Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/87149.html    Veröffentlicht: 19.10.2011 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/87149

Ice Cream Sandwich

Googles Android 4.0 bringt viele Verbesserungen

Google hat Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich als künftige gemeinsame Plattform für Smartphones und Tablets vorgestellt. Es verfügt über eine Gesichtserkennung, ermöglicht das Übertragen von Daten per NFC und bringt eine Reihe sinnvoller Neuerungen.

Mit Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich werden die beiden Android-Varianten 2.x und 3.x verschmolzen. Während Android 2.x vor allem für den Einsatz auf Smartphones gedacht ist, gibt es Android 3.x nur auf Tablets. Mit Android 4.0 wird diese Unterscheidung aufgehoben und die neue Version kann ohne Einschränkungen sowohl auf Tablets als auch auf Smartphones verwendet werden.

In der Folge haben Smartphones mit Android 4.0 künftig keine Hardwareknöpfe mehr. Stattdessen gibt es wie schon bei Android 3.x die Bedienelemente nur noch auf dem Touchscreen. Das hat den Vorteil, dass die Bedienknöpfe sich mitdrehen, wenn das Gerät etwa im Querformat gehalten wird. Dafür gibt es künftig keine fühlbaren Knöpfe mehr. An Android 4.0 angepasste Anwendungen haben am unteren Bildschirmrand eine kontextabhängige Befehlsleiste, über die die häufig genutzten Aktionen schnell ausgelöst werden können.

Android 4.0 hat quasi den Sperrbildschirm von Android 3.x alias Honeycomb erhalten. Auf Geräten mit Android 4.0 kann über den Sperrbildschirm direkt die Kameraanwendung aufgerufen werden. Als weitere optische Änderung hat Android 4.0 mit Roboto einen neuen Font erhalten, der besonders auf den Einsatz auf HD-Displays hin optimiert sein soll.

Die Multitaskingübersicht aus Android 3.x wurde ebenfalls übernommen und der Anwender sieht nun in kleinen Vorschaufenstern, welche Anwendungen parallel laufen. Mit einem Wisch nach links oder rechts lassen sich laufende Applikationen bequem schließen. Die Bediengeste erinnert an die Multitaskingbedienung aus WebOS. Benachrichtigungen lassen sich ebenfalls mit einem Fingerwisch zur Seite löschen und bei gesperrtem Gerät kann der Nutzer direkt die Benachrichtigungsleiste öffnen, um die betreffende Anwendung zu starten.

Verbesserter Programmstarter

Android 4.0 bringt einen überarbeiteten Programmstarter, der Verzeichnisse kennt, damit Anwendungen besser sortiert werden können. Ordner können dabei auf den Schnellstarter gezogen werden. Ebenfalls einer besseren Übersichtlichkeit dient die Funktion zum Ausblenden vorinstallierter Anwendungen, die nicht benötigt werden. Dabei werden die Anwendungen nicht deinstalliert, sie tauchen aber im Programmstarter nicht mehr störend auf. Aus der Android-3-Welt wurde die Funktion übernommen, mit der sich Widgets in der Größe anpassen lassen, was Android 2.x nicht unterstützt.

Gerät per Gesichtserkennung entsperren

Zum Entsperren des Geräts kann die integrierte Gesichtserkennung verwendet werden. Mit der Kamera auf der Gerätevorderseite wird das Smartphone so gehalten, dass es das Gesicht des Nutzers erkennt. Bei erfolgreicher Erkennung wird der Zugang zum Gerät freigeschaltet.

Als längst überfällige Funktion unterstützt Android 4.0 endlich das bequeme Anlegen eines Bildschirmfotos. Die Screenshotfunktion wird ausgelöst, indem der Einschalter und die Leisertaste am Gerät gedrückt werden. Dann wird ein Abbild der aktuellen Ansicht als png-Bild auf dem Gerät abgelegt. Bisher war es meist mit viel Mühe verbunden, Screenshots mit einem Android-Gerät zu machen.

Überarbeiteter Browser

Der Android-Browser wurde überarbeitet, soll schneller arbeiten und bringt eine neuartige Tab-Übersicht, die ähnlich gestaltet ist wie die Multitasking-Übersicht. Bis zu 16 Tabs kann der Browser nun verwalten, offene Webseiten erscheinen als Minibild und können mittels Fingerwisch geschlossen werden. Zudem kann der Browser Seiten für das Offlinelesen speichern und Lesezeichen lassen sich mit dem Chrome-Browser synchronisieren.

Außerdem bietet der Android-Browser einen Privatsurfen-Modus, bei dem keine Browserdaten gespeichert werden. In diesem Modus tauchen besuchte Webseiten nicht im Browserverlauf auf. Über den Browser kann außerdem erzwungen werden, dass statt einer mobilen Version die entsprechende Desktopversion einer Webseite erscheint.

Mit dem neuen Google-Mail-Client in Android 4.0 lassen sich E-Mails komfortabler bearbeiten. E-Mails kann der Anwender mit einem Fingerwisch direkt durchblättern und die E-Mail-Vorschau zeigt zwei Zeilen der Nachricht an, damit der Nutzer ihren Inhalt erfassen kann, ohne sie öffnen zu müssen. Als weitere Neuerung erlaubt die Google-Mail-Anwendung nun das Durchsuchen der E-Mails der letzten 30 Tage auch ohne Internetverbindung.

Verbessert wurde auch der Android-Kalender, dessen Ansicht nun mittels Zoomgeste in der Größe verändert werden kann. Die überarbeitete Oberfläche soll die Bedienung vereinfachen und der Anwender kann bequem zwischen Tagen, Wochen oder Monaten mit einem Fingerwisch wechseln.

Überarbeitet wurde außerdem die Bildschirmtastatur, die allgemein besser reagieren und eine bessere Rechtschreibkorrektur bringen sollte. Auch die Zwischenablagefunktion wurde verbessert und der Nutzer kann Text mittels Drag-and-Drop direkt etwa innerhalb einer E-Mail oder eines Dokumentes verschieben.

Android 4.0 mit Datenverbrauchsmonitor

Google hat in Android 4.0 einen Datenverbrauchsmonitor integriert. Damit kann der Anwender beobachten, welche Anwendungen welche Datenmengen innerhalb einer bestimmten Zeit übertragen haben. Außerdem gibt es eine Schätzung, welches Datenvolumen voraussichtlich für den Rest des Monats zusammen kommt. Für einzelne Anwendungen kann die Datenübertragung im Hintergrund gezielt ausgeschaltet werden. Über den Datenverbrauchsmonitor kann sich der Anwender benachrichtigen lassen, wenn ein bestimmtes Datenvolumen erreicht wird. Außerdem kann das mobile Internet abgeschaltet werden, wenn ein festgelegtes Datenvolumen überschritten wird.

People App nennt Google die Funktion, die Informationen aus verschiedenen Quellen im Adressbuch zu bündeln. Zu den Quellen zählen auch soziale Netzwerke und Anwender können sich über den People App über den Status anderer informieren. Die betreffenden Daten werden automatisch aktualisiert. Umfangreich angepasst wurde auch die Kameraanwendung in Android 4.0. Mit ihr lassen sich nun bequem Panoramabilder aufnehmen, es gibt eine Gesichtserkennung und Bilder lassen sich in Echtzeit verfremden. Außerdem sollen sich Bilder einfacher etwa in soziale Netzwerke weiterleiten lassen.

Android Beam nutzt NFC

Wenn das Gerät mit einem NFC-Chip versehen ist, lassen sich über die Funktion Android Beam Webseiten, Kartenausschnitte in Google Maps, Anwendungen oder Youtube-Videos mit anderen Geräten austauschen. Diese müssen dann natürlich auch mit Android 4.0 und NFC versehen sein. Durch den NFC-Einsatz genügt es dazu, einfach die beiden Geräte aneinander zu halten, um die betreffenden Daten zu übertragen. Android Beam kann auch von anderen Anwendungen genutzt werden.

Die Telefonanwendung in Android 4.0 wurde überarbeitet und mit einem Fingerwisch kann auf Anrufe bei Bedarf mit einer SMS-Vorlage geantwortet werden. Zudem unterstützt die neue Android-Version nun Wifi Direct.

Das Software Development Kit (SDK) für Android 4.0 steht kostenlos zum Herunterladen bereit. Anwendungsentwickler sind aufgerufen, ihre Applikationen falls nötig an Android 4.0 anzupassen, damit diese auch mit der neuen Android-Version funktionieren.

Bisher gibt es noch für kein am Markt befindliches Android-Smartphone ein Update auf Android 4.0. Google will Android 4.0 auf jeden Fall für das Nexus S anbieten. Ob das Nexus One ebenfalls Android 4.0 erhält, ist noch nicht bekannt. Prinzipiell würde Android 4.0 aber mit allen Smartphones funktionieren, auf denen auch Android 2.3 alias Gingerbread läuft. Es ist damit zu rechnen, dass Updates auf Android 4.0 frühestens nach der Verfügbarkeit des Galaxy Nexus erscheinen werden.  (ip)


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