Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1112/88205.html    Veröffentlicht: 05.12.2011 16:27    Kurz-URL: https://glm.io/88205

Google

EU-Wettbewerbsuntersuchung geht in die nächste Runde

Der Druck aus Brüssel auf den Suchmaschinenbetreiber und Werbegiganten Google wegen seines möglicherweise wettbewerbsverzerrenden Rankings konkurrierender Suchmaschinen steigt weiter. Die EU-Kommission hat laut Medienberichten einen Beschwerdekatalog mit mehr als 400 Seiten Umfang vorbereitet.

Verhält sich Googles Ranking-Algorithmus unfair gegenüber der Konkurrenz? Diesen Vorwurf haben vergangenes Jahr verschiedene Betreiber von Spezialsuchmaschinen erhoben und die EU-Kommission zum Einschreiten aufgerufen. Die Kommission beschloss nach einer entsprechenden Voruntersuchung, ein formales Verfahren gegen Google zu eröffnen. Nun wird Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt zu Gesprächen mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia nach Brüssel fliegen - laut Financial Times, um ihm einen Höflichkeitsbesuch abzustatten.

Neben der von Google geplanten Motorola-Übernahme könnte dabei auch die laufende Wettbewerbsuntersuchung zur Sprache kommen. Dabei würde es nach Aussage von Almunia gegenüber US-Journalisten jedoch nicht "um Details" gehen, sondern eher um einen "Austausch über die Standpunkte", berichtet die Financial Times.

Die Wettbewerbsdirektion der EU-Kommission soll einen mehr als 400 Seiten starken Katalog mit Beschwerden von Google-Konkurrenten vorbereitet haben. Die deutlich kleineren Wettbewerber hatten Google vorgehalten, Links zu eigenen Spezialangeboten immer deutlich besser in der Trefferliste zu platzieren als Links zu ihren Angeboten. Google hatte die Vorwürfe bisher stets zurückgewiesen.

Allerdings hatten die Harvard-Forscher Benjamin Edelman und Benjamin Lockwood mit einem Experiment Anfang des Jahres Zweifel an Googles Aussagen aufkommen lassen. Sie erklärten, es gebe Gründe für die Annahme, dass Googles öffentliche Beteuerungen, die Suchergebnisse seien nicht manipuliert, nicht der Wahrheit entsprechen würden.

Von Googles Antworten auf den Fragenkatalog der EU-Kommission dürfte es abhängen, ob diese ein formales Verfahren wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens einleitet. Wie die Kommission schon im Microsoft-Verfahren gezeigt hat, schreckt sie vor der Verhängung sehr hoher Geldbußen nicht zurück. Für Google könnte es um Hunderte von Millionen Euro gehen.  (rag)


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