Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/87118.html    Veröffentlicht: 18.10.2011 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/87118

Overclocking

Mit Lötlampe und Stickstoff gegen den Cold Bug

In einem Video zeigt Corsair ausführlich, was für Taktfrequenzrekorde nötig ist: digitale Thermometer, flüssiger Stickstoff - und auch eine Lötlampe. Mit Hilfe dieser groben Heizmethode werden die Cold Bugs umgangen.

Übertakten mit Stickstoffkühlung ist keine Hexerei mehr - das zeigt Jake Crimmins vom Speicherhersteller Corsair in einem Video. Selbst die Kühlkörper, in denen das verflüssigte Gas verdampfen kann, gibt es nicht mehr nur vom ortsansässigen Schmied, sondern von einem Versender. Crimmins verwendet in seiner Vorführung das Kupferrohr Dragon von Kingpin Cooling.

Mittels Gewindestangen wird der Drachenkühler auf einem Asus-Mainboard befestigt - ob dieses Rampage III Black Edition aus der ROG-Serie für höhere Spannungen umgebaut wurde, verrät Crimmins nicht. Der Rest der Hardware: Intel-Core i7 990X, Dominator-TX2-Module von Corsair, vier GTX-580-Grafikkarten von Nvidia und zwei 1.200-Watt-Netzteile.

Das System erreicht damit bei Temperaturen um minus 120 Grad Celsius einen Wert von über 20.000 Punkten im Performance-Modus von 3DMark 11. Kein Rekord, aber immerhin einer der besseren Werte in den Highscores von Futuremark. Die Grafikkarten wurden für das Experiment nicht mit einer Zusatzkühlung versehen.

Crimmins wollte damit vor allem zeigen, dass sich Stickstoffsysteme nicht einfach kühlen, einschalten und benchmarken lassen. Vielmehr muss die Temperatur im Betrieb langsam gesenkt werden. Damit sie dann auf einem bestimmten Niveau gehalten werden kann, muss auch die Innenseite des Kühlkörpers isoliert werden. So erreicht die Konstruktion eine gewisse thermische Trägheit.

Der Overclocker greift dazu zu einem ganz einfachen Mittel: der Lötlampe. Er erzeugt damit im Inneren des Kupferrohrs eine Eisschicht, die den Wärmeübergang vom Kupfer auf den Stickstoff verzögert. Wird der flüssige Stickstoff mittels der Flamme schnell verdampft, bildet sich durch das Wasser in der Umgebungsluft eine Eisschicht.

Damit kann Crimmins die Temperatur auch über längere Zeit stabil halten. Er verwendet insgesamt drei Liter Stickstoff aus einer Thermoskanne. Der Übertaktungsprofi führt dabei auch die zwei bekanntesten Bugs bei Gaskühlung vor, die vor allem bei Intel-Prozessoren auftreten: den Cold Bug und den Cold Boot Bug.

Während der Cold Bug ab einer bestimmten Temperatur, die sich bei jeder CPU unterscheiden kann, auch im laufenden Betrieb zuschlägt und das System im Wortsinne einfrieren lässt, ist der Cold-Boot-Bug noch gemeiner. Wird nämlich der Prozessor vor dem Einschalten schon zu weit gekühlt, startet er gar nicht mehr. Bei Corsairs System startete der Intel-Prozessor schon bei knapp minus 120 Grad nicht mehr, obwohl er mit dieser Temperatur im Betrieb noch zurechtkommt. Der Cold Bug, der die CPU bei Benutzung spontan abstürzen lässt, schlug bei rund minus 145 Grad zu.

Stabil mit Benchmarks läuft der Corsair-Rechner bei 5,793 GHz, im Betrieb übertaktet - das lässt das Asus-Board über einen zweiten PC zu - kommt die CPU auf 6,035 GHz. Das zeigt wieder einmal, wie eng die Grenzen beim Overclocking zwischen stabilem Betrieb und der maximal erreichbaren Frequenz sind. Den aktuellen Taktrekord hält AMDs Bulldozer FX mit 8,429 GHz.  (nie)


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