Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1201/88605.html    Veröffentlicht: 01.01.2012 13:18    Kurz-URL: https://glm.io/88605

Xbox, Playstation & Co. 2012

Das Jahr der Next-Gen-Konsolen

Halo 4 erscheint für die Xbox 360. Stimmt doch - oder? Möglicherweise kämpft der Master Chief aber auch auf dem Nachfolger der aktuellen Microsoft-Konsole. Golem.de wagt einen Blick darauf, was Sony, Microsoft, Nintendo und ein möglicher neuer Mitstreiter für 2012 planen.

Microsoft hat schon angekündigt, dass es ein Halo 4 geben wird. Und dass Sony früher oder später ein Uncharted 4 präsentiert, gilt auch als sicher. Fragt sich nur: Auf welchen Konsolen kämpfen die Hauptfiguren Master Chief und Nathan Drake eigentlich für Recht, Ordnung und den Geldbeutel der Publisher? Zwar hat Microsoft hinter den Trailer von Halo 4 eine Xbox-360-Animation gehängt, aber das muss nicht viel heißen. Beide Spiele würden sich bestens als Launchtitel für die nächste Generation der Konsolen eignen, und es ist sehr wahrscheinlich, dass Microsoft und Sony im Jahr 2012 mehr über ihre Hardwarepläne verraten.

Sicher ist bislang nur eines: Die erste europaweit neue Hardware veröffentlicht Sony Computer Entertainment am 22. Februar 2012. Dabei handelt es sich um die in Japan bereits erhältliche PS Vita, die als CPU einen ARM-CortexTM-A9-Core mit vier Kernen und als GPU eine SGX543MP4+ von PowerVR verwendet. Mit dem 512 MByte großen Hauptspeicher und dem 128 MByte großen Grafikspeicher zeigt sie auf ihrem OLED-Bildschirm mit 960 x 544 Pixeln eine sehr zeitgemäße Grafik. Der eigentliche Clou ist, dass das Gerät nicht nur über einen Touchscreen, sondern auch über eine berührungsempfindliche Rückseite verfügt. Damit kann der Spieler beispielsweise Gegenstände nach vorne "drücken". Das Angebot an Spielen ist vom Start weg sehr gut, neben Uncharted: Golden Abyss von Sony selbst gibt es noch eine Reihe hochkarätiger Titel von Drittanbietern, etwa Virtua Tennis 4 von Sega - und natürlich, wie offenbar bei jeder neuen Spielehardware, auch ein Ridge Racer.

Deutlich weniger klar ist, was Nintendo mit seiner Wii U vorhat. Zwar hat Firmenchef Satoru Iwata das Gerät Mitte 2011 auf der E3 vorgestellt, Messebesucher konnten sogar ausführlich auf Prototpyen unter anderem in einem spektakulär aussehenden Demolevel mit Link aus The Legend of Zelda herumlaufen. Seitdem ist es um die neue Konsole - mit der Nintendo endlich HD-Auflösung einführt - aber auffällig ruhig geworden. Die Wii U soll auf einem speziell für Nintendo entworfenen Power-Prozessor von IBM basieren, außerdem soll Grafikhardware von AMD zum Einsatz kommen, die ungefähr die Leistungsfähigkeit der Radeon R700 haben soll - womit die Konsole nicht sehr viel bessere Grafik bieten dürfte als eine Xbox 360.

Highlight soll der Controller sein, der über ein berührungsempfindliches Display mit einer Größe von 6,2 Zoll verfügt. Darauf lässt sich etwa eine Umgebungskarte einblenden, oder der Spieler kann auf dem Controller ein angefangenes Spiel beenden, falls der Fernseher anderweitig benutzt wird - so richtig festgelegt hat sich Nintendo nicht in der Öffentlichkeit, was es an Vorgaben für Entwickler gibt. Nintendo hat noch keine Angaben darüber gemacht, wann die Wii U erscheint. Angesichts schlechter Geschäftszahlen und einbrechender Wii-Absätze sollte die Konsole wohl eher rasch auf den Markt kommen, aber traditionell ist die zweite Jahreshälfte für derartige Produkte wesentlich besser geeignet.

Fraglich ist derzeit, was Microsoft vorhat. Dass das Unternehmen an einem Nachfolger für die Xbox 360 arbeitet, wurde zwar offiziell nie bestätigt, aber Stellenausschreibungen und die kürzlich erfolgte Neubesetzung an der Spitze des Xbox-Geschäftsbereichs, den jetzt Emma Williams leitet, deuten darauf hin, dass sich dort viel tut. Einige US-Medien spekulieren auf eine Ankündigung während der Consumer Electronics Show (CES) im Januar 2012 in Las Vegas - aber sehr wahrscheinlich ist das nicht. Die Presse - auch Golem.de wird dort sein - hat keinerlei Einladungen zu potenziellen Enthüllungsveranstaltungen erhalten, außerdem richtet sich die Messe nicht in erster Linie an die Spielebranche.

Die Planungen für die neue Xbox und Playstation laufen

Besser geeignet wäre die Game Developers Conference Anfang März 2012, aber letztlich wäre die Spielemesse E3 im Juni 2012 die wirklich passende Gelegenheit. Dann wäre eine Veröffentlichung noch im Jahr 2012 aber unwahrscheinlich, denn Entwickler, Produzenten und der Handel benötigen normalerweise mehr Vorlauf.

Die Terminfrage ist knifflig für Microsoft: Einerseits verkauft sich die Xbox 360 ebenso wie die Spiele noch sehr gut - erst Ende Oktober 2011 hatte das Unternehmen gemeldet, dass es mit 960.000 abgesetzten Geräten allein in den USA einen neuen Verkaufsrekord aufgestellt habe. Andererseits dürfte die Firma alles daran setzen, ihre neue Konsole erneut vor dem nächsten Gerät von Sony zu veröffentlichten - eine Taktik, die der Xbox 360 einen Vorsprung zumindest im wichtigen US-Markt beschert hat, wo Sony mit der Playstation 3 trotz Vorteilen wie dem eingebauten Blu-ray-Player nicht mithalten konnte.

Spekulationen über das Innenleben der Konsole von Microsoft, die angeblich Xbox Loop oder Xbox Next heißt, gibt es schon: Demnach soll die Konsole auf einem ARM-Prozessor basieren, der dedizierte Kerne für Physik, AI, Netzwerk und Verschlüsselung besitzt. Als Betriebssystem soll eine Variante von Windows 9 zum Einsatz kommen, was nicht wirklich plausibel klingt, schließlich ist noch nicht einmal Windows 8 fertig. Gerüchte gibt es auch darüber, dass die Konsole in zwei Varianten erscheint: als Set-Top-Box, die so günstig wie möglich sein soll, und als High-End-Version mit externem optischem Speichermedium, einer großen Festplatte und Rückwärtskompatibilität. Die Set-Top-Fassung soll zum Abspielen von Filmen etwa des Onlineportals Netflix und für Downloadspiele dienen, die teure Ausgabe soll sich vor allem an überzeugte Spieler richten. Angeblich verfügen einige Studios von Electronic Arts und Ubisoft bereits über frühe Entwicklerkits.

Noch weniger als Microsoft gewährt Sony Computer Entertainment Einblick. Das Unternehmen hat wie kein anderes betont, dass seine aktuelle Konsolengeneration langfristig vermarket wird und ein Nachfolger nicht zu früh erscheinen soll. Trotzdem wird der Brite Andrew House, seit September 2011 neuer Chef der Playstation-Sparte, es sich nicht leisten können, mit seiner neuen Konsole allzu spät nach Microsoft auf den Markt zu kommen. Als Europäer kennt House den harten Konkurrenzkampf außerhalb von Japan wohl besser als sein Vorgänger Kazuo Hirai.

Es gibt Gerüchte, dass sich eines der Sony-eigenen World Wide Studios nicht mehr mit Spielen für die PS3 beschäftigt, sondern an der Entwicklung der nächsten Playstation mitarbeitet, insbesondere an der neuen Grafiktechnologie. Das wäre auch dringend nötig, denn die PS3 ist unter dem Strich zwar leistungsfähiger als die Xbox 360, konnte diesen Vorteil aber nie so richtig ausspielen, weil ihre Architektur deutlich komplexer ist. Ein paar Entwickler mit praktischer Erfahrung können da bei der Entwicklung einer Playstation 4 (PS4) sicherlich helfen.

Allerdings: Grafik allein wird es bei der nächsten Generation von Xbox und Playstation nicht sein. Microsoft wird sicherlich eine neue, verbesserte Version seiner Bewegungssteuerung Kinect mitanbieten oder gleich in das Gerät einbauen. Sony setzt möglicherweise auf sein nicht ganz so erfolgreiches Konkurrenzangebot Move oder auf einen neuen Ansatz. Auch die Anbindung ans Internet dürfte grundsätzlich neu überdacht werden: Den auf PC boomenden Markt für Browser- und Socialgames lassen sich die Konsolenhersteller sicher nicht wieder entgehen, und sie müssen auch endlich eine technische und finanzielle Infrastruktur für MMORPGs wie World of Warcraft und Star Wars: The Old Republic schaffen.

Neben Microsoft, Nintendo und Sony gibt es aber noch mehr Firmen, die am Spielemarkt Geld verdienen wollen. Zum einen die Hersteller von Smartphones und Tablets, an vorderster Front etwa Apple - mit einem iPad 2 ist schon jetzt vieles möglich, was Nintendos Wii U erst irgendwann möglich machen will, etwa Tabletsteuerung von Rennspielen auf dem Fernseher.

Die möglicherweise größte Bedrohung für die etablieren Firmen geht aber von Spiele-Streaming-Angeboten wie Onlive aus: Damit lassen sich bereits jetzt High-End-PC-Spiele auf so gut wie jeder Hardware mit Onlineanschluss spielen. Noch gibt es Onlive nur in den USA und in Großbritannien, aber das finanziell bestens ausgestattete Unternehmen - einer der Hauptaktionäre ist Intel - dürfte 2012 auch in Deutschland und anderen großen Märkten an den Start gehen.  (ps)


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