Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1111/87483.html    Veröffentlicht: 03.11.2011 10:27    Kurz-URL: https://glm.io/87483

Ohne Verschlüsselung

Unitymedia öffnet digitale private TV-Programme

Unitymedia hebt auf Druck des Kartellamts die Verschlüsselung des privaten digitalen Fernsehprogramms auf. Damit soll die Übernahme von Kabel BW möglich werden.

Bei der Übernahme von Kabel Baden-Württemberg bietet Unitymedia dem Kartellamt einen Kompromiss an. Die Tochter des TV-Kabelnetzbetreibers Liberty Global will künftig ihre digitalen privaten Fernsehprogramme für den Endkunden nicht mehr verschlüsseln. Dadurch wird es Konkurrenten wie der Deutschen Telekom ermöglicht, ihr IPTV-Angebot mit dem Fernsehprogramm des Betreibers zu kombinieren. "Das ist eine einmalige Chance", erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen bei Unitymedia.

Unitymedia wollte sich offiziell nicht äußern und verwies auf eine offizielle Bekanntmachung am 3. November 2011. "Das war nicht einfach, die Liberty-Leute von diesem Kompromiss zu überzeugen", berichtet das Handelsblatt aus dem Kartellamt.

Damit könnte die Grundverschlüsselung faktisch vor dem Aus stehen. Ob das auch für HD-Programme gilt, die die privaten Sender gerade mit HD+ massiv anpreisen, ist unklar.

Liberty Global will über seine Konzerntochter Unitymedia die Nummer drei im deutschen Kabelgeschäft, Kabel BW, übernehmen. Damit will der Konzern des US-Medienunternehmers John Malone die Marktführerschaft in Deutschland erlangen. Liberty Global bietet knapp 3,2 Milliarden Euro für das Heidelberger Unternehmen. Malone plant, langfristig alle großen deutschen Kabelanbieter zu kaufen, um bundesweit TV-Kabelfernsehen und Internet anzubieten. Schon 2001 hatte John Malone für 5,5 Milliarden Euro das komplette deutsche Kabelnetz der Deutschen Telekom kaufen wollen. Doch das Kartellamt verhinderte den Deal und teilte die Kabelnetze regional auf. Einen Kauf von Kabel Deutschland durch Malone hatten die Behörden abgelehnt.

Telekom-Glasfaser

Malone sei neben dem Verzicht auf die Verschlüsselung mit weiteren Zugeständnissen einverstanden. So sei Unitymedia bereit, auch die sogenannte Exklusivitätsklausel aufzugeben. Bislang bestand der Kabelkonzern darauf, dass ausschließlich sein Kabel für den Fernsehempfang in den Haushalten genutzt werden kann. Fällt die Exklusivitätsklausel weg, ist es beispielsweise auch möglich, dass die Telekom ihr Glasfaserkabel in den Kabelhaushalt legen kann.

Die 7. Beschlusskammer des Kartellamts hatte gewarnt, dass durch die Übernahme von Kabel BW ein "marktbeherrschendes Oligopol" bei der Versorgung von Mietshäusern mit Fernsehen verstärkt werden würde. Die Telekom, an der der deutsche Staat weiter eine hohe Beteiligung hält, entwickelt über das Kartellamt Druck gegen die Unitymedia-Pläne.  (asa)


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