Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/87083.html    Veröffentlicht: 17.10.2011 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/87083

Intel-CTO Justin Rattner

"Wir haben uns auf unseren Lorbeeren ausgeruht"

Im Gespräch mit Golem.de erklärt Justin Rattner, Chef von Intels Forschungsabteilung, warum das Unternehmen sich so stark für Ultrabooks engagiert. Intels Kerngeschäft, die Entwicklung und Herstellung von CPUs, solle noch mindestens bis 2015 unverändert schnell laufen, sagt er.

Während des Research @ Intel Day, bei dem der Chiphersteller Journalisten jährlich einen kleinen Einblick in seine Forschungslabors gibt, hat Justin Rattner Golem.de unter anderem erklärt, warum Intel die kommenden Ultrabooks so wichtig sind. Dass sie nur eine Antwort auf den Tablettrend sind, für den Intel noch keine geeigneten Prozessoren stellen kann, bestritt der Chief Technology Officer.

Vielmehr habe Intel diesmal "die Vorzeichen erkannt", die insbesondere durch das Macbook Air sichtbar geworden seien. In die Entwicklung des Notebooks, das zum Zeitpunkt seines Marktstarts mit 19 Millimetern das dünnste aktuelle Notebook war, sei Intel "sehr eng eingebunden" gewesen. Daraufhin habe das Unternehmen entschieden, auch mit Förderprogrammen für taiwanische Hersteller wieder eine Gerätekategorie selbst zu definieren.

Das sei für mobile Geräte zuletzt mit dem Konzept Centrino im Jahr 2003 geschehen. Danach "haben wir uns etwas auf unseren Lorbeeren ausgeruht", sagte Rattner. Bei Centrino bot Intel Notebookherstellern Prozessor, Chipsatz und WLAN-Modul aus einer Hand an, was zu einer schnelleren Verbreitung von drahtlos vernetzten PCs führte.

Beim nächsten Trend, den Netbooks, habe aber Asus die Vorreiterrolle übernommen, sagte Intels Chef der Forschungsabteilung: "Man muss Asus dafür viel Respekt zollen". Der drückt sich im Übrigen darin aus, dass das taiwanische Unternehmen einer der Partner bei Ultrabooks ist. Das Zenbook UX31 von Asus ist auch das erste Ultrabook, das Golem.de testen konnte. Bei den Netbooks hatte Intel nicht so gut geplant, so waren Justin Rattner zufolge die geplanten Stückzahlen für die Atom-CPUs für die Nachfrage anfangs viel zu niedrig.

Die Ultrabooks sollen aber anders als Netbooks für alle modernen Anwendungen schnell genug sein, daher setzt Intel auf Core-i-CPUs mit Sandy-Bridge-Architektur. Diese Prozessoren gibt es nun auch mit 17 Watt TDP, was die flachen Ultrabooks mit ihren vergleichsweise kleinen Akkus erst möglich macht. So sparsame Prozessoren sind nur durch ständige Verkleinerungen der Strukturbreiten herzustellen.

Tick-Tock mindestens bis 2105

Intels selbst auferlegter Zwang, diese Strukturbreiten alle zwei Jahre zu verringern, ist auch als Tick-Tock bekannt. Laut Justin Rattner soll dieses Konzept "noch mindestens drei Generationen" durchgehalten werden. Bis zum Jahr 2015 und "vielleicht auch bis 2017" soll Tick-Tock funktionieren. Schon ab einer Strukturbreite von 14 Nanometern plant Intel dafür Kooperationen mit anderen Chipherstellern.

Dieses für Intel neue Vorgehen - AMD beispielsweise arbeitet schon lange mit IBM und anderen Unternehmen zusammen - ist Justin Rattner zufolge inzwischen zwingend nötig. Schon jetzt sei Intel das Unternehmen, das den größten Innovationsdruck auf die Hersteller von Maschinen zur Chipfertigung ausübe. "Es ist nicht nur ein einzelnes Unternehmen, das Moores Law aufrechterhält", sagte Rattner mit Bezug auf die Regel zur Verkleinerung von Strukturbreiten des Intel-Mitbegründers Gordon Moore.

Die immer größere Anzahl von Transistoren stelle aber inzwischen auch Intel vor Probleme, weil nicht immer offensichtlich sei, was man mit den zusätzlichen Schaltelementen anfangen soll: "Bauen wir eine größere Gleitkommaeinheit, oder fügen wir eine neue Sicherheitsfunktion hinzu? Genau solche Diskussionen hatten wir immer wieder."

Eine Wunschliste von den Softwareherstellern gebe es dabei aber nicht. Vielmehr bestimmen nun laut Rattner Trends in den Erwartungshaltungen der Anwender, was Computer leisten müssten. So sei es auch ein Ziel der Ultrabooks, dass sie sich wie Smartphones und Tablets verhalten: "Warum verhalten sich PCs nicht so? Warum schalten die sich nicht sofort ein oder wieder aus? Warum finden sie ihr Netzwerk nicht gleich?"

Auch die Sicherheit spielt für die Anwender Rattner zufolge eine wachsende Rolle. Mit einer neuen Funktion namens "Deep Safe" (PDF), bei der der Internetverkehr in Echtzeit durch die Hardware - und nicht das Betriebssystem - überwacht wird, sollen PCs weitgehend immun gegen Angriffe werden. "Das ist eine echte Abwehr gegen Zero-Day-Attacken", sagte Rattner. Deep Safe soll laut Intels Angaben auf dem letzten IDF schon mit bestehenden CPUs funktionieren, wann es aber marktreif ist, gab der Chiphersteller noch nicht an.  (nie)


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