS-Apps. Während ein Android-Port keine Besonderheit ist, ist das bei iOS anders. Denn da gab es bereits in der Vergangenheit Ärger mit der Lizenz.

Eine der großen und weitreichenden Neuerungen von VLC 2.0 betrifft diese Lizenz. Das Team wechselt von der GNU General Public License v2 (GPL) auf die GNU Lesser General Public License v2.1 (LGPL). Damit dürfte es für andere jetzt einfacher werden, den VLC-Player auf vergleichsweise neue, aber geschlossene Plattformen zu portieren. Zwar gibt es beispielsweise einen VLC-Player für iOS, aber schon lange nicht mehr über den App Store von Apple.

Applidium konnte seinen Port Anfang 2011 nicht mehr im App Store anbieten, da sich der VLC-Entwickler Rémi Denis-Courmont wegen eines Lizenzverstoßes bei Apple beschwert hat. Er wurde dabei durch die Free Software Foundation unterstützt. Die Beschwerde löste innerhalb der VLC-Entwicklergemeinde eine Diskussion aus, denn nicht jeder war mit der Beschwerde einverstanden.

Download als Tarball und Disk Image

Den ersten Release Candidate des VLC-Players 2.0 gibt es für Linux und Mac OS X im Downloadverzeichnis. Mac-Nutzer können das Disk Image für Intel-CPUs (32 oder 64-Bit) oder PowerPC-CPUs herunterladen. Für Linux-Nutzer gibt es ein Tarball, das allerdings erst kompiliert werden muss.

Die umfassende Liste der Neuerungen gegenüber dem 1.1er Zweig des Video-LAN-Clients gibt es unter git.videolan.org.

Nachtrag vom 27. Januar 2012, 9:45 Uhr

Mittlerweile hat das Video-LAN-Team auch die Windows-Version des VLC 2.0 RC1 veröffentlicht. Sie steht als Installationsdatei oder gepacktes Archiv zur Verfügung.  (ase)


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