Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1111/88039.html    Veröffentlicht: 28.11.2011 13:48    Kurz-URL: https://glm.io/88039

Star Wars

Die ersten 60 Minuten in The Old Republic

Aliens vom Volk der Fleischräuber, Jedi-Schüler mit Übungsklingen und Unterhaltungen per Holokommunikator: Die ersten 60 Minuten in Biowares The Old Republic bieten neben stimmiger Star-Wars-Atmosphäre auch ein paar Überraschungen.

Gut oder böse, Rebellen oder Imperium, Jedi oder Sith - diese Frage bewegt das Star-Wars-Universum. Und auch in The Old Republic müssen wir - sobald wir das lange und aufwendige Intro angesehen haben - eine Entscheidung treffen: Treten wir der eher für das Gute stehenden "Galaktischen Republik" bei? Die ist laut Beschreibungstext am Anfang der Charaktererstellung "eine riesige Demokratie, die vom Obersten Kanzler regiert wird" und "eine wilde Mischung aus zahlreichen Welten, Firmen und Spezies, die oft miteinander in Konflikt geraten". Oder hören wir auf diese leise, finstere Stimme in uns und treten dem Sith-Imperium bei? Dabei handelt es sich um eine "starre militärische Gesellschaft, in der alle Fremdlinge unterjocht werden". Es wird vom "allmächtigen Sith-Imperator regiert", und es "zählt nur Macht und nur die Stärksten erlangen Ruhm". Keine einfache Entscheidung, die wir da zu Beginn unserer Karriere als Sternenkrieger fällen müssen...

Vor der Machtfrage standen wir in der Betaphase von Star Wars: The Old Republic, an dessen Fertigstellung Bioware derzeit arbeitet. Nach aktuellem Stand erscheint das Onlinerollenspiel am 20. Dezember 2011. Es ist der bislang ambitionierteste Versuch, so etwas wie eine Konkurrenz zu Blizzards World of Warcraft auf die Beine zu stellen. Um an der Beta teilzunehmen, mussten wir einen rund 20 GByte großen Client runterladen und uns dann im Spiel für einen von 14 deutschsprachigen Servern entscheiden. Die waren in der Stress-Test-Phase gut gefüllt, teilweise gab es sogar Warteschlangen, die im Falle unserer Besuche aber nach maximal fünf Minuten abgearbeitet waren.

Nach der Wahl der hellen Seite der Macht stand die nächste schwierige Entscheidung an: Wir können uns für eine Karriere als Jedi-Ritter, Jedi-Botschafter, als Schmuggler oder Soldat entscheiden. Klare Sache, dass wir für unseren Erstbesuch in The Old Republic den Jedi-Ritter nehmen - da glauben wir immerhin zu wissen, was wir kriegen: Lichtschwertkämpfe und das ganz große Abenteuer! Dann wählen wir noch rasch zwischen Mann und Frau und legen dann im umfangreichen Menü noch Details wie die Frisur, die Nasenbreite, den Teint und den Namen fest, unter dem uns die Bewohner des Universums hoffentlich bald verehren dürfen.

Das eigentliche Spiel fängt dann wie ein Star-Wars-Film an: Ein galaktischer Text fliegt ins Bild, mit der Vorgeschichte um einen jungen Padawan mit besonderer Macht, der sich aber noch ausbilden lassen muss - damit sind wohl wir gemeint. Nach ein paar weiteren Augenblicken sehen wir, wie uns ein Raumschiff auf dem Planeten Tython absetzt. Wenig später unterhalten wir uns mit einem Jedi-Meister namens Derrin Weller über unsere Ankunft und die Ausbildung. Weller parliert in erstklassiger deutscher Sprachausgabe, wir geben unsere Antworten in einem Kreismenü, das stark an Mass Effect 2 und andere Werke von Bioware erinnert; die einzelnen Sätze des Dialogs lassen sich übrigens mit Druck auf die Leertaste abbrechen.

Plötzlich gibt es ein Problem: Fleischräuber greifen die Jedi-Akademie an. Wir denken erst, was uns als stolzen Jedi denn solch ein profanes Problem wie Mundraub in der Sternenkrieger-Kantine angeht. Dann merken wir aber doch noch rechtzeitig, dass es sich bei den Fleischräubern offenbar um eine unsagbar böse außerirdische Rasse handeln muss. Meister Weller schickt uns los, um in einem Areal namens "Gnarls" zehn dieser Gegner zu erledigen - jawohl, gleich der erste kleine Einsatz von The Old Republic erinnert nur allzu deutlich an die guten, alten "Kobold"-Tutorialmissionen aus World of Warcraft.

Taxifahrt in die Gnarls

Meister Warren gegenüber lassen wir uns die Enttäuschung natürlich nicht anmerken. Stattdessen marschieren wir los - was dank etablierter WASD- und Maussteuerung kein großes Problem ist. Die Mini-Map befindet sich rechts unten am Bildschirmrand, sie lässt sich vergrößern und über das ganze Bild legen. Sobald wir dann laufen, wird die Karte fast ganz durchsichtig. Das ist sehr praktisch, um unser erstes Ziel zu finden: ein quietschgelbes Lufttaxi, das uns in einem schick animierten Flug vollautomatisch zu den Gnarls bringt.

Parallel mit einigen anderen Kadetten der Adademie stürzen wir uns dann auf Fleischräuber, die sich als kräftige Biester mit überentwickelter Kopfbreite, aber nur unterentwickelter Angriffskraft entpuppen. Jedenfalls ist es kein Problem, in kürzester Zeit zehn von ihnen mit der Übungsklinge - so heißt unser erstes Lichtschwert - auszuschalten. Die Kämpfe sind zumindest zu Beginn äußerst simpel: Gegner anklicken, ab und an zwischen Hieb und Stich wählen, dann läuft das schon. Ein blauer Lichtstrahl markiert Gegner, die Beute hinterlassen, mit einem Klick können wir das gesamte Erbe in unser Inventar verschieben.

Exakt nach Gegner Nummer 10 meldet sich Meister Warren, und zwar als halbtransparentes Hologramm direkt über unserer Handfläche - sehr praktisch, so entfällt der Weg zurück, nur um "Mission erledigt" zu melden. Allerdings hat sich unser Ausbilder verletzt, wir sollen uns also allein auf den Weg zu einem Höhlendurchgang aufmachen, den die Fleischreißer verwenden, um in das Tal zu gelangen.

Parallel gibt es den ersten Stufenaufstieg. Um davon etwas zu haben, müssen wir einen Lehrer namens Meister Travin besuchen, der sich - bestimmt purer Zufall - gerade in der Nähe aufhält. Per Knopfdruck lernen wir "Machtsprung" und können uns ab sofort mit einem schick animierten Jedi-Riesenhüpfer auf Feinde in der Nähe stürzen. An welche Fähigkeit des Kriegers in World of Warcraft das erinnert, behalten wir an dieser Stelle für uns...

Die paar Meter bis zu der Höhle, zu der uns Weller schickt, bewältigen wir zu Fuß - und bewundern dabei die Landschaft: die mächtigen Bäume, das saftig grüne Gras, den idyllischen Fluß und die vielen mysteriösen Statuen, die überall in der parkähnlichen Umgebung stehen. Die Grafik ist nett - keine Lichtjahre besser als World of Warcraft, aber schön anzusehen.

Abenteuer in der ersten Instanz und Fazit

Beim Betreten der Höhle weist uns ein kurzer Text darauf hin, dass wir ein für uns instanziertes Gebiet betreten. Dort sind weitere Fleischräuber, und dann eine Überraschung: Ein Jedi namens Callef wartet mit gezücktem Lichtschwert auf unsere Ankunft. Nach ein paar Worten wissen wir, dass Callef hinter den Angriffen steckt, nach ein paar Lichtschwerthieben liegt er besiegt am Boden. Ein weiterer Jedi-Meister namens Orgus Din taucht auf. Der steht zum Glück auf unserer Seite. Wir plaudern, er gibt sich überaus beeindruckt von unserer Kampfkunst - wäre ja auch noch schöner, wenn wir als angehender Super-Jedi nicht zumindest ein bisschen Eindruck geschunden hätten!

Meister Din verschließt per Erderschütterungsmacht den Durchgang der Fleischräuber und schickt uns zum nahe gelegenen Jedi-Tempel. Wir machen uns auf den Weg, der diesmal etwas länger ist. Zwischendurch müssen wir uns gegen fremdartige Raubkatzen wehren, aber auch das ist - auf mittlerweile Stufe 3 - kein großes Problem.

Ein paar Meter weiter laufen wir leider einem übriggebliebenen Elite-Krieger der Fleischräuber in die Hände, der uns innerhalb weniger Augenblicke in Grund und Boden kämpft. The Old Republic spricht in solchen Fällen offenbar grundsätzlich nicht von "Tot", sondern nur von "Besiegt" und lässt uns ohne erkennbaren Erfahrungspunkteabzug von der nahe gelegenen Jedi-Akademie aus weitermachen.

Kurz vor dem Tempel bittet uns eine junge Frau in einer Zwischensequenz um einen Gefallen: Sie möchte in einem ruhigen Moment mit uns vertraulich sprechen, ob das wohl später möglich wäre... Wir wissen nicht, worum es geht - aber offensichtlich deutet sich da ein weiterer Teil der Handlung an.

Im Tempel selbst laufen wir zum markierten Zielort. Dort erwartet uns der erste und einzige Bug, den wir zu sehen bekommen: Unser Gesprächspartner, eine besonders mächtige (und gut aussehende) Jedi-Dame, steht als bestenfalls 10 Zentimeter große Figur in einem wilden Polygonhaufen. Kein Problem, wir hören uns trotzdem an, was sie uns über einen wichtigen Kodex der Jedi erzählt, und dass wir uns unbedingt daran halten sollen.

Fazit

Das versprechen wir ihr - und beenden dann die ersten 60 Minuten in unserer Karriere als Jedi-Ritter. Wir sind schon gespannt, wie es weitergeht, denn Star Wars: The Old Republic spielt sich dank der gut gemachten Zwischensequenzen tatsächlich eher wie eine spannend inszenierte Einzelspielerkampagne, was neugierig auf die Handlung macht. Davon abgesehen, erinnert uns zumindest in der ersten Stunde ein bisschen zu viel an World of Warcraft. Die erste Mission lässt jedenfalls wenig Gutes im Hinblick auf möglicherweise typische Standardquests erwarten. Unterm Strich haben wir trotzdem Lust, dem ersten Onlinerollenspiel von Bioware eine Chance zu geben, und insbesondere den Fans von Star Wars dürfte die stimmige Atmosphäre gut gefallen.

In der Rubrik "60 Minuten" nimmt Golem.de einen Titel für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann und soll dieser erste Eindruck nicht ersetzen. Er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.  (ps)


Verwandte Artikel:
Star Wars: Showrunner von Game of Thrones werden Sternenkrieger   
(07.02.2018, https://glm.io/132644 )
Bioware: Hilfe für Sternenkrieger kommt aus Irland   
(27.09.2011, https://glm.io/86681 )
Star Wars: EA nennt Erscheinungstermin und Preise für The Old Republic   
(25.09.2011, https://glm.io/86650 )
World of Warcraft: Talentrechner für Mists of Pandaria im Netz   
(23.11.2011, https://glm.io/87943 )
Sea of Thieves: Segel setzen mit sechs Systemanforderungen   
(13.02.2018, https://glm.io/132752 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/