Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1112/88286.html    Veröffentlicht: 08.12.2011 11:13    Kurz-URL: https://glm.io/88286

Download statt Kino

Sonys Abkehr von proprietären Formaten

MP3-Downloads über die Handyrechnung und Filme per legalem Stream, während sie noch im Kino laufen - all das strebt Sony an. Finanzchef Robert Wiesenthal will den Umgang mit Medien grundlegend ändern.

Sony kann als Hersteller von Hard- und Software eigentlich als Musterunternehmen gelten, hat der Konzern doch die Kontrolle über die Inhalte und die Abspielgeräte. Das will sich Sony nun zunutze machen, wie Cnet berichtet. Entsprechende Pläne umriss der Finanzchef von Sony America, Robert Wiesenthal, auf der UBS Media Conference.

An erster Stelle steht für den Manager die Abkehr von proprietären Formaten. Mit unter anderem der Minidisc, dem Memory Stick und dem Komprimierverfahren Atrac hatte Sony immer wieder versucht, eigene Techniken zu etablieren. Dass das nicht mehr zur Strategie gehört, stellte Wiesenthal nun klar und verwies auf die enge Zusammenarbeit mit Google für Smartphones unter dem Betriebssystem Android, das Sony seit Jahren in vielen Geräten anbietet.

Über Smartphones will Sony in Zukunft auch vermehrt Musik verkaufen. Das fällt dem Unternehmen leicht, da es mit Sony Music eines der Major Labels besitzt. Als bevorzugtes Bezahlsystem sieht das Unternehmen dafür die Telefonrechnung mit einer Musikflatrate. Die Idee ist nicht neu, konnte sich bisher aber nicht durchsetzen. Wiesenthal sieht nun aber eine neue Chance, weil Sony kürzlich die Musikrechte von EMI erworben hat, die 1,3 Millionen Songs umfassen.

Musikverlag statt Label

In Zukunft, so der Finanzchef, solle Sony Music nicht mehr nur wie ein Label, sondern wie ein Musikverlag und Publisher arbeiten. Das umfasst unter anderem den Handel mit Rechten, eine Voraussetzung für den Vertrieb nicht nur der eigenen Werke. Bei Sony macht laut Wiesenthal der Verkauf von Musik für die Publishing-Abteilung nur 17 Prozent aus, und dieser Bereich sei "gegen Piraterie immun".

Bestes Beispiel für ein Geschäftsmodell, das ohne eigene Werke auskommt, ist Apple: Um seinen eigenen Musikvertrieb zunächst für iPods anzukurbeln, schloss das Unternehmen immer wieder neue Vertriebsabkommen mit Labels und Musikverlagen. Inzwischen ist iTunes die größte und umsatzstärkste Plattform weltweit für den Vertrieb von Musik.

Während sich diese Methode in der Musikbranche durchgesetzt hat, ist der digitale Vertrieb von Kinofilmen nach wie vor umstritten - vor allem, weil die Kinos noch immer das Erstaufführungsrecht für sich beanspruchen. Robert Wiesenthal ging in seinem Vortrag auf die für die Filmtheater unaussprechliche Idee ein, Filme digital zu veröffentlichen, während sie noch in den Kinos laufen. Dabei sollten die Lichtspielhäuser "in die digitale Wertschöpfungskette" eingebunden werden. Wie das geschehen soll, sagte der Sony-Manager jedoch nicht.

Als Beispiel dafür, dass der schnelle digitale Vertrieb funktioniert, nannte er den Film "Bad Teacher" von Sony Pictures. Sein Unternehmen hatte damit ein Experiment gewagt: Der Streifen wurde über das neue Sony Entertainment Network als Download angeboten, noch bevor er auf DVD und Blu-ray erschien. Wiesenthal zufolge hatte das keinen nennenswerten Einfluss auf die Umsätze mit den Discs.  (nie)


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