Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1112/88588.html    Veröffentlicht: 21.12.2011 11:46    Kurz-URL: https://glm.io/88588

EFF

Reiseführer für US-Grenzgänger mit wichtigen Daten

Wer mit wichtigen Daten die US-Grenze überschreiten will, dem hilft jetzt ein Reiseführer: Die Electronic Frontier Foundation gibt rechtzeitig zum Weihnachtsbesuch in den Vereinigten Staaten Einreisenden Tipps und Tricks, wie sie bei Grenzkontrollen ihre Daten unter Kontrolle behalten.

Seth Schoen, Marcia Hofmann und Rowan Reynold von der Electronic Frontier Foundation haben den Reiseführer für Besucher der USA fertiggestellt. In dem 23 Seiten umfassenden Dokument 'Defending Privacy at the U.S. Border: A Guide for Travelers Carrying Digital Devices geben die drei Tipps und erklären, wie der Nutzer seine Daten bei der Einreise in die USA schützen kann.

Unter anderem wird erklärt, wie ein Nutzer seine Datenträger sicher löscht. SD-Karten, die in der Kamera formatiert werden, sind beispielsweise immer noch für Datenfunde sehr gut zu gebrauchen und auch die Problematik, dass sich Mobiltelefone kaum sicher löschen lassen und so Geschäftsgeheimnisse herumgetragen werden, wird betrachtet. Eine Möglichkeit ist ein eigenes Reisetelefon ohne kritische Daten. Zudem gibt es Hinweise, wie eine Datenträgerverschlüsselung zu benutzen ist. Die schützt den Einreisenden aber nicht vollständig.

Grenzbeamte können Nicht-US-Bürgern die Einreise verweigern

Zwar kann ein Grenzbeamter den Reisenden nicht ohne richterliche Anweisung zur Herausgabe des Passwortes zwingen, er kann ihn aber sehr wohl an der Grenze abweisen und mit dieser Drohung Druck aufbauen. Den Grenzbeamten anzulügen und zu behaupten, das Passwort vergessen zu haben, ist übrigens keine gute Idee und kann wohl strafrechtliche Konsequenzen haben. Möglich ist es aber, das Notebook beispielsweise von der IT-Abteilung verschlüsseln zu lassen und dem Reisenden das Passwort erst bei der Ankunft in den Vereinigten Staaten zu übermitteln, so dass er es zum Zeitpunkt der Grenzkontrolle tatsächlich nicht kennt.

Für die Veranschaulichung der Problematik gibt die EFF mit Hilfe von "Case Scenarios" Beispiele für verschiedene Berufsgruppen. Viele Szenarien dürften auch für die Einreise in andere Länder gelten. Dazu gehört auch die Sektion, die den Umgang mit Grenzbeamten betrachtet ("Interacting with Border Agents"). Die wichtigste Regel: auf keinen Fall lügen.

Seth Schoen hatte bereits auf dem vergangenen Chaos Communication Camp in Finowfurt eine Vorschau auf den nun veröffentlichten Reiseführer gegeben. Damals erklärte er, Ärzte und Anwälte müssten beispielsweise auf ihre Daten achten und sicherstellen, dass diese vertraulichen Informationen und Geschäftsgeheimnisse nicht in die Hände der TSA (Transport Security Administration), CBP (U.S. Customs and Border Protection) oder ICE (U.S. Immigration and Customs Enforcement) als Teil des DHS (Department of Homeland Security) fielen. Auch die anwesenden Hacker zeigten Interesse.

Die Gefahr, dass ein Reisender an der Grenze elektronisch durchsucht wird, ist für den Durchschnittsbesucher der Vereinigten Staaten gering, wie Schoen damals sagte. Im Zeitraum zwischen Oktober 2008 und Juni 2010 wurden pro Tag nur zehn von 327 Grenzübergängern durchsucht. Für bestimmte Gruppen, zum Beispiel Hacker, ist das Risiko durchsucht zu werden aber höher.

Der lesenswerte Datenschutz-Reiseführer steht auf dem Server der EFF zum Download bereit.  (ase)


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