Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1111/87734.html    Veröffentlicht: 14.11.2011 14:29    Kurz-URL: https://glm.io/87734

Test Saints Row 3

Gangster mit Dildos in Haha-Hasenkostümen

Halbnackte Frauen mit MGs, lustvoll inszenierte Verkehrsunfälle und fliegende Panzer: Der ewige GTA-Halbkonkurrent Saints Row geht mit The Third in die dritte Runde - und schafft es, die ersten Teile des Open-World-Epos mit noch mehr Wahnwitz zu übertrumpfen.

Eigentlich läuft für die Third Street Saints alles perfekt. Aus der aufstrebenden Gangster-Gruppe mit dem Hang zur Farbe Lila ist in Saints Row: The Third eine international bekannte Marke geworden, die mittlerweile zusätzliche Einnahmen aus der Vermarktung von Energy-Drinks und dem Lizenzverkauf zur Verfilmung der eigenen Geschichte einnimmt. Die regelmäßigen Banküberfälle zur Aufbesserung des Budgets lässt man sich trotzdem nicht nehmen - was zu Komplikationen führt. Ein neuerlicher Feldzug geht schief, die Bande legt sich versehentlich mit dem gefährlichen Syndikat an - und muss nach der ersten Mission das heimatliche Stilwater verlassen und im nicht allzu weit entfernten Steelport erneut um die Gangstervorherrschaft kämpfen.

Teil 1 von Saints Row erschien 2006 als halbwegs ernst gemeinte Konkurrenz zu GTA, seitdem hat sich die Reihe von THQ zunehmend durch schwarzen, teils skurrilen Humor vom großen Vorbild emanzipiert. Wegen der vielen Gewaltinhalte kam das erste Saints Row in Deutschland offiziell gar nicht, das zweite nur in stark geschnittener Form auf den Markt.

Im Steelport von The Third treiben im Namen des Syndikats bereits drei sehr unterschiedliche Gruppierungen ihr Unwesen. Natürlich ist es das erklärte Ziel der Saints, sich nicht einfach einzureihen, sondern sämtliche Konkurrenten in die Schranken zu weisen. Dazu wird als erstes ein eigener Gangster erstellt - was einige Zeit dauern kann, da die Auswahlmöglichkeiten bei der Charaktererstellung ebenso abstrus wie umfangreich sind. Ob im Fellkostüm oder fast nackt, dick oder dünn, Mann oder Frau, mit Maske, Tätowierungen, engem Gummigewand und furchteinflößender Stimme: Kaum Spieler werden mit identischem Charakter die Straßen unsicher machen.

Spielerisch präsentiert sich auch der dritte Teil über weite Strecken im klassischen GTA-Stil: Es gibt eine frei zu Fuß oder in Fahr- und Flugzeugen erkundbare Stadt, die es ermöglicht, auch abseits von Story und Hauptmissionen auf unzählige Arten und Weisen Geld und Respekt zu verdienen, sich in Minispielen zu versuchen oder Schaden anzurichten. Im Unterschied zu GTA - und auch zu den noch nicht ganz so durchgeknallten ersten beiden Saints-Row-Spielen - setzt The Third auf völlig überdrehte, wahnwitzige Action. Und legt nicht ganz so viel Wert auf die Geschichte. Es gibt zwar einige Wendungen, Überraschungen und witzige Gastauftritte, in Saints Row 3 funktionieren aber vor allem die schrägen und ungewöhnlichen Ideen.

Nebenmission Flugzeugträger

Natürlich gibt es zahllose Schießereien und Überfälle. Diese eher konventionellen Aufträge werden aber von den zahllosen Missionen und Nebenbeschäftigungen in den Schatten gestellt, in denen die Entwickler offensichtlich immer wieder versucht haben, einerseits so unrealistisch, andererseits so unterhaltsam wie möglich vorzugehen. Da darf mal spektakulär ein Flugzeugträger vernichtet oder aus einem Helikopter geschossen werden, dann wieder wird mit einem Panzer so viel Chaos wie möglich angerichtet oder in einer mörderischen TV-Show eine neue Bestleistung angestrebt. Zwischendurch gibt es Wrestling-Turniere, Chauffeuraufträge mit Wildkatze im Auto oder die Befreiung einer Prostituiertengruppe - Saints Row The Third strotzt nur so vor Abwechslung.

Erfolge verbessern stetig Macht, Besitz und Einfluss der eigenen Truppe, zudem verbessern sich die persönlichen Werte der Gangster, was sie mächtiger oder ausdauernder werden lässt. Wer das nicht alleine erleben will, kann Steelport übrigens auch mit einem Freund im Koop-Modus unsicher machen. Bei Koop-Missionen ist allerdings die deutsche Fassung nicht mit der internationalen kompatibel, da es für den deutschen Markt einige Anpassungen gab. So lassen sich hierzulande Passanten nicht als Schutzschild nutzen, auch beim Blut wurde geschnitten.

Die Abwechslung bei den Haupt- und Nebenaufträgen vermag es weitgehend, die durchaus vorhandenen spielerischen Schwächen auszugleichen. So ist die KI der Kontrahenten erschreckend niedrig - oft machen sie sich selbst das Leben schwer, der Schwierigkeitsgrad bei Schießereien oder Verfolgungsjagden steigt auf den niedrigeren Stufen wenn überhaupt eher aufgrund der Masse an Kontrahenten und weniger aufgrund ihres Verhaltens an. Auch technisch enttäuscht das neue Saints Row. In Steelport fehlt es oft an Details und Leben, Ruckler trüben zusätzlich das Bild. Immerhin gefällt die Musikkulisse.

Saints Row: The Third erscheint am 15. November 2011 für Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC und kostet etwa 60 Euro (Konsole) beziehungsweise 50 Euro (PC). Das Spiel hat trotz einiger Schnitte keine Jugendfreigabe von der USK bekommen und darf somit nur an volljährige Spieler - also ab 18 - verkauft werden. Zum Spielen der PC-Version ist eine Onlineaktivierung via Steam notwendig.

Fazit:

Saints Row 3 hat einige spielerische Makel - von der schwachen KI bis zu den nicht immer lustigen sexuellen und brutalen Geschmacklosigkeiten lässt sich einiges kritisieren. Trotzdem geht das Konzept "Humor ist Trumpf" über weite Strecken auf: Denn fernab von jeglichem Geschmack gelingt es dem Spiel mit seinen abwechslungsreichen Missionen, immer noch mehr Action plus Wahnwitz und oft herrlich anarchischen Irrsinn zu bieten. So bewährt sich Saints Row einmal mehr als der durchgeknallte und meist extrem unterhaltsame Bruder von GTA.  (tw)


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