Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/87220.html    Veröffentlicht: 21.10.2011 14:20    Kurz-URL: https://glm.io/87220

Test Batman Arkham City

Superheld in Sandkastenstadt

Der Joker und andere Schurken geben keine Ruhe: Nach dem grandiosen Arkham Asylum kämpft Batman in der Fortsetzung Arkham City weiter - und kann sich fast nach Lust und Laune in einer düsteren Sandbox-Gefängnisstadt austoben.

Man nehme: Superschurken wie den Joker, Two-Face und den Pinguin, ein paar Tausend hirnlose Schläger und ein paar durchgeknallte Mutanten. Alle zusammen verfrachte man ohne nennenswerte Aufpasser hinter hohe Mauern. Was ist das Ergebnis? Genau: Probleme. Und die darf in Batman Arkham City erneut jener dunkle Ritter lösen, der bereits in Arkham Asylum gekämpft hat. Das neue Spiel mit dem Fledermausmann ist wieder auf Basis der Unreal-Engine bei den Rocksteady Studios in London entstanden. In vielen Bereichen ähnelt es dem Vorgänger, aber einen ganz großen Unterschied gibt es: Bruce Wayne folgt nicht mehr einer weitgehend linearen Handlung, sondern kann sich frei in der offenen Spielewelt bewegen und dabei sowohl der Hauptstory folgen als auch zusätzliche Abenteuer erleben.

Das Gefängnisgebiet ist nach außen abgegrenzt, der Spieler kann sich darin frei bewegen. Er kann durch die Straßen laufen - die sind aber oft durch Müll oder brennende Autowracks blockiert, außerdem tummelt sich dort allerlei rauflustiges Gesindel und Teile stehen unter Wasser. Wesentlich bequemer und schneller geht es in luftiger Höhe voran, indem sich Batman mit seinem Enterhaken von Dachrinne zu Dachrinne zieht. Es macht richtig Spaß, wenn der dunkle Ritter mit seinem Cape über Abgründe segelt oder sich mit elegantem Schwung an einem Turm emporzieht. Auf Knopfdruck steht eine dezent an GTA erinnernde Karte zur Verfügung, auf der die nächste Hauptmission sowie alle verfügbaren Nebenaufgaben eingezeichnet sind.

Je nachdem, ob der Spieler der Story folgen oder zusätzliche Einsätze absolvieren möchte, kann er sich ein Symbol mit der direkten Richtung auf den Kompass am Bildschirmrand legen - meist kommt man damit ohne größere Probleme ans Ziel. Um die Missionen dann tatsächlich zu starten, muss der Spieler manchmal Gebäude wie das Gericht, den Joker-Wachturm oder Lagerhallen betreten, die ähnlich linear wie im Vorgänger angelegt sind. Manchmal muss Batman aber auch unter dem düsteren Himmel der Gefängnisstadt nach Objekten oder Gegnern suchen - etwa, indem er einem Funksignal des Jokers folgt oder für einen Mutanten nach Sprengkörpern sucht.

Zumindest der Start der Handlung ist etwas anders aufgebaut als im Vorgänger. Es gibt zwar eine kurze Einführung für Einsteiger, aber dann begegnet der Spieler innerhalb er ersten ein, zwei Stunden allen wichtigen Gegnerbossen wie dem Joker, Two-Face, dem Pinguin und Mr. Freeze. Anfangs geht das fast etwas zu schnell und wirkt wie ein spannungsarmes "Best of Superschurke". Die Handlung entwickelt dann aber sehr schnell Fahrt und bietet wie im Vorgänger ein paar wirklich spektakuläre Überraschungen - mehr verraten wir hier nicht.

Wer nur der Story folgt, schafft es in acht bis zehn Stunden ins Finale, mit den zusätzlichen Aufgaben und Herausforderungen ist die Spielzeit locker drei bis fünf Mal so lang. Insbesondere in den Riddler-Rätseln, für die der Spieler in der Stadt verteilte Symbole sammeln muss, ist neben Action auch viel Knobelei gefragt - etwa, wenn Batman nur unter Kombination aller technischen Gerätschaften und Kletterkünste in einen scheinbar verschlossenen Raum gelangt. Nach dem Ende der Haupthandlung kann der Spieler sich weiter frei in Arkham City bewegen und Nebenquests abschließen oder Extras suchen. Außerdem kann er dann in einem noch höheren Schwierigkeitsgrad erneut die Kampagne angehen - schon mit allen Extras ausgestattet, aber mit spürbar härteren Kämpfen.

Kämpfen wie in Arkham Asylum

Kampfsystem und sonstige Aufgaben ähneln sehr dem Vorgänger. Wieder muss sich Batman im Nahkampf mit gut getimeten Angriffen gegen Massen von Feinden und ab und zu einem Riesenmutanten oder ähnlichen Herausforderungen wehren. Dazu kommen erneut zahlreiche Abschnitte, in denen er über den Köpfen von schwer bewaffneten Gegnern von Vorsprung zu Vorsprung springt und einen Opponenten nach dem anderen ausschaltet.

Eine der wichtigsten Waffen ist der nur dezent überarbeitete Detektivblick, mit dem Batman seine Gegner auch durch Wände und Decken sieht, Stromleitungen zu ihrem Schaltkreis oder sonstigen Spuren folgen kann. Ein paar neue Gadgets findet Bruce Wayne aber auch im Arsenal: etwa eine Stromimpulswaffe, mit der er gelegentlich Generatoren anwerfen und so Türen öffnen kann, und außerdem Gegner für sehr kurze Zeit lähmen kann.

Wer sich ein als Download erhältliches Addon auf die Konsole lädt, kann auch mit Catwoman durch die City ziehen. Die Dame verfügt über etwas andere Ausrüstung - sie zieht sich etwa mit einer Peitsche auf Dachrinnen, was von der Steuerung her minimal anders funktioniert. Sie kann an bestimmten Decken krabbeln und sich unbemerkt hinter Gegnern herunterlassen und verfügt noch über eine Handvoll weiterer katzenhaft wirkender Tricks. In den Kämpfen geht sie wesentlich eleganter als Batman zur Sache, kann aber auch wesentlich weniger Schläge einstecken. Wann der Spieler ihr Schicksal lenkt, bestimmt die Handlung.

Die Grafik orientiert sich weitgehend am Vorgänger, alle wichtigen Figuren sehen fast aus wie damals in Arkham Asylum. Bei den Animationen im Kampf haben die Entwickler dezent sichtbar weitere Feinarbeit geleistet, und die Zwischensequenzen gehören erneut zum besten, was es im Bereich der Computerspiele gibt. Die Außenwelt bietet im Vergleich auch mit großen Innenräumen etwas schwächere Texturen und Lichteffekte, dazu kommen ab und zu mal kleine Grafikfehler in der Darstellung weit entfernter Objekte - aber das ist wohl alles der unterm Strich dann doch sehr imposanten, riesigen Gefängniswelt geschuldet und stört nicht wirklich.

Batman Arkham City ist seit dem 21. Oktober 2011 für Xbox 360 und Playstation 3 für jeweils rund 60 Euro erhältlich. Die PC-Fassung erscheint nach aktuellem Stand am 11. November 2011. Für PC-Spieler dürfte es sich lohnen zu warten - unter anderem wegen der angekündigten vollen Unterstützung von DirectX-11. Allen Versionen liegt ein Code bei, mit dem sich der Spieler einmal die direkt ins Spiel integrierte, rund 250 MByte große Erweiterung mit Catwoman laden kann. Wer das Spiel gebraucht kauft, muss dafür rund zehn Euro ausgeben.

Alle Versionen erscheinen ohne inhaltliche Schnitte gegenüber der Originalversion und mit aufwendiger Übersetzung. Batman etwa hat der gleiche Schauspieler synchronisiert, der auch Christian Bale in den letzten Kinofilmen die Stimme geliehen hat. Allerdings sind nicht alle Figuren so gut besetzt, und manchmal wirken Dialoge oder Zwischensequenzen seltsam unterkühlt - es könnte sein, dass die Synchronsprecher (wie in der Gamesbranche üblich) ohne Vorlage der Originalszenen ans Werk gehen mussten. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Keine einfache Sache, das grandios erste Rocksteady-Spiel mit Batman noch zu übertrumpfen. Die Entwickler haben mit der weitgehend offenen Spielewelt eine gute Wahl getroffen: Das Supergefängnis sieht insgesamt nicht nur klasse aus, sondern bietet auch zusätzlich zu Haupthandlung und Nebenmissionen jede Menge Raum für Entdeckungen, Rätsel und sonstige Abenteuer - es macht sogar Spaß, sich einfach mal nur so von Dach zu Dach zu schwingen.

Davon abgesehen, ähnelt Arkham City dem Vorgänger sehr - so sehr, dass Spieler des ersten Teils vielleicht dann doch gelegentlich das Gefühl haben, das alles schon zu kennen. Die Nahkämpfe oder die Attacken von Vorsprüngen herunter sind wieder klasse gestaltet und machen Spaß, aber wer sich eine funktionierende Taktik im Vorgänger erarbeitet hat, kommt trotz des höheren Schwierigkeitsgrads teils allzu routiniert ans Ziel. Spieler, die den Vorgänger nicht kennen oder mit gelegentlichen Déjàvu-Erfahrungen leben können, finden aber auch sehr viele neue und vor allem spannende Abenteuer.  (ps)


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