Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/89217.html    Veröffentlicht: 20.01.2012 15:13    Kurz-URL: https://glm.io/89217

Space Fiction

Nasa will Garriotts Weltraumfilm freigeben

Während seines Aufenthaltes auf der ISS hat Spieleentwickler und Weltraumtourist Richard Garriott den ersten Science-Fiction-Film im Weltraum produziert. Die Nasa hat dessen Aufführung bisher verhindert. Das soll sich ändern.

Wo lässt sich ein Science-Fiction-Film besser produzieren als im Weltraum? Das dachte sich wohl Richard Garriott, auch bekannt unter dem Namen Lord British, während seines Aufenthalts auf der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) im Jahr 2008 - und drehte flugs einen Kurzfilm im All.

Astronauten als Darsteller

Acht Minuten lang ist das Werk, das den Titel Apogee Of Fear trägt. Das Drehbuch schrieb der Fantasyautor Tracy Hickman. Bei den Dreharbeiten halfen drei Mann der ISS-Besatzung, zwei Astronauten und ein Kosmonaut - auch als Darsteller.

Der Kurzfilm war nicht Garriotts einzige Beschäftigung während seines Aufenthaltes auf der Raumstation: Er führte wissenschaftliche Experimente durch, machte Massen an Fotos von der Erde und arbeitete an einem zweiten Film, der Dokumentation Man On A Mission. Darin beschreibt der Spieleentwickler, wie er als erster Sohn eines Astronauten selbst ins All geflogen ist.

Nasa gibt Kurzfilm nicht frei

Garriott wollte beide Filme zusammen herausbringen. Man On A Mission läuft seit dem 13. Januar 2012 in unabhängigen Kinos in den USA - allerdings ohne den Kurzfilm. Denn den hat die US-Weltraumbehörde Nasa bisher nicht freigegeben. Der Film sei "an Bord von Nasa-Hardware gedreht" worden, und Nasa-Astronauten träten darin auf, habe die Nasa ihm mitgeteilt. Deshalb dürfe er den Film nicht öffentlich vorführen, sagte Garriott dem auf Weltraumthemen spezialisierten US-Nachrichtenangebot Space.com.

Doch die Nasa hat sich offensichtlich besonnen: Der Kurzfilm sei zwar nicht Teil der ursprünglichen Abmachung der Weltraumbehörde mit Garriott. Beide Seiten verhandelten aber über dessen Veröffentlichung. "Wir hoffen, die noch offenen Fragen zügig zu klären", erklärte Bob Jacobs, stellvertretender Leiter der Nasa-Pressestelle, dem US-Technologiemagazin Wired. "Wir schätzen die Zusammenarbeit mit Richard und seine fortlaufenden Bemühungen, die Menschen für die Zukunft der Weltraumfahrt zu begeistern."

Spieleentwickler und Astronautensohn

Garriott alias Lord British wurde bekannt durch die Spieleserie Ultima. Er ist der Sohn des Astronauten Owen Garriott, der zur Besatzung der Raumstationen Skylab und Spacelab gehörte. Garriott junior ist damit nach eigenen Angaben der erste Nachkomme eines Astronauten, der seinerseits ins Weltall geflogen ist.

Wann und auf welche Weise Apogee Of Fear dem Publikum zugänglich gemacht wird, ist derzeit nicht bekannt. Auch wenn der Film selbst künstlerisch nicht sehr wertvoll sein sollte, ist ihm als laut Garriott erstem im Weltraum produzierten Science-Fiction-Film bereits ein Platz in den Annalen sicher. Die Smithsonian Institution will ihn sogar als solchen in ihr Archiv aufnehmen.  (wp)


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