Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/88827.html    Veröffentlicht: 05.01.2012 16:32    Kurz-URL: https://glm.io/88827

Filesharing

Kopieren als religiöser Grundsatz anerkannt

Eine schwedische Finanzbehörde hat die Kirche der Kopimisten als Religionsgemeinschaft anerkannt. Die Mitglieder der Kirche fühlen sich der freien Verbreitung von Informationen verpflichtet.

Filesharing wird in Schweden zur Religion: Der schwedische Staat hat die Det Missionerande Kopimistsamfundet (etwa: Missionarische Kirche des Kopimismus) als Glaubensgemeinschaft anerkannt.

Die Kopierkirche wurde 2010 von dem Philosophiestudenten Isak Gerson gegründet. Er hat sich seither um eine offizielle Anerkennung bemüht. Im dritten Anlauf habe das Kammarkollegiet diese erteilt, berichtet Kirchenvorstand Gustav Nipe. Das Kammarkollegiet ist eine dem Finanzamt unterstellte Behörde, die unter anderem für die Anerkennung von Religionsgemeinschaften zuständig ist. Der Brief sei zwar schon vor Weihnachten eingetroffen, sie hätten ihn aber erst Tage nach dem Jahreswechsel geöffnet, erzählte Gerson der britischen Ausgabe des Technologiemagazins Wired.

Behördliche Kopierskepsis

Gerson, das spirituelles Oberhaupt der Gemeinschaft, begrüßte die Maßnahme. Er hoffe, dass dies "ein Schritt auf den Tag hin ist, an dem wir unseren Glauben ohne Furcht vor Verfolgung ausüben können." Dass sich das Verfahren so lange hingezogen hat, könnte nach Nipes Ansicht daran liegen, dass viele schwedische Behörden eine urheberrechtsfreundliche Haltung hätten und das Kopieren deshalb skeptisch betrachteten.

Kopieren ist aber das zentrale Element dieser Glaubensgemeinschaft. Für sie ist die Information heilig. Ihr Wert vervielfache sich, wenn sie kopiert werde, glauben die Kopimisten. Das spiegelt sich auch im Namen der Gemeinschaft wider: Kopimi stammt von Copy me, kopier mich. Derzeit hat die Kirche des Kopimismus rund 3.000 Mitglieder. Allerdings sei eine formale Mitgliedschaft nicht notwendig - es reiche aus, sich dem zentralen Gedanken, der Information und ihrer Verbreitung, verpflichtet zu fühlen.  (wp)


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