Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/87087.html    Veröffentlicht: 17.10.2011 14:01    Kurz-URL: https://glm.io/87087

Test NBA 2K12

Geschichtsstunde mit Legenden

Ob die echte NBA-Saison 2011/2012 überhaupt stattfinden wird, steht noch nicht fest, 2Ks Basketballsimulation NBA 2K12 ist dagegen bereits erhältlich und schickt mehrere Legenden auf den Court.

Wer sich für US-Basketball interessiert, hat derzeit ein Problem: Die Profis spielen nichtt - sie verhandeln noch über ihre Bezahlung. Bleiben als Alternative Aufzeichnungen älterer Partien, oder noch besser: das Sportspiel NBA 2K12. Darin lädt uns direkt aus dem Hauptmenü ein neu modelliertes - jedoch noch immer recht künstlich wirkendes - Spielermodell von Dirk Nowitzki dazu ein, die letzten Finals gegen die Miami Heat nachzuspielen. Das eigentliche Highlight von NBA 2K12 ist allerdings der Modus "The Greatest". Darin haben Spieler die Möglichkeit, einige der größten NBA-Stars in der Geschichte der amerikanischen Profiliga zu steuern. Der Modus ist die Weiterentwicklung der letztjährigen Jordan-Challenges.

Wählen Spieler etwa Larry Bird im Greatest-Modus, wird die Partie Boston Celtics vs. Atlanta Hawks aus der Saison 1985/86 geladen. Durch zahlreiche optische Filter und angepasste Menüs wirkt das Matchup wie in den 80er Jahren. Durch einen leichten Sepia-Farbton, rudimentäre Texteinblendungen und enge Shorts der Spieler ist die Partie kaum von einer TV-Aufzeichnung zu unterscheiden. Matches aus den 50er Jahren werden sogar in stimmungsvollem Schwarz-Weiß dargeboten.

Das Kommentatorentrio bespricht das Spielgeschehen so, als würde es sich die klassische Partie heutzutage ansehen. Die Kommentatoren erwähnen allerlei Meilensteine von Larry Bird und die Rivalität der LA Lakers und Boston Celtics. Auch über Dominique Wilkins und die Atlanta Hawks werden interessante Fakten genannt. Als Spudd Webb, einer der kleinsten, aber sprunggewaltigsten Spieler in der NBA, zum Beispiel einen Korbleger landet, beginnen die Kommentatoren zu erzählen, wann und wie dieser kleine Mann seinerzeit den Slam-Dunk-Wettbewerb gewinnen konnte.

Unser Spiel verläuft ebenfalls historisch akkurat. Bis zur Halbzeit schenken wir den Hawks allein 16 Punkte mit Larry Bird ein. Treffsicher werfen wir von der 3-Punkte-Linie und sind dank der Körpergröße von Bird auch unter dem Korb erfolgreich. Birds Kollege Kevin McHale sammelt einen hart erarbeiteten Rebound nach dem nächsten, während sich die Treffsicherheit von Celtics-Center Robert Parish an der Freiwurflinie bewährt.

Die Begegnung wirkt authentisch, da die Entwickler nicht nur die Fähigkeitspunkte sehr genau getroffen, sondern auch alle Stars mit eigenen Animationen ausgestattet haben. Dominique Wilkins streut zwei seiner Signature-Dunks ein, während der Sprungwurf von Larry Bird unnachahmlich gelassen und locker erscheint. Am Ende gehen wir als Sieger vom Platz und erfahren noch, dass selbst Larry Bird auf dem Platz gerne Trash Talk betrieben hat.

Eigene Spieler mit Charakter und Fazit

Neben dem "The Greatest"-Modus haben die Entwickler noch den Einstieg in die eigene Karriere im Mein-Spieler-Modus überarbeitet. Vor dem Einzug in die NBA müssen Spieler Interviews mit den Teams führen. Die Fragen gehen in die Tiefe und wirken logisch. Wer etwa bei den San Antonio Spurs als Center anheuern möchte, muss erst Altmeister Tim Duncan verdrängen und vielleicht viel Zeit auf der Bank in Kauf nehmen. Das weiß auch das Team.

Ob der eigene Athlet ein geldsüchtiger Einzelgänger oder ein von den Fans geliebter Teamplayer ist, liegt ganz beim Spieler. Die Entscheidungen abseits und die Spielweise auf dem Court prägen nach und nach einen sehr individuellen Charakter. Verglichen mit dem simplen Werte-Aufleveln im ähnlichen Modus von Fifa 12 wirkt das Ausbauen des eigenen Sportlers in NBA 2K12 wie in einem Rollenspiel.

Wer NBA 2K12 direkt mit seinem Vorgänger vergleicht, findet optisch wenig Neues. Die Coaches an der Seitenlinie wurden erneut überarbeitet, Spieler hechten Bällen über die Aus-Linie hinterher und die Anzeigen für Turbo und Schussgenauigkeit wurden ausgetauscht. Zu Beginn einer Playoff-Runde gibt es neue stimmungsvolle Musikvideos, die an die letztjährigen TV-Übertragungen angelehnt sind.

Im Angriff haben Spieler beim Aufposten nun mehr Möglichkeiten für einen Korberfolg und mehr Kontrolle darüber, ob sie mit einem Baby-Hookshot, Korbleger oder Pump-Fake abschließen wollen. Bei den Spielzügen gibt es eine größere Auswahl und wir hatten auch den Eindruck, in NBA 2K12 viel öfter dadurch erfolgreich Punkte zu werfen als in 2K11. Auf Wunsch übernimmt der Coach automatisch die Auswahl eines Spielzuges. Während der Timeouts gibt es ebenfalls neue Möglichkeiten, die Strategie des eigenen Teams komfortabel und schnell umzustellen, ohne dabei viel Zeit in verschachtelten Menüs zu verbringen.

Die Mehrspielermodi umfassen in NBA 2K12 nun auch den Liga-Modus im Onlinebetrieb. Wir hatten während des Tests online deutlich weniger Spaß als offline. Oft verloren unsere Gegner nach der Hälfte der Partie die Lust oder die Verbindung zum Weiterspielen. Außerdem war das Timing für Rebounds und Freiwürfe durch Lags regelmäßig eine Frage des Zufalls. Einmal fror das Spiel nach dem dritten Viertel auch ganz ein.

NBA 2K12 ist auf Xbox 360, Playstation 2, Playstation 3 und Wii für 50 Euro und auf dem PC für 30 Euro erhältlich. Das Sportspiel ist ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Fazit

In der Zeit, in der andere Entwickler versuchen, ein komplett neues NBA-Spiel auf die Beine zu stellen, hat 2K Sports seine großartige Sportsimulation aus dem Vorjahr mit Detailverbesserungen und Legenden garniert. Viel Arbeit ist in die Erstellung der Klassiker gegangen. Zuweilen wirken die legendären Begegnungen dank der interessanten und professionellen Kommentatoren wie eine spielbare Geschichtsstunde. Allein hier stecken gute zehn Stunden einzigartiger Spielspaß, ohne dass Spieler auch nur den Franchise- oder Mein-Spieler-Modus angefangen hätten.

Die dynamischen Animationen beim Aufposten, die erleichterten Spielzüge und der komplexere Mein-Spieler-Modus machen NBA 2K12 selbst für Spieler interessant, die bereits den direkten Vorgänger besitzen. Eigentlich haben wir uns beim Test hauptsächlich über das nach wie vor nicht optimale Freiwurfsystem geärgert, das abhängig vom Athleten entweder zu leicht oder zu schwer ist - das sagt schon einiges aus.  (mw)


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