Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1111/87921.html    Veröffentlicht: 22.11.2011 18:10    Kurz-URL: https://glm.io/87921

Karotz

Der Internethase Nabaztag lebt und informiert weiter

Aldebaran Robotics lässt den Internethasen Nabaztag von Violet weiterleben und vertreibt dessen aktuelle Variante Karotz. Das Unternehmen war bekanntgeworden durch seinen humanoiden Roboter Nao.

Der mit Linux und Kamera bestückte Karotz, ein Nachfolger des Internethasen Nabaztag, hat ein neues Zuhause bekommen und der Karotz-Online-Shop ist wieder eröffnet. Der Karotz-Hersteller Violet wurde im Oktober 2011 ein zweites Mal verkauft, nun gehört er dem französischen Roboterhersteller Aldebaran Robotics.

Violet wurde 2009 von der Firma Mindscape übernommen, die zwar 2011 noch den Karotz einführte, aber im Juli/August 2011 die für den Betrieb der Hasen notwendigen Server abschaltete. Mindscape hatte auch den Quellcode der Server als Open Source veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die Version 2.0 der Serversoftware, die neuere Version 3.0 wird von Aldebaran kontrolliert und Entwickler können sie über ein SDK nutzen.

Karotz trifft Nao

Aldebaran Robotics will nun die für Nabaztag und Karotz entwickelten Onlinedienste in Kooperation mit Entwicklern aus dem Violet-Team weiterentwickeln und auch mit dem Roboter Nao verknüpfen. Zudem ist geplant, Interaktionsmöglichkeiten zwischen Nao, Karotz und Nabaztag zu entwickeln. Für Aldebaran ist die Violet-Übernahme ein Einstieg in das Geschäft mit Robotern für Endanwender.

Karotz ist die mittlerweile dritte Generation des Nabaztag und hebt sich davon vor allem durch die integrierte Kamera ab. Die fehlte den vorherigen Plastiklangohren noch und ermöglicht weitere Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten. Karotz kann etwa genutzt werden, um über das Internet einen Blick in die eigene Wohnung zu werfen oder als Bewegungsmelder einen Alarm auszulösen.

Langohriges Kommunikationsmittel

Außerdem sind durch die ebenfalls integrierten Mikrofone kostenlose Telefonate von Karotz zu Karotz oder Smartphone zu Karotz möglich. Karotz kann über Online-Apps beispielsweise den Wetterbericht, die Verkehrslage, die Nachrichten oder beliebige RSS-Feeds vorlesen. Das Gleiche gilt für den Facebook-Status und die Tweets von Freunden. Musik lässt sich in Form von MP3, Webradio und Podcasts über Lautsprecher im Hasen abspielen und dieser kann dadurch auch als Musikwecker verwendet werden.

Wie beim Nabaztag sind auch die Karotz-Ohren nicht nur Zierde. Die Elektronik kann sie mittels Motor drehen und außerdem ihre Position feststellen. So können etwa die Ohren von zwei über das Internet vernetzten Hasen synchronisiert und auch zum Austausch von Nachrichten verwendet werden. Im Bauch des Hasen stecken LEDs, die für Farbsignale und als einfache Statusanzeige dienen. Außerdem gibt es einen Knopf zum Start der Spracherkennung. Alternativ kann das Gerät über den Karotz-Controller mit dem iPad oder iPhone gesteuert werden.

Das Ding im Internet

Mit dem Nabaztag der zweiten Generation und dem Karotz propagiert Violet das Internet der Dinge (engl. Internet of Things). Dabei geht es um eine Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte mit einer virtuellen Repräsentation im Internet. Dazu ist ein RFID-Lesegerät in die Hasen integriert, die damit auf vor sie gehaltene, mit RFID-Tag (Flat Nanoz) versehene Alltagsgegenstände reagieren. So kann einem der vor den Hasen gehaltene Regenschirm über den Hasen mitteilen, ob er an dem Tag gebraucht wird oder wegen des vorausgesagten strahlenden Sonnenscheins zu Hause bleiben kann.

Karotz ist mit einem Arm-9-Prozessor mit 400 MHz, 64 MByte RAM, 256-MByte-Flash-Speicher und Embedded Linux ausgestattet. Zur Ausstattung gehören Mikrofone, Lautsprecher, RFID-Leser, zwei USB-1.1-Anschlüsse und WLAN. Die Ohren des Karotz lassen sich abnehmen und durch verzierte Varianten ersetzen. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, auch den Körper des Hasen individueller aussehen zu lassen. Zudem gibt es weiteres Karotz-Zubehör wie einen Akku, mit dem der Hase auch ohne Steckdose und Netzteil funktioniert.

Im Karotz Store von Aldebaran Robotics kostet Karotz 130 Euro, im Moment inklusive ein paar extra Ohren im Chrom-Look. Besitzer eines Nabaztag können für 70 Euro einen Karotz bestellen.  (ck)


Verwandte Artikel:
Robocup 2011: Bremer Roboter verteidigen Weltmeistertitel   
(11.07.2011, https://glm.io/84857 )
Super Bowl 2018: Amazon verhindert Alexa-Fehlbedienung wohl mit Frequenztrick   
(04.02.2018, https://glm.io/132572 )
Remote Desktop: Teamviewer kommt für IoT-Geräte wie den Raspberry Pi   
(22.01.2018, https://glm.io/132291 )
Das Haus der Zukunft entsteht in Karlsruhe   
(08.04.2010, https://glm.io/74326 )
Medion Smart Home im Test: Viele Komponenten, wenig Reichweite   
(29.03.2017, https://glm.io/126826 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/