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Terminus - Unspektakuläre Weltraumschlacht

Version für drei Systeme in einer Packung

Das amerikanische Programmierteam Vicarious Visions legt nach dreijähriger Entwicklungsszeit in Form von "Terminus" seine Vorstellung einer Space Opera vor. Das nur in englischer Sprache erhältliche Programm erscheint zeitgleich für Linux, Windows und Mac, wobei alle drei Versionen zusammen in einer Packung ausgeliefert werden.

Terminus
Terminus
Fast 200 Jahre in der Zukunft sind die Menschen dabei, das Sonnensystem zu erschließen. Schon einige Jahre gibt es Kolonien auf den Mars und regen Minenbetrieb auf vielen Monden. Dies wurde möglich, weil ein Expeditionstrupp auf dem Jupiter-Mond Callisto Alientechnologie fand, mit deren Hilfe die Vortex-Gates entwickelt wurden, die die Entfernungen zwischen den Planeten überbrückten.

In diesem Szenario spielt "Terminus". Geboten werden die Spielmodi "Training", "Gauntlet", "Story Mode" und "Free Mode". Die ersten beiden dienen zum Training und für die Kurzweil. Die letzten beiden Modi sind das eigentliche Spiel, wobei der "Story Mode" das Herz von "Terminus" ist. In diesen beiden Modis kann man zwischen vier Laufbahnen wählen, man kann sich als Militärpilot für die Erde oder den Mars anheuern lassen, als Pirat sein Unwesen treiben oder als unabhängiger Händler dem Profit hinterherjagen. Entscheidet man sich für den "Story Mode", ist man je nach Laufbahn an einer Geschichte beteiligt, die während des Games erzählt wird.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die Story selbst wird in "Terminus" durch ein Newsboard erzählt. Während des Spiels bekommt man immer wieder mal die Nachricht über neue Geschehnisse, was nach und nach die ganze Geschichte widerspiegelt. Einigen wird dies bekannt vorkommen, denn so ähnlich war das auch in den Elite-Nachfolgern. Leider bedeutet das, dass man im Spiel Zwischensequenzen oder Ähnliches vergeblich sucht. Es gibt keine Filmchen wie bei "Privateer2" (Origin/EA) und keine Spielgrafik-Zwischensequenzen wie bei "X" (Ego-Soft/THQ).

Screenshot #2
Screenshot #2
Die militärische Laufbahn lässt sich schnell beschreiben. Man fliegt eine von sechs verschiedenen Missionstypen, die man sich aus einer Anzahl zur Verfügung stehender Missionen aussucht. Zu jeder Mission gibt es ein kurzes Briefing, das auch das eigene Schiff festlegt, danach kann sofort gestartet werden. Wer mehr Abwechslung möchte, sollte sich z.B. als Händler versuchen. Dieser kann neben dem normalen Warenhandel zwischen den einzelnen Stationen auch noch Aufträge für das Militär übernehmen oder sich als Kopfgeldjäger versuchen. Außerdem kann der Händler sich sein Schiff frei aussuchen und im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten ausrüsten.

Für die Händlerkarriere bietet "Terminus" etwas, was man bei den Konkurrenzprodukten vergeblich sucht: In einem Informationssystem kann man sich über sämtliche Einkaufs- und Verkaufspreise und die vorhandenen Stückzahlen informieren und so seine Handelsroute planen. Allerdings hat die Sache einen Haken: Da das Spiel immer in Echtzeit läuft, kann ein ausgeschautes Riesengeschäft bei der Ankunft zum Flop werden, weil kurz vorher ein dicker Frachter genau die gleiche Ware geliefert hat und der Preis zusammengebrochen ist.

Screenshot #3
Screenshot #3
Endlich im Cockpit angelangt finden sich ehemalige Wing-Commander-Piloten mit den Instrumenten schnell zurecht. Der in diesem Genre übliche Scanner mit seinen Höhenbalken wird von zwei Multifunktionsanzeigen umrahmt. Allerdings scheint es sich bei diesem Scanner um ein sehr rückständiges Modell zu handeln. Während man in jedem anderen Game durch eine entsprechende Farbe deutlich darauf hingewiesen wird, wer einem ans Leder will, muss man bei "Terminus" raten, wer nun der Angreifer ist. Farblich unterschieden werden nämlich nur die verschiedenen Zugehörigkeiten.

Die Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig und eher physikalisch real. So kann bei hoher Beschleunigung nicht einfach gekurvt, sondern muss entsprechend in die andere Richtung beschleunigt werden. Nur bei geringen Geschwindigkeiten ist ein eher direktes Navigieren möglich.

Screenshot #4
Screenshot #4
Die Schiffe und das All selbst bieten grafisch nichts Neues. Sie wirken stellenweise etwas lieblos und zeichnen sich fast alle durch einen Klötzchenlook aus. Wurde hier zum Schutz der Spielbarkeit vor allem im Multiplayer-Modus mit Details gespart? Auch die grafischen Effekte der Explosionen und Geschosse wirken eher altbacken. Da bieten das schon wesentlich ältere "Wing Commander 5" und auch "X" mehr. Der Sound passt da so weit ins Bild, dass es nur wenig Sprachausgabe gibt und die Reise durch die Tore auf Grund der dabei ablaufenden Krachorgie ein wenig nervt.

Screenshot #5
Screenshot #5
Was "Terminus" besonders auszeichnet ist der Multiplayermodus. Wer will, spielt die Story zusammen mit ein paar Freunden durch, oder sucht sich einen Gameserver im Internet. Dabei bietet das Spiel die Möglichkeit des Abspeicherns der Sitzung. Der Server ist dabei die kontrollierende Instanz. Wichtig und gut, denn an einem Nachmittag spielt man es nicht durch. Im Multiplayermodus gibt es keine Einschränkungen gegenüber dem Singleplayermode. Auch ist die Mitspielerzahl scheinbar nach oben offen, was bei einem entsprechend ausgelegten Server reizvollen Netzwerkbetrieb möglich macht.

Fazit:
"Terminus" ist ein wenig ein Fest der verpassten Gelegenheiten. Die Grafik ist eher bieder, der Sound dröge und die Story wird trocken in Textbildschirmen erzählt. Dem Singleplayer wird hier nicht viel geboten. Dabei sind in Form des umfangreichen Handelssystem und einigen anderen Features wie des sehr übersichtlichen Navigationssystems durchaus ausgereifte Ideen vorhanden. Der Multiplayermodus ist dafür verantwortlich, dass "Terminus" nicht ganz in der Belanglosigkeit versinkt. Seine Möglichkeiten bieten reizvolle Spielenachmittage. [Von Frederic Daguenet]  (tw)


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