Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1111/88006.html    Veröffentlicht: 25.11.2011 15:25    Kurz-URL: https://glm.io/88006

Zensur

Ex-Formel-1-Boss Mosley verklagt Google wegen "Orgie"

Der ehemalige Präsident des Automobilweltverbandes FIA, Max Mosley, hat in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern Klage gegen Google eingereicht. Der Suchmaschinenbetreiber soll Treffer ausblenden, in denen Mosley im Zusammenhang mit einer Orgie auftaucht, berichtet der Guardian.

Max Mosley macht Druck auf Google. Der ehemalige FIA-Präsident will die weitere Verbreitung von Nachrichten über eine Orgie mit Prostituierten verhindern, über die ursprünglich 2008 in der britischen Boulevardzeitung News of the World berichtet worden war. Dazu soll Google alle Links aus seinen Trefferlisten entfernen, die zu Inhalten führen, in denen Mosley im Zusammenhang mit der Orgie erwähnt wird.

Entsprechende Klagen hat Mosley in 22 Ländern eingereicht, darunter in Deutschland und in Frankreich. Das berichtet die britische Tageszeitung The Guardian und zitiert Mosley mit den Worten: "Das grundsätzliche Ding ist, dass Google die Anzeige [der Links] verhindern könnte, aber das tun sie aus Prinzip nicht."

Jetzt hofft Mosley, die jeweiligen nationalen Gerichte dazu zu bringen, Google zur Vorabzensur der Suchergebnisse zu zwingen. Er hat bereits erreicht, dass eine ganze Reihe von Zeitungen und Zeitschriften ihre Berichte vom Netz genommen hat. Entsprechende Links in Wikipedia-Artikeln zu Mosley führen nunmehr zu Fehlermeldungen.

Mosley war im Mai dieses Jahres mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gescheitert. Er hatte per Gerichtsurteil erzwingen wollen, dass Zeitungen und Zeitschriften ihn vorab darüber informieren müssen, wenn sie aus seinem Privatleben berichten wollen. Das hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte aber mit der Begründung zurückgewiesen, dass eine Pflicht zur Vorabinformation einen einschüchternden Effekt auf die Presse haben könnte.

Zuvor hatte das oberste britische Gericht die News of the World dazu verurteilt, wegen der unangemessenen Berichterstattung über das Treffen mit den Prostituierten 60.000 Pfund Schadensersatz sowie 420.000 Pfund Anwaltskosten an Mosley zu zahlen. Eine Pflicht zur Vorabinformation durch die Presse hatte das Gericht aber abgelehnt.

Die zu Rupert Murdochs Medienimperium gehörende News of the World wurde im Juli dieses Jahres auf Anweisung von Murdoch geschlossen, nachdem öffentlich geworden war, dass Redakteure der Zeitung in illegale Abhöraktionen verwickelt waren. Gegenwärtig befasst sich in Großbritannien ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit den Umtrieben der ehemaligen News-of-the-World-Redaktion.  (rag)


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