Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/89041.html    Veröffentlicht: 13.01.2012 09:12    Kurz-URL: https://glm.io/89041

Ligthning Bolt

Drei Displays und Strom fürs Notebook über ein Kabel

AMD baut sich sein eigenes Thunderbolt - und nennt die Technik auch ganz ähnlich. In Las Vegas führt das Unternehmen im Hinterzimmer "Lightning Bolt" vor. Auch Wireless Display steht auf der Nachbauliste.

Wenn es schon den Codenamen "Lightning Bolt" trägt, dann sollte es auch so funktionieren wie Intels Thunderbolt - und das tut AMDs neue Entwicklung offenbar auch. Als besonderen Fortschritt kann die Verbindung zwischen Notebook und Monitor auch den Mobilrechner mit Strom versorgen. Das schafft Thunderbolt bisher noch nicht.

AMD zeigt Lightning Bolt auf der CES nur im Hinterzimmer seines Konferenzraums unter der Auflage, dass von den frühen Prototypen keinerlei Bilder gemacht werden. Die Geräte sehen jedoch schon recht weit entwickelt aus. An einem Standardnotebook hängt dabei über dem Displayport-Ausgang nur ein einziges Kabel. Weitere Leitungen führen nicht zu dem Rechner.

Über dieses Kabel ist ein kleiner Hub angeschlossen, der das Logo von Bizlink trägt. Zumindest Teile der Technik stammen also wohl von diesem Hersteller von Verbindungslösungen. Der Hub stellt drei Displayports sowie USB 3.0 zur Verfügung. Um zu demonstrieren, wie gut die Übertragung in beide Richtungen klappt, nutzt AMD das voll aus.

Ein Blu-ray-Laufwerk an dem Hub schickt dabei die Daten des Films an den Rechner, der sie decodiert und an einem der drei am Hub angeschlossenen Monitore ausgibt. Zu den genauen Datenraten will sich AMD nicht äußern, auch nicht dazu, ob für die Lösung wie bei Thunderbolt das PCI-Express-Protokoll über die Displayport-Kabel geschickt wird.

Wahrscheinlich ist das nicht, denn die Datenraten sind offenbar begrenzt und an die des Displayports gekoppelt: Nur zwei Displays mit 1.920 x 1.200 Pixeln oder drei mit 1.680 x 1.050 sowie vier mit 1.366 x 768 Pixeln lassen sich versorgen. Dem Einsatz eines Notebooks mit zwei hochauflösenden externen Monitoren steht so aber nichts im Weg. Für besonders schnelle Datentransfers von externen Storage-Systemen, wie sie Thunderbolt beherrscht, ist Lightning Bolt offenbar nicht vorgesehen.

Verblüffend ist aber AMDs Preisvorstellung für die gesamte Technik: Höchstens 5 US-Dollar soll die nötige Logik im Notebook kosten, der Hub unter 100 US-Dollar. Das steht im krassen Gegensatz zu bisherigen Thunderbolt-Geräten, bei denen beispielsweise Belkin für sein Dock 299 US-Dollar verlangt. Dieser Adapter bringt zwar auch noch Gigabit-Ethernet mit, aber kein USB 3.0.

Der größte Vorteil von Lightning Bolt ist aber die Stromversorgung, die ein Notebook mit bis zu 50 Watt versorgen können soll. Angesichts der günstigen Preise wäre so eine universelle Docking-Lösung möglich, die nur noch ein einziges Kabel benötigt. Bisher sind solche Ansätze meist herstellerspezifisch. Der Displayport des Notebooks soll sich darüber hinaus auch nur als Monitorausgang nutzen lassen, wenn keine Lightning-Bolt-Hardware zur Verfügung steht.

Mit einer noch recht wüst aussehenden Entwicklerplatine führt AMD auch etwas vor, das das Unternehmen nur als "our Wireless Display" bezeichnet - kein Wunder, diese Marke gehört Intel. Während Intels Lösung zwar schon in der Praxis funktioniert, will AMD sie aber in einem wichtigen Punkt schlagen: der Latenz.

Da der Chiphersteller für das Komprimieren der Bilder vom Notebook die in der aktuellen Radeon-Generation vorhandene Einheit VCE (Video Codec Engine) nutzt, kann das sehr schnell erfolgen. Der VCE hat direkten Zugriff auf den Framebuffer und arbeitet vom Rest des Systems unabhängig. AMD verspricht auf der CES Verzögerungen zwischen Notebook und Display von nur 1 bis 2 Millisekunden. Bei Intels Wireless Display 2.0 sind es bisher mehrere Zehntelsekunden, so dass die Technik kaum für Spiele nutzbar ist.

Derzeit befindet sich AMD in Gesprächen mit anderen Hardwareherstellern, um sowohl Lightning Bolt als auch sein Wireless Display serienreif zu machen. Das Unternehmen hofft zwar, zumindest den zweckentfremdeten Displayport schon mit den ersten Trinity-Notebooks Mitte 2012 verkaufen zu können, ist sich aber nicht sicher, ob das schon so schnell klappt.  (nie)


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