Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1112/88572.html    Veröffentlicht: 28.12.2011 11:54    Kurz-URL: https://glm.io/88572

Android, iOS und Co.

Ein Jahr voller Tablets

2011 war das Jahr der Tablets. Selten haben wir so viele Geräte einer Kategorie getestet. Doch das heißt nicht, dass das nächste Jahr weniger spannend wird. 2011 wurde die Grundlage für das gelegt, was auf Couchsurfer und Tablet-Mitnehmer 2012 zukommt.

Selten hatten wir so viele Geräte eines Typs in der Redaktion von Golem.de: Unser Test-Special wird 2011 im Bereich der Hardware von Tablets dominiert. Obwohl Apple die Schlagzeilen bestimmt, basieren die meisten Tablets nicht auf Apples iOS, das den größten Marktanteil hat, sondern auf Googles Android.

So richtig lebhaft wurde es auf dem Tablet-Markt 2011 nämlich mit der Vorstellung von Android 3.0 alias Honeycomb. 2010 erregten bereits Apples erstes iPad und Samsungs erstes Galaxy Tab mit Android 2 Aufsehen, die meisten anderen Versuche gingen aber gehörig daneben. 2011 lernten die Hersteller aus ihren Fehlern und setzten nicht nur ausgereiftere Software, sondern auch qualitativ hochwertige Hardware ein.

Zudem weckten auch andere Betriebssysteme für Tablets Aufmerksamkeit. Einige Außenseiter haben wir getestet, und mit denen wollen wir unseren Rückblick beginnen.

Tablets am Rand oder am Ende

Während iPad und Honeycomb-Tablets ohne Frage erfolgreich sind, haben wir uns dieses Jahr auch andere Plattformen angeschaut. Einige Markteinstiege haben das Segment der Tablets hochinteressant gemacht. Neue Betriebssysteme im Tablet-Markt gab es von Research In Motion (RIM) und HP. Und Microsoft zeigte, dass Windows 7 durchaus auf dem Tablet funktionieren könnte, wenn da nicht das Prozessorproblem wäre.

Die Sonderrolle von HPs Touchpad

Eine unrühmliche Sonderrolle nahm HPs erstes WebOS-Tablet Touchpad ein. HP hatte es immer wieder als direkte Konkurrenz zu Apples iPad angekündigt und sich fast schon sklavisch am Apple-Konkurrenten orientiert. So entsprachen die Gerätepreise für das Touchpad auf den Euro genau denen der ähnlich ausgestatteten iPad-2-Modelle. Allerdings war das Touchpad nur kurz regulär auf dem Markt erhältlich.

Nur wenige Wochen nach dem Marktstart des Touchpads entschied HP Mitte August 2011, künftig keine WebOS-Geräte mehr anzubieten. Nur eine Woche vorher hatte HP noch die Touchpad-Kaufpreise jeweils um 80 Euro reduziert, um den schleppenden Verkauf anzukurbeln. Nennenswerte Werbemaßnahmen für das Touchpad gab es nicht. Nachdem HP das Aus für die WebOS-Gerätesparte verkündet hatte, wurde das Touchpad zu Ramschpreisen verkauft. Je nach Speicherausstattung kostete es dann 100 oder 130 Euro. Um die Kunden nicht noch mehr zu verärgern, wurde vielen, die bereits ein Touchpad gekauft hatten, sogar der Differenzbetrag zum ursprünglichen Kaufpreis zurückerstattet.



Android für HPs Touchpad

Die Macher von Cyanogenmod haben eine erste Alphaversion von Android 2.3.7 auf das Touchpad portiert. Per Dualboot kann somit Android parallel zu WebOS auf dem Tablet genutzt werden. Eine Portierung von Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich ist in Arbeit.

Bis Mitte Dezember 2011 war unklar, was HP mit dem von Palm aufgekauften Betriebssystem vorhat. Dann verkündete HP, WebOS werde als Open Source weitergeführt. Möglicherweise werde es nach dem Touchpad noch ein weiteres WebOS-Tablet von HP geben, erklärte die neue HP-Chefin Meg Whitman.

RIMs Blackberry Playbook ist chancenlos

Auch der Blackberry-Hersteller Research In Motion wollte sich einen Anteil am lukrativen Tablet-Markt sichern. Dafür wurde das Blackberry Playbook mit 7-Zoll-Touchscreen entwickelt, das allerdings gewaltig floppte. Zwar gefiel das Tablet mit einer flotten Oberfläche des QNX-basierten Echtzeitbetriebssystems, RIM machte aber Fehler. So wurde das Tablet ohne E-Mail-Client ausgeliefert. Allerdings hatte RIMs Tablet keine Chance auf dem umkämpften Tablet-Markt. Sinnvoll nutzen können das Blackberry Playbook nur Besitzer eines Blackberry-Smartphones. Das engt die Kundengruppe stark ein. Auf eine unabhängig vom Smartphone funktionierende Tabletvariante mit 3G-Modem verzichtete RIM.

Krampfhaft versuchte das Unternehmen, die Verkaufszahlen des Blackberry Playbook nach oben zu treiben. Zunächst gab es für Unternehmenskunden ein Blackberry Playbook gratis, wenn sie drei RIM-Tablets kauften. Im zweiten Schritt wurde in einer Sonderaktion der Gerätepreis für das Tablet um über die Hälfte reduziert. Alle diese Aktionen galten nur für den US-Markt, vergleichbare Angebote gab es in Deutschland nicht. Offenbar hält RIM nur noch Investitionen in den US-Markt für vielversprechend.

Vor dem Marktstart des Blackberry Playbook hatte RIM versprochen, dass es die Möglichkeit geben werde, Android-Anwendungen auf dem Tablet zu nutzen - bisher ist das nicht der Fall. Erst im Februar 2012 will RIM die Version 2.0 des Playbook OS veröffentlichen, mit der sich dann auch Android-Anwendungen nutzen lassen sollen. Vorerst gibt es auch keine Anzeichen dafür, dass das Blackberry Playbook einen nennenswerten Marktanteil erreichen wird.



Betriebssystem-Marktführer ohne Kunden

Obwohl Microsoft schon über ein Jahrzehnt auf dem Tablet-Markt agiert, hat das Unternehmen aus Redmond bisher in diesem Segment nur wenige Kunden erreicht. Tablets im modernen Sinne gibt es von Microsoft zwar nicht, sehr wohl aber Tablet-PCs, die die Form eines Tablets annehmen können. Sie sind bis dato teure Nischengeräte ohne große Verkaufserfolge und zeichnen sich dadurch aus, dass sich Windows-Programme installieren lassen und eine Handschriftenerkennung möglich ist. Andere Hersteller versuchen allerdings, auch Android-Tablets ohne diese Merkmale als Tablet-PC zu verkaufen, etwa Weltbild und Viewsonic.

Ein interessantes Windows-Tablet ist Fujitsus Stylistic Q550, das wir getestet haben. 10 Zoll in der Bildschirmdiagonalen bei noch vergleichsweise leichten 860 Gramm und die Möglichkeit, Windows-Programme zu benutzen, sprechen vor allem Geschäftskunden an, die ausschließlich Software für Windows haben.

Auf den ersten Blick ist das Gerät ein Traum für jeden, der sich etwas mit IT auskennt: ein matter Bildschirm, der obendrein sehr hell ist, Wechselakku und ein präzise arbeitender Stift - was will man mehr von einem Windows-Tablet? Im Test stellte sich allerdings heraus, dass der Prozessor, ein kleiner Embedded-Atom mit nur einem Kern, einfach zu langsam ist. Zuweilen kam der Prozessor nicht einmal mit der Bedienung hinterher. Wer mit dem Stift schrieb, musste warten, bis das Geschriebene auf dem Bildschirm erschien.

Fazit zu Fujitsus Bemühen: Ein guter Windows-PC, der wie ein Tablet aussieht und sich so anfühlt, ist derzeit nicht möglich. Moderne x86-CPUs ziehen zu viel Strom oder bieten einfach nicht die notwendige Rechenleistung. Tablets auf Basis eines ARM-Prozessors mit angepasster Software sind hier von Vorteil. Fujitsus schöne Hardware und das Konzept scheitern am Prozessor. Schade!

Übrigens hat sich auch Acer an einem Windows-Tablet versucht. Ein leistungsstärkerer AMD C-50 wurde benutzt, aber die Gerätekombination aus Dock und Tablet war beim Iconia W500 zu wackelig.



Windows 8 funktioniert mit ARM-CPUs

Mit Windows 8 wird sich Microsoft des Problems des Stromsparens annehmen. Und zwar ganz ohne Intel. Während Intel weiterhin versucht, die Leistungsaufnahme seiner CPUs zu drücken, wird Microsoft mit Windows 8 auch stromsparende ARM-Kerne unterstützen. Mit Vor-, aber auch deutlichen Nachteilen.

Die Vorteile sind offensichtlich und bei der Konkurrenz schon zu sehen. Flache Windows-Tablets mit kleinem Akku, geringem Gewicht und trotzdem langer Akkulaufzeit wären so möglich. Doch mit Windows 8 auf ARM-CPUs entsteht auch eine weitere neue Plattform. Software, die für x86-CPUs, also die von AMD und Intel, geschrieben und kompiliert wurde, muss für ARM-Software erst einmal angepasst werden.

Für ARM-Tablets versucht Microsoft auch mit der neuen Metro-Oberfläche zu werben. Wer für Windows 8 eine Metro-App entwickelt, der bedient damit nicht nur den großen Markt der Desktops und Notebooks, sondern auch den Markt der neuen Tablets. Wie es sich aber mit normaler x86-Software verhält, ist unklar. Microsoft sorgt diesbezüglich nicht für Klarheit, was zu allerhand Spekulationen anregt.

Ob es reicht, einfach alte x86-Software neu zu kompilieren, ist derzeit unklar. Alle Hinweise deuten aber darauf, dass auf einem Windows-Tablet mit ARM-CPU nur Metro-Apps funktionieren werden. Mit besonders fordernder Software wie etwa Photoshop CS5 wäre die ARM-CPU allerdings ohnehin überfordert.

Letztendlich etabliert Microsoft eine komplett neue Plattform im Tablet-Bereich und kann Synergieeffekte wie kein anderer nutzen. Wer für die Metro-Oberfläche von Windows 8 entwickelt, der hat das Tablet eigentlich gleich mit abgedeckt. Egal ob iOS, Android oder WebOS: Von diesem Vorteil konnte kein anderer bisher profitieren. Im Laufe des Jahres 2012 wird sich dann zeigen, ob die Macht des Desktops und Notebooks ausreicht, um aus dem Windows-8-Tablet ein erfolgreiches Produkt zu machen.



Samsung vs. Apple

Während Apple sich auf ein einziges Gerät konzentriert und davon massenhaft Einheiten absetzt, teilt sich der Android-Markt auf verschiedenste Geräte, Hersteller und Formen auf. Die wichtigsten haben wir 2011 getestet.

Dabei gibt das iPad die Richtung sehr deutlich an. Wird es besonders dünn wie das zweiten Modell, versuchen die anderen nachzuziehen. Vor allem Samsung versucht das als Nummer 2 im Markt mit einem Marktanteil von 5,6 Prozent im dritten Quartal 2011. HP hat mit dem Touchpad übrigens mit 5 Prozent fast Samsung verdrängt.

Samsung ging sogar so weit, das erste 10-Zoll-Galaxy-Tab schon nach kurzer Zeit durch den Nachfolger zu ersetzen. Es war vor dem iPad 2 angekündigt worden und dicker als das kurze Zeit später angekündigte Apple-Gerät. Als wir das Galaxy Tab 10.1 testeten, kündigte Samsung bereits den Nachfolger an, der sowohl Gewicht als auch Gehäusedicke des iPad 2 unterbot.

Natürlich haben wir auch dieses neue Galaxy Tab getestet, das den Namen des Vorläufers übernahm, während der Vorläufer fortan 10.1V genannt wurde. Damit wurde zumindest namenstechnisch ein leichtes Chaos ausgelöst. Die Anzahl der Modelle erhöhte sich stetig. Bis zum Ende des Jahres 2011 kam Samsung auf stolze sieben Galaxy Tabs: GT, GT7+, GT7.7, GT8.9, GT.10.1, GT10.1V und GT10.1N.

Tabletkonkurrenten vor Gericht

Dabei spielte der Konkurrenzkampf zwischen Samsung und Apple auf dem Tabletmarkt eine große Rolle. Weltweit zog mal der eine, mal der andere vor Gericht, um Patente zu verteidigen oder der Gegenseite ein Verkaufsverbot aufzuerlegen. Apple hatte dabei erstaunlichen Erfolg gegen Samsung. In Deutschland gab das Gericht Apple recht, das Samsung eine Verletzung eines Geschmacksmusters vorwarf.

Apple schaffte es so, den Verkauf des Galaxy Tab 7.7, 8.9 und 10.1 zu verhindern - mitunter mit fragwürdigen Mitteln: Apple wurde beispielsweise dabei erwischt, dass es gestauchte Fotos vor Gericht vorlegte, die die Form des Galaxy Tabs der des iPads ähnlicher erschienen ließen. Samsung brachte seinerseits eine originelle Verteidigung vor: Die Südkoreaner argumentierten, Apple habe die Form des iPads nicht erfunden, da ein Requisit aus dem Film 2001: Odyssee im Weltraum dem iPad sehr ähnlich sieht.

Aufgrund des vom Gericht ausgesprochenen Verkaufsverbots brachte Samsung in Deutschland das Galaxy Tab 10.1 als Galaxy Tab 10.1N neu auf den Markt, mit neuem Gehäuse, aber weitgehend unverändertem Innenleben. Auch in Australien und den USA wurden die Patentstreitigkeiten vor Gericht ausgetragen; in den USA konnte Samsung ein Verkaufsverbot abwenden, in Australien hob ein Gericht das Verkaufsverbot für das Galaxy Tab 10.1 gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2011 auf.



Viele Androiden gegen das iPad

Der Android-Markt besteht nicht nur aus Galaxy Tabs. Zwar ist Samsung mit 5,6 Prozent Marktanteil im Tablet-Markt die Nummer 1 bei den Android-Herstellern. Der Anteil an Android-Geräten ist aber mit über 32 Prozent mittlerweile recht hoch, auch im Vergleich zu Apple (65 Prozent). Das liegt vor allem an der Auswahl, die es bei Apple nicht gibt. Wer andere Hardwarekonzepte sucht, findet im Android-Segment eher etwas als beim iPad-Hersteller Apple.

Asus hat das Tablet-Konzept weitergedacht und veröffentlichte das Eee Pad Transformer, das mit einer Dockingstation samt Tastatur- und Akkuerweiterung zu einem Netbook mutiert. Das Design im Bronzelook mit dem eigenwillig eingeprägten Muster fiel schon optisch auf. Die Dockingstation verdoppelte die Akkulaufzeit und mit der Tastatur ließ sich das Gerät wie ein Netbook nutzen, bei einem ähnlichen Gewicht wie beispielsweise das NC10 von Samsung. Unser Testmuster war noch mit Android 3.0.1 bestückt. Inzwischen hat Asus pünktlich ein Update auf Android 3.2 veröffentlicht.

Ein weiteres Honeycomb-Tablet mit einem SoC (System on a Chip) aus der Tegra-Reihe brachte Acer mit dem Iconia A500 Tab heraus. Mit dem A500 setzt Asus den Schwerpunkt auf Multimedia, die Lautsprecher des Geräts gehörten bei der Klangwiedergabe in unseren Tests zu den besten. Hinzu kam die gute Darstellung von HD-Videos. Allerdings waren die Farbdarstellung des Displays und die Akkulaufzeit schwach. Inzwischen hat Acer ein Update auf Android 3.1 für das Tablet veröffentlicht. Ein Update auf Android 3.2 steht hingegen noch aus.

Motorolas Xoom war das erste Tablet mit Android 3.0 alias Honeycomb. Im Vergleich zum iPad 2, das nur wenige Tage früher auf den Markt kam, konnte das Honeycomb-Tablet mit einem größeren Display und einer entsprechend höheren Auflösung punkten. Das Gehäuse wirkte aber deutlich klobiger als das des iPad 2. Verwunderlich war auch, dass der SD-Karten-Steckplatz zwar vorhanden war, aber nicht vom Betriebssystem unterstützt wurde. Ein Update auf Android 3.1, das das Problem lösen sollte, ließ auf sich warten, ist aber inzwischen veröffentlicht worden. Für das Xoom gibt es bereits Android 3.2 und laut Motorola, das von Google übernommen werden soll, wird das Tablet ein Update auf Android 4.0 erhalten.

Sony hob sich mit den Tablets P und S teils wohltuend von der Konkurrenz ab. Das Tablet S fällt zunächst durch seine Keilform auf. In unserem Test kamen wir zu dem Schluss, dass das Honeycomb-Tablet gut in der Hand liegt und sich vor allem für das Spielen gut eignet. Dafür wurde das Tablet S wohl auch konzipiert, inzwischen ist der Playstation Store dafür freigeschaltet. Mit der verbauten Infrarotschnittstelle lässt sich das Tablet auch als Fernbedienung für den Fernseher einsetzen.

Das Tablet P lässt sich zusammenklappen, sieht aus wie ein Brillenetui und erinnert an den Nokia 9210 Communicator oder diverse Psion-Modelle. Die Benutzeroberfläche mit einer Auflösung von insgesamt 1.024 x 960 Pixeln ist auf zwei 5,5-Zoll-Bildschirme verteilt, womit nicht alle Android-Anwendungen zurechtkommen. Dass die App-Entwickler den Doppelbildschirm künftig berücksichtigen werden, ist aber fraglich. Ärgerlich fanden wir auch, dass das Honeycomb-Tablet nur 4 GByte Speicher besitzt. Für ein portables Multimediagerät ist das deutlich zu wenig.

Auch Android 2 kann gut mit Tablets funktionieren

Etwas ungewöhnlich war 2011 die Vorstellung des HTC Flyer, eines modernen Tablets mit 7-Zoll-Bidlschirm und stark angepasster Oberfläche, aber nur Android 2.3. Die Oberfläche HTC Sense ermöglichte dennoch eine gute Tablet-Erfahrung. HTC hat damit Ähnliches geschafft wie Samsung im Jahr 2010 mit dem ersten Galaxy Tab.

Zudem hat HTC die Bedienung mit einem Stift integriert, wenn auch nur für Notizen. Mittlerweile gibt es das HTC Flyer auch mit Android 3 alias Honeycomb. Vor ein paar Wochen hat HTC damit angefangen, die neue Android-Version 3.2 zu verteilen, wenn auch nur für einige Varianten des Tablets.



Und das iPad...?

... fragt sich der Leser jetzt bestimmt. Natürlich haben wir Apples iPad 2 getestet, und der Test ist der meistgelesene Tablet-Test in unseren Statistiken. Bei Hardwaretests allgemein ist das iPad 2 sogar auf dem zweiten Platz. Nur Asus' Ultrabook UX31 stieß bei unseren Lesern auf noch größeres Interesse. Den dritten Platz belegt übrigens ein weiteres Notebook: Golems Aprilscherz in Form eines Tests des Compaq Aero 4/33. Das Notebook hat zumindest in zwei Dimensionen fast die gleichen Ausmaße wie das iPad 2: Es ist fast genauso breit und hoch, aber deutlich dicker.

Das iPad 2 gefiel uns sehr gut: Es bot zu dem Zeitpunkt unschlagbare Akkulaufzeiten bei geringem Gewicht und sehr dünnem und doch stabilem Gehäuse. Nur Displayprobleme, die mit der ersten Produktionscharge zusammenhingen, störten etwas. Bei einigen Displays war das Hintergrundlicht nicht gut genug abgeschottet, so dass es bei dunklen Flächen durchschienen.

Das iPad 2 trieb damit auch die Konkurrenz an und überraschte sie mit dem Design, dem geringen Gewicht und der langen Akkulaufzeit. Mit dem ersten iPad hatte Apple bereits Maßstäbe gesetzt, mit dem zweiten gelang das erneut - sehr zum Ärger der Konkurrenz, die gerade einmal das iPad der ersten Generation verdaut hatte.

Von der Entwicklung profitierten auch solche Nutzer, die zwar ein Tablet wollten, aber keinesfalls ein iPad. Denn Android-Geräte würden heute nicht so aussehen, wie sie es tun, wenn Apple nicht die Richtung vorgegeben hätte. Bei Akkulaufzeit, Design und Gewicht kann die Android-Konkurrenz mittlerweile im selben Preissegment mit Apple mithalten. Andererseits ist der Schritt zum Tablet kein besonders großer gewesen. Böse Zungen behaupten, dass ein Tablet eigentlich nur ein großgezoomtes Smartphone ist. Das liegt daran, dass sich die Hardware sehr ähnelt und auch das Betriebssystem eigentlich nur für das größere Display angepasst werden muss.



Eine Zukunft für Billigtablets?

Golem.de hat am Rande auch die zahlreichen Billig- und Billigsttablets betrachtet. Über Geräte, wie sie Intenso oder Archos unter der Marke Arnova auf den Markt bringen, berichten wir, um die Entwicklung abseits des High-End-Markts zu illustrieren: Tablets mit veralteten Android-Versionen als Ware für den Discounter. Hier zählt vor allem der Preis, so dass die Tablets auch die Masse erreichen können.

Vom rein technischen Standpunkt sind die Geräte allenfalls durch ihre selten gewordenen Komponenten interessant: sehr alten Single-Core-Prozessoren, Displays mit TN-Technik und schlechter Farbdarstellung, die bei hochwertigen Tablets glücklicherweise fast nicht mehr zu finden sind, und resistiven Touchscreens. Diese Folientouchscreens sind zwar, weil handschuhtauglich, toll für den Winter, beherrschen aber kein Multitouch und sind nicht mit leichten Berührungen bedienbar. Das gilt vor allem, wenn günstige resistive Touchscreens eingesetzt wurden.

Dass Android in der für Tablets eigentlich ungeeigneten Version 2.x installiert wird, macht diese Geräte für versierte Anwender nur interessant, wenn sie entsprechend viel Zeit reinstecken. Denn so vorbildliche Anpassungen, wie sie etwa Samsung oder HTC mit ihren Android-2-Tablets geschafft haben, sind bei günstigen Tablets anscheinend nicht möglich. Häufig fehlt bei den Billiggeräten sogar der Android Market, und der Anwender muss auf einen Minimarkt des Herstellers zurückgreifen oder sich die Software mühsam selbst zusammensuchen, um sie zu installieren.

Bis Android 3.x alias Honeycomb in Billigtablets auftaucht, wird es wohl noch dauern. Eines der günstigsten Android-3.0-Tablets ist das Aldi-Tablet von Medion, das rund 400 Euro kostet und damit kein Billigtablet ist. Es gehört mit seiner guten Ausstattung in die gehobene Kategorie; so hat es etwa einen Tegra-2-Dual-Core-Prozessor und ein UMTS-Modem, was bei diesem Preis selten ist. Zudem soll das Tablet auch Android 4.0 bekommen, wie ein Medion-Vertreter erklärte. Wer ein ordentliches Tablet haben will, muss wohl auch im Jahr 2012 viel Geld investieren.



2012: Das Jahr der Quadcore-Tablets?

Was im nächsten Jahr kommt, steht im Zeichen der Ziffer 4. Android 4.0 wird sich bei neuen High-End-Produkten durchsetzen, und statt zwei Kernen haben immer mehr Tablets vier. Diese Tablets bleiben hochpreisig, sind aber auch entsprechend gut ausgestattet. Im Falle von Nvidias Kal-El alias Tegra 3 kann der Anwender theoretisch hochwertige Grafik bei Spielen erwarten. Ob der fragmentierte Android-Markt allerdings Entwickler wie Chair/Epic Games anzieht, bleibt abzuwarten. Hier dominiert noch immer das iPad, wo es grafische Höchstleistungen wie etwa in Infinity Blade 2 zu sehen gibt.

Nvidia versucht gegenzusteuern und hat 2011 bereits verstärkt seine Tegra-Zone-App vermarktet. Der Grund: Android-Nutzer können somit immerhin Spieletitel finden, die den Grafikkern von Tegra-Chips halbwegs ausnutzen. Die Auswahl ist aber noch mickrig. Nvidia muss sich sehr anstrengen, um Spieleentwickler auf die Android-Plattform zu bringen. Nvidias Kal-El mit seinen 4+1-Kernen ist dabei nicht einmal der einzige SoC-Lieferant. SoC mit vier Kernen gibt es auch von Qualcomm (APQ8064) oder Texas Instruments (OMAP4470).

Ein Wettrüsten gibt es auch bei den Grafikeinheiten. Neben Nvidia sind Imagination Technologies (SGX543MP4+) und ARMs Mali-T658 interessant, die ebenfalls deutliche Leistungssteigerungen bei ihren Rechenwerken schaffen wollen. Letztendlich machen die Tablets gerade eine ähnliche Entwicklung durch wie PCs in den vergangenen Jahrzehnten.

Und auch Apple wird wohl nicht tatenlos zusehen und die iOS-Plattform weiter fragmentieren. Ein neues iPad mit vier Kernen und schneller Grafikeinheit gilt als wahrscheinlich. Der Prozessor wäre auch eine gute Voraussetzung für ein Retina-iPad-Display mit einer in beiden Dimensionen verdoppelten und damit effektiv vervierfachten Auflösung. Schon im März könnte es so weit sein, wenn sich aktuelle Informationen aus den Märkten bewahrheiten.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage: Wozu eigentlich so viele Kerne? Moderne und gleichzeitig leichte Notebooks haben nur zwei, Tablets dagegen vier und mehr. Die Antwort ist: Die typischen Prozessoren von Tablets sind an sich nicht so leistungsfähig, auch wenn teils mit GHz-Zahlen geworben wird, die mit einer 2 beginnen. Gerade bei rechenintensiven Aufgaben kann ein Tablet durch vier Kerne profitieren.

Mitunter wird die Arbeit aber auch einfach aufgeteilt. Ein gutes Beispiel ist Nvidias fünfter Kern im Tegra 3. Dieser wird nur verwendet, wenn nichts oder wenig zu tun ist und damit wird die Stärke moderner ARM-SoCs besonders gut ausgespielt: Sie sparen Strom. Auch der OMAP4470 arbeitet so. Zwei der Kerne sind fürs Stromsparen designt worden. In der Werbung wird das dann als Quadcore dargestellt. In der Praxis wechselt das Tablet hingegen einfach nur von einem Dual-Core-Prozessor zum nächsten, je nach Anforderung.

Auffallend ist, dass beispielsweise Texas Instruments schon im Juni 2011 angekündigt hat, dass Auflösungen von 2.048 x 1.536 Pixeln mit dem neuen Grafikkern angesteuert werden können. Ein 30-Zoll-Tablet wird damit wohl kaum realisiert und für den Full-HD-Fernseher ist es zu viel. Hoch-DPI-Displays werden 2012 wohl Realität werden und damit werden einzelne Pixel nur noch für ITler mit Adleraugen (oder Lupe) auf Tablets erkennbar sein.



Fazit und Ausblick

Tablets sind integraler Bestandteil des technisierten Haushalts geworden. Nach dem Desktopcomputer, der zunehmend vom Laptop und Netbook verdrängt oder ergänzt wird, und der Entwicklung vom einfachen Handy zum Smartphone ist das Tablet als Geräteklasse zwischen dem Telefon und dem Rechner positioniert. Ein Gerät, das sich für die Couch eignet und ohne Booten auch unterwegs sofort einsatzbereit ist.

Die Tablets werden das digitale Leben damit auch in Zukunft bestimmen. Allerdings wird es eine Auslese geben. Chancenlos bleibt wohl RIMs QNX-basiertes Playbook OS. WebOS wird es als Open-Source-Alternative schwer haben. Die Hardwarehersteller haben gerade erst erfahren, dass HP WebOS als quelloffene Software anbieten wird. Sie müssen erst abwägen, ob sich die Entwicklung von Hardware lohnt; ein Prozess, der weit in das Jahr 2012 reichen könnte. Zu hoffen wäre es, denn das Potenzial beim Betriebssystem WebOS ist mit seinem ausgereiften Bedienkonzept da.

Hauptproblem bleibt wohl im kommenden Jahr der Preis. Schon 2011 hat es kaum ein Hersteller geschafft, Apple preislich deutlich zu unterbieten, ohne dabei an Qualität einzubüßen. HP hat mit seinem Touchpad versucht, bei gleichen Preisen zu punkten. Um eine neue Plattform durchzusetzen, muss anscheinend, wie bei Spielekonsolen, die Hardware subventioniert werden. Das zeigte HPs später Erfolg beim Abverkauf der Touchpads, von dem nur gut informierte Nutzer wussten und der dennoch reichte, um im dritten Quartal 2011 fünf Prozent Marktanteil und damit Platz 3 zu erreichen. Bei Android funktioniert das aber auch ohne Preisabschlag. Samsung hat genug Interesse geweckt und überzeugt vor allem die Fraktion, die wegen der Restriktionen schlicht kein iPad will und deshalb bereit ist, mehr zu zahlen. Vor allem ist Android aber auch vielfältig: Asus und Acer haben interessante Tastaturkonzepte und Sony hat ein Klapptablet. Bei Letzterem ist aber wieder der Preis ein Problem. 600 Euro für Minimalausstattung mit 4 GByte Speicher ist einfach zu viel.

Spannend wird es, wenn Microsoft versucht, mit Windows 8 den Markt der Tablets zu erobern. Windows 8 funktioniert auf ARM-Prozessoren, die energiehungrigen x86-Prozessoren braucht Microsoft dann nicht mehr. Allerdings wird auch nur neue Software funktionieren. Dass Microsofts Marktmacht ausreicht, darf zumindest bezweifelt werden. Schließlich muss für ein Windows-8-Tablet neue Software entwickelt werden, wenn diese auf den ARM-Versionen des Systems arbeiten soll und nicht nur auf einem Windows-Gerät mit x86er-CPU.

Wenig Zweifel sind wohl beim iPad der nächsten Generation angebracht. Die Nutzerbasis ist mittlerweile so groß geworden, dass sich die Geräte auf jeden Fall verkaufen werden. Allenfalls eine gewisse Sättigung wird sich wohl bemerkbar werden, es sei denn, Käufer des iPads der ersten Generation bekommen einen Wechselgrund. Beim iPhone ist es Apple bisher immer gelungen, Nutzer der vorletzten Gerätegeneration und Neulinge zugleich anzusprechen. Der Erfolg des iPads bleibt damit ein Problem für die Konkurrenz, da Apple den Komponentenmarkt langfristig bindet. Die Konkurrenten müssen zusehen, wie sie ihren Anteil in der Versorgungskette sichern und trotzdem preislich attraktiv bleiben.

Der Übersicht wegen listen wir noch einmal alle Tablets auf, die wir in diesem Jahr getestet haben:

 (ase)


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