Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/88791.html    Veröffentlicht: 04.01.2012 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/88791

Cyberwar

Japan bestellte bei Fujitsu ein Antivirus-Virus

Innerhalb von drei Jahren hat Fujitsu ein Antivirus-Virus programmiert, das die Quelle von Cyberangriffen ermitteln und Schadsoftware unschädlich machen soll.

Das japanische Verteidigungsministerium hat Fujitsu mit der Entwicklung eines Computervirus beauftragt, das IT-Angriffe zurückverfolgen und die Schadsoftware unschädlich machen kann. Das berichtet die japanische Tageszeitung Yomiuri Shimbun. Die Entwicklung der Cyberwaffe soll bereits seit dem Jahr 2008 laufen, das Virus soll bislang nur in geschlossenen Netzwerkumgebungen getestet worden sein.

Das Technical Research and Development Institute des Verteidigungsministeriums, das verantwortlich für die Entwicklung von Waffen ist, habe entschieden, die Entwicklung des Virus an ein privates Unternehmen auszulagern, sagte Yomiuri Shimbun. Fujitsu konnte sich den Dreijahresvertrag mit einem Volumen von 178,5 Millionen Yen (1,8 Millionen Euro) sichern, der zugleich die Entwicklung eines Systems für die Überwachung und Analyse von Cyberangriffen beinhaltete. Fujitsu hat unter Berufung auf die Vertraulichkeit seiner Auftraggeber einen Kommentar zu dem Bericht abgelehnt.

Das Verteidigungsministerium prüfe nun die Rechtslage, um den Einsatz des Antivirus-Virus abzusichern.

Der Universitätsprofessor Motohiro Tsuchiya, der einem Gremium angehört, das die Regierung zu Cyberwar-Fragen berät, hat eine schnelle Gesetzänderung gefordert, die den Einsatz des Antivirus-Virus ermöglicht. Andere Länder hätten dies bereits positiv gelöst.

Graham Cluley vom Antivirenhersteller Sophos hat das japanische Projekt im Blog des Unternehmens kritisiert. Auch ein "gutes" Virus beanspruche Systemressourcen wie Festplatten-, Arbeitsspeicherplatz und Rechenzeit des Prozessors und könne auf einem sicherheitsrelevanten System unerwartete Nebenwirkungen erzeugen. Ein außer Kontrolle geratenes "gutes" Virus könne sich zudem unkontrolliert ausbreiten. Zudem löse ein solches Virus möglicherweise Fehlalarme in den IT-Abteilungen von Unternehmen aus und verschwende so Ressourcen. "Wenn euer 'gutes' Virus ein wichtiges Bugfix braucht, wird dann ein weiteres Virus herausgegeben, um es einzufangen?", fragte Cluley.  (asa)


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