Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/87156.html    Veröffentlicht: 19.10.2011 14:59    Kurz-URL: https://glm.io/87156

Test Ace Combat Assault Horizon

Zweikampfstarke Flugzeugaction

Soldaten an Standgeschützen, Hubschrauber, große Explosionen, das Satellitenbild eines Luftangriffs: Schon die Bilder auf der Verpackungsrückseite von Ace Combat: Assault Horizon machen deutlich, dass der Actiontitel für Xbox 360 und Playstation 3 nicht mehr nur ein Arcade-Flugzeugspiel sein möchte.

Da hat der Spieler all die Tutorial-Anweisungen auf dem Bildschirm befolgt und dutzende Feinde vom Himmel geschossen, trotzdem muss er schon in der ersten Mission hilflos die Explosion des eigenen Flugzeugs mitansehen. Per Quick-Time-Event betätigt er den Schleudersitz und erlebt den Fallschirmflug seines Piloten direkt über den Wolkenkratzern von Miami aus der Egoperspektive. All dies geschieht übergangslos aus dem laufenden Spielgeschehen heraus und ist nur ein Beispiel für die vielen gescripteten Ereignisse im neuen Ace Combat.

Zumeist werden diese wie auf Schienen verlaufenden Einlagen im Zweikampf mit einem Anführer des gegnerischen Geschwaders ausgelöst. Ist ein solch hartnäckiger Feind in Reichweite, folgt ihm das eigene Flugzeug automatisch durch Häuserschluchten, Canyons und Industrieanlagen. Das sieht besonders spannend aus, weil der Spieler es aus einer nahe am Geschehen positionierten Verfolgerkamera erlebt und um ihn herum Kulissenteile einstürzen oder gleich komplett explodieren.

Die Scriptsequenzen erfüllen ihren Zweck als Teil einer gelungenen Neuausrichtung, mit der Namco Bandais Serie näher an die Blockbuster-Kino-Atmosphäre eines Call of Duty heranrücken soll. Mit der eingeschränkten Freiheit in diesen interaktiven Zwischensequenzen werden eingefleischte Ace-Combat-Veteranen allerdings nicht glücklich. Zumal die eigentlich gewohnten Standardflugzeugkämpfe im Verlauf der Kampagne noch von weiteren Elementen unterbrochen werden.

Einige Railshooter-Abschnitte setzen den Spieler etwa an Hubschraubergeschütze oder lassen ihn aus einem Bomber heraus gezielte Luftschläge ausführen. Was im ersten Augenblick eine willkommene Abwechslung ist, wird in den oft viel zu langen Einsätzen so überstrapaziert, dass es bis zum Ende einer Mission dann doch etwas langweilt.

Im Hubschrauberflug zum Kreml

Durchweg überzeugend sind Levels, in denen der Spieler die komplette Kontrolle über einen Helikopter übernimmt. Vor allem eine Mission in Moskau ist uns dabei in Erinnerung geblieben, da sich hier ein spannendes Duell mit anderen Hubschraubern inmitten der Großstadtkulisse entwickelt.

Am Steuer eines Hubschraubers sollte der Spieler auf die Außenansicht verzichten und lieber die optional angebotene Cockpitperspektive wählen. Sonst verdeckt sein Fluggerät einen zu großen Teil des Bildschirms. Mit den schlankeren Flugzeugen hat der Spieler dieses Problem nicht, im Jet ist sowohl die Innen- als auch die Außenansicht übersichtlich.

Ein guter Blick aufs Himmelsschlachtfeld lohnt sich nicht nur zugunsten der Spielbarkeit, sondern auch wegen der Grafik von Assault Horizon. Schöne Lichteffekte sorgen bei unterschiedlichen Tageszeiten für Atmosphäre und Explosionen mit herumspritzendem Maschinenöl folgen jedem Abschuss. Dynamisch berechnete Trümmerteile sind das letzte fehlende Detail bei den Schlachten, zu deren abwechslungsreichen Schauplätzen sogar ein Hurrikan auf offener See zählt.

Nur tief am Boden sollte der Spieler keine Grafikpracht erwarten. Aus der Nähe betrachtet werden genretypische Matschtexturen und sehr polygonarme Miniobjekte unübersehbar, die im laufenden Gefecht aus der Vogelperspektive natürlich gar nicht auffallen.

Flugzeugnarren dürfen vor den meisten Einsätzen zwischen zahlreichen detailliert gestalteten Kampffliegern wählen, die sich spielerisch letztendlich nur in Bezug auf die Sekundärbewaffnung voneinander unterscheiden. Der eine Jet ist schneller, der andere wendiger, sobald die Action losgeht, folgt der Spieler aber letztlich in jedem Cockpit derselben Kampfroutine.

Dass Assault Horizon als unkompliziertes Actionfeuerwerk richtig viel Spaß macht, lässt über die vor Klischees nur so triefende Militärgeschichte der Kampagne hinwegsehen. Russische Piloten trinken hier natürlich viel Wodka und global agierende Terroristen sind im Besitz von abschussbereiten Superbomben - all das hat man in Ubisofts Tom-Clancy-Titeln schon oft genug gesehen. Da die Zwischensequenzen von Assault Horizon grafisch einen guten Eindruck machen, sorgen sie immerhin für kurzweilige Erholungspausen, ehe es in die nächste Schlacht geht.

Ace Combat: Assault Horizon ist über Namco Bandai am 14. Oktober 2011 für Xbox 360 und Playstation 3 erschienen und kostet etwa 60 Euro. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 16 Jahren vergeben. Das Spiel bietet sowohl kompetitive als auch kooperative Mehrspielermodi.

Fazit

Normalerweise schreiben wir am Ende eines Ace-Combats-Tests, Fans der Reihe könnten mit dem Kauf nichts verkehrt machen. Mit seiner Neuausrichtung zum interaktiven Actionfilm macht es uns Assault Horizon aber nicht ganz so leicht. Wer sich reinen Arcade-Flugzeugspaß ohne Unterbrechungen durch gescriptete Ereignisse, Railshooterszenen und Helikoptereinsätze wünscht, sollte lieber in die Cockpits des immer noch sehr guten Ace Combat 6 steigen.

Besonders für Actionspieler ohne virtuelle Luftkampferfahrung ist Assault Horizon dagegen umso interessanter. Mit Schauplätzen aus der Realität in einem Terrorszenario der nahen Zukunft und all dem leicht überzogenen Spektakel bedient sich das Ace-Combat-Team von Namco Bandai typischer Zutaten der erfolgreichen Modern-Warfare-Spiele. Entsprechend wohl fühlen sich Call-of-Duty-Spieler in den grafisch schicken Gefechten, auch wenn sie den Himmel als Schlachtfeld nicht gewohnt sein sollten. Gerade diese neue Erfahrung könnte aber den besonderen Reiz ausmachen.  (dp)


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