Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/88823.html    Veröffentlicht: 05.01.2012 14:20    Kurz-URL: https://glm.io/88823

Windows 8

Schnelle Neuinstallation fast auf Knopfdruck

Ein Windows-System muss ab und zu neu aufgesetzt werden, da es mit der Zeit immer langsamer wird - das ist für viele Nutzer von Microsofts Betriebssystem seit Jahren Realität. Mit Windows 8 soll dieser Vorgang deutlich einfacher und schneller werden, verspricht Microsoft.

Microsoft führt mit Windows 8 neue Funktionen zum Zurücksetzen eines Rechners ein. Damit will Microsoft das Neu-Aufsetzen eines Windows-Rechners extrem vereinfachen und die dafür notwendigen Schritte automatisieren. Während die beiden Grundfunktionen Reset und Refresh bereits mit der Developer-Preview von Windows 8 getestet werden können, werden einige Neuerungen erst mit der kommenden Beta von Windows 8 veröffentlicht.

Reset

Der erweiterte Reset versetzt einen Rechner wieder in den Auslieferungszustand. Sämtliche Daten gehen dabei verloren. Diese Funktion kann daher nur mit Administratorrechten durchgeführt werden.

Dabei bootet der PC in die Windows RE, die Windows-Wiederherstellungsumgebung. Diese löscht alle Daten und formatiert die Festplatte, auf der Windows und die persönlichen Daten des Nutzers liegen. Anschließend installiert Windows RE eine neue Kopie von Windows 8 und startet den PC neu.

Dabei will Microsoft auch die Option "Thorough" anbieten, die die gespeicherten Daten sicher löscht. Dabei werden dann zufällige Daten in die zuvor gelöschten Sektoren der Festplatte geschrieben. Sollte jemand später an die Festplatte gelangen, beispielsweise weil der PC verkauft oder entsorgt wurde, ist die Datenwiederherstellung zumindest schwieriger, denn die Sektoren werden nur einmal überschrieben. Wer auf Nummer sicher gehen will oder muss, sollte die Festplatte mehrfach überschreiben, was die Reset-Funktion von Windows 8 aber nicht anbietet.

Refresh

Alternativ kann ein sogenannter Refresh durchgeführt werden. Dabei werden die persönlichen Daten und die installierten Metro-Apps gesichert, anschließend wird das Betriebssystem wiederhergestellt und dann die Daten. So soll sich ein beispielsweise mit unnützen Toolbars versehenes System wieder flottmachen lassen. Dabei nutzt Windows 8 die gleiche Image-Technik wie zur Virtualisierung.

Auch hierbei bootet Windows 8 in die Wiederherstellungsumgebung Windows RE. Anschließend wird die Festplatte aber nicht gelöscht oder formatiert, sondern die Daten, Einstellungen und Apps werden auf der gleichen Platte gesichert, um dann eine neue Windows-Kopie zu installieren. Danach werden die zuvor gesicherten Daten, Apps und Einstellungen wiederhergestellt und der Rechner mit der neuen Windows-Kopie neu gestartet.

Anders als bei einer manuellen Installation von Windows müssen sich Nutzer nach der Neuinstallation nicht durch die Willkommensbildschirme von Windows 8 klicken und ihr System per Hand konfigurieren. Auch eingerichtete Nutzeraccounts bleiben erhalten, so dass sich Nutzer mit dem gleichen Passwort wie zuvor anmelden können.

Was die Einstellungen angeht, so hat sich Microsoft bewusst dafür entschieden, beim Refresh nicht alles wiederherzustellen: Während WLAN- und mobile Breitbandverbindungen, Bitlocker und Bitlocker to Go, Laufwerksbuchstaben, Hintergrund und Desktophintergründe erhalten bleiben, gehen Dateitypzuordnungen sowie Display-Firewall-Einstellungen verloren. So will Microsoft verhindern, dass die oft für ein Refresh verantwortliche Einstellung wiederhergestellt wird.

Metro- und Desktop-Apps

Beim Refresh berücksichtigt Microsoft ausschließlich Metro-Apps. Klassische Desktopapplikationen werden nicht wiederhergestellt, denn oft seien es Probleme mit einzelnen Desktop-Apps, die den Wunsch nach einer Neuinstallation auslösten. Da es aber nicht einfach sei, solche Probleme zu identifizieren, würde eine Wiederherstellung solcher Anwendungen dazu führen, dass auch die schlechten Apps erhalten blieben.

Auch sei es nicht möglich, einzelne Desktopapplikationen zu ersetzen, dazu gebe es zu viele verschiedene Installationsmethoden für Desktopanwendungen. Metro-Apps hingegen lassen sich rückstandslos deinstallieren. Allerdings erstellt Windows 8 eine Liste der nicht wiederhergestellten Desktop-Apps, was deren Neuinstallation vereinfachen soll.

recimg.exe

Mit dem Kommandozeilenwerkzeug recimg.exe bietet Microsoft Nutzern aber einen Weg, ein Image von Windows anzulegen, das nach einem Refresh wiederhergestellt wird, samt aller zu diesem Zeitpunkt installierten Anwendungen. Microsoft schlägt dazu ein Vorgehen vor, das heute schon viele nutzen: Nach der Installation von Windows und dem Absolvieren der Willkommensbildschirme werden alle wesentlichen Anwendungen installiert und der Rechner konfiguriert. Anschließend wird mit recimg.exe ein Image dieses eingerichteten Systems erstellt und als Image für einen Refresh registriert. Beim nächsten Refresh findet der Nutzer dann diese eingerichtete Windows-Umgebung wieder vor.

Wenn der PC nicht mehr bootet

Funktioniert der PC noch, können Refresh und Reset über eine Metro-App ausgelöst werden. Sollte ein schwerwiegender Fehler vorliegen, so dass Windows gar nicht mehr startet, können Reset und Refresh über die Troubleshooting-Funktion in Windows RE angestoßen werden, die sich beim Starten des Rechners aktivieren lässt.

Mit der Beta von Windows 8 will Microsoft zudem ein Werkzeug ausliefern, mit dem ein bootbarer USB-Stick erstellt werden kann. Selbst dann, wenn die auf der Festplatte installierte Version von Windows RE nicht mehr startet, soll sich ein Windows-8-Rechner mit dessen Hilfe dann wiederherstellen oder Probleme beseitigen lassen.

Wird ein PC mit einer versteckten Wiederherstellungspartition ausgeliefert, so kann diese nach der Erstellung eines solchen bootbaren USB-Sticks gelöscht werden.

Schnelle Wiederherstellung

Windows 8 soll die Wiederherstellung eines PCs aber nicht nur mit den zuvor beschriebenen Mitteln einfacher machen, sie soll auch deutlich schneller ablaufen als mit herkömmlichen Werkzeugen. Auf dem von Microsoft auf der Build Windows 2011 verteilten Samsung-Tablet soll ein Refresh nach 8:22 Minuten abgeschlossen sein. Ein Reset dauert 6:12 Minuten beziehungsweise mit der Option Thorough und aktivierter Bitlocker-Verschlüsselung 6:21 Minuten. Ohne Bitlocker benötigt ein Reset 23:52 Minuten, da nur dann die Daten auf der Platte komplett überschrieben werden. Ist Bitlocker aktiv, werden nur die Metadaten der Verschlüsselung überschrieben.

Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Daten auf einem System gespeichert sind, da diese Daten bei einem Refresh nicht bewegt werden.

Details zu den neuen Möglichkeiten zur Systemwiederherstellung von Windows 8 beschreibt Microsoft-Mitarbeiter Desmond Lee in einem Blogeintrag.  (ji)


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