Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/89340.html    Veröffentlicht: 26.01.2012 12:14    Kurz-URL: https://glm.io/89340

Foxconn-Ex-Manager

Apple interessiert sich nicht für das Leben der Arbeiter

Ein gefeuerter Manager von Foxconn klagt an: Apple kümmerte sich bei seinem Auftragshersteller um nichts anderes als die Produktqualität und niedrige Herstellungskosten. Frühere Apple-Manager hätten dies bestätigt. Tote und Verletzte bei Arbeitsunfällen seien die Folge.

Apple soll für die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und eine Serie von tödlichen Arbeitsunfällen bei seinen Auftragsherstellern in China mitverantwortlich sein. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf den früheren Foxconn-Manager Li Mingqi, der bis April 2011 bei dem Unternehmen tätig war. Li, der Foxconn wegen seiner Entlassung verklagt, war in der Leitung einer Foxconn-Fabrik in Chengdu, wo bei einer Explosion im Mai 2011 drei Menschen starben und 15 verletzt wurden. Auch ehemalige Apple-Manager haben sich entsprechend geäußert, so die Zeitung.

Li sagte: "Apple kümmerte sich um nichts anderes als die Erhöhung der Produktqualität und sinkende Herstellungskosten. Das Wohl der Arbeiter hat nichts mit ihren Interessen zu tun", sagte er.

"Wir wissen seit über vier Jahren von missbräuchlichen Arbeitsbedingungen in einigen Fabriken, und sie laufen weiter", sagte ein ehemaliger Apple-Manager der New York Times, der wegen einer Vertraulichkeitsvereinbarung anonym bleiben wollte. "Warum? Weil sich dieses System für uns lohnt. Die Auftragshersteller würden schon morgen alles ändern, wenn Apple es ihnen sagen würde, dann hätten sie keine andere Wahl." Wenn die Produktqualität infrage gestellt sei, würde Apple dagegen sofort handeln, sagte der Manager. "Wäre die Hälfte der iPhones defekt, glauben sie, Apple würde das über vier Jahre laufen lassen?"

Foxconn und Wintek: Spannungen im Apple-Management

Der Konflikt erzeuge Spannungen im Management bei Apple, bekannten frühere Apple-Manager der New York Times. Es gebe Bestrebungen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Aber dieses Engagement gerate wieder ins Stocken, wenn es Konflikte mit wichtigen Lieferantenbeziehungen oder der schnellen Lieferung von neuen Produkten gebe. "Wir versuchen wirklich intensiv, Verbesserungen durchzusetzen", sagte ein ehemaliger Apple-Manager. "Aber die meisten Leute würden immer noch sehr verstört reagieren, wenn sie wüssten, wo ihr iPhone wirklich herkommt."

Apple hat hunderte von Audits zu den Arbeitsbedingungen bei seinen Auftragsherstellern durchgeführt, die immer wieder schwere Verstöße benannten. "Wenn Sie die gleichen Problemmuster Jahr für Jahr sehen, dann heißt das, dass die Unternehmen dies ignorieren, anstatt es zu lösen", sagte ein Ex-Apple-Manager, der in dem Bereich Zulieferer tätig war.

An dem Unglück in Chengdu war eine Explosion von Aluminiumstaub schuld. Wenige Wochen zuvor hatte ein Forschungsbericht aus Hongkong auf gravierende Sicherheitsmängel in dem Werk aufmerksam gemacht, in dem das iPad 2 produziert wurde. Foxconn und Apple kannten die Studie der in Hongkong beheimateten Gruppe Sacom (Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour). "Unter den drei Foxconn-Fabriken sind die Arbeits- und Gesundheitsschutzprobleme in Chengdu alarmierend", hieß es in dem Bericht, in dem auch über eine schlechte Belüftung berichtet wurde.

Apple nur einer von vielen Kunden von Foxconn

Durch den Einsatz von n-Hexan erkrankten vor zwei Jahren rund 137 Arbeiter bei Wintek. Der Touchscreen-Hersteller hatte nach eigenen Angaben die gesundheitsschädliche chemische Verbindung eingesetzt, um die Reinigung von Touch-Panels für Apple-Produkte zu beschleunigen. N-Hexan verdunstet schneller als Alkohol. Die Arbeiter litten unter Müdigkeit und Mattigkeit, Taubheitsgefühlen in den Händen sowie Schwellungen und Schmerzen in den Füßen.

Bekanntlich ist Apple nicht der einzige Auftraggeber Foxconns. Der taiwanische Konzern fertigt für Amazon, Dell, Nintendo, Hewlett-Packard, Samsung, IBM, Lenovo, Motorola, Nokia, Sony, Toshiba und andere. Foxconn ist Chinas größtes Exportunternehmen und beschäftigt 1,2 Millionen Menschen, die 40 Prozent der weltweit verkauften Unterhaltungselektronik montieren, rechnet die New York Times vor.

Trotz vieler Versprechungen hat sich an den Arbeitsbedingungen bei Foxconn nichts Wesentliches geändert: Im Juni 2010 hatte ein Foxconn-Arbeiter erklärt, dass trotz Versprechungen der Konzernleitung die inhumanen Arbeitsbedingungen mit vielen Überstunden, Sprechverbot und Siebentagewoche gleich geblieben seien. Er müsse weiterhin elf Stunden arbeiten, meist an sieben Tagen in der Woche, mit nur 30 Minuten Pause für Mittag- und Abendessen.

Einige Arbeiter haben vom langen Stehen so geschwollene Beine, dass sie kaum noch laufen können. "Es ist schwer, den ganzen Tag zu stehen", sagte Zhao Sheng, ein Fabrikarbeiter der New York Times.

Foxconn reagiert extrem schnell auf Apples Wünsche

An den Wänden der Foxconn-Fabrik in Chengdu werden die 120.000 Arbeiter mit der Aufschrift gewarnt: "Arbeite heute hart, sonst musst du morgen noch härter arbeiten, um einen Job zu finden." Einer der tödlich verunglückten Arbeiter hat laut den Recherchen der New York Times 12 Stunden am Tag gearbeitet. Er war sechs Tage pro Woche in der Fabrik, ging aus seinen Lohnabrechnungen hervor. Manchmal würden Arbeiter aufgefordert, zwei Schichten hintereinander zu arbeiten.

Laut einem früheren Bericht lässt Apple in China produzieren, weil dort sofort auf kurzfristige Änderungen bei den Produkten reagiert werden kann und eine große Menge billiger Arbeitskräfte ständig verfügbar ist.

Nachtrag vom 26. Januar 2012, 13:08 Uhr

Bei Unruhen unter den Arbeitern in Chengdu reagierte das Regime in Peking sehr schnell. Als es dort im vergangenen Jahr nach Ausgabe der Lohnabrechnungen zu Unruhen in den Schlafsälen des Konzerns kam und brennende Zeitungen aus den Fenstern flogen, griffen 200 Polizisten ein. Acht Arbeiter wurden verhaftet, hieß es nach dem New-York-Times-Bericht laut Augenzeugen.  (asa)


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